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Ein lauer Frühsommerabend in Kalmar, 36.521 Zuschauer, Sonne, Meeresbrise - und ein Heimteam, das so wirkte, als hätte es die Fußballschuhe in der Kabine vergessen. IF Brommapojkarna nutzte die Einladung zu einem Offensivfest mit höflicher Entschlossenheit und gewann am 29. Spieltag der 1. Liga Schweden mit 5:0 (2:0) gegen einen Kalmar FC, der zwischen jugendlichem Eifer und taktischer Orientierungslosigkeit schwankte. Schon nach wenigen Minuten war klar, wer hier das Sagen hatte. Aleksandar Stankovic prüfte in der 3. Minute den Torwart Nelson Nani - und das war nur der Anfang einer langen Nacht für den Kalmar-Keeper. In der 26. Minute war es dann soweit: Juanito Carvalho, der brasilianische Wirbelwind auf der linken Seite, nahm einen cleveren Pass von Stankovic auf, tanzte zwei Verteidiger aus und schob überlegt zum 0:1 ein. "Ich habe einfach gemacht, was ich immer mache - Spaß haben!", grinste Carvalho später und deutete auf seine Schuhe, die offenbar mehr Ballgefühl besitzen als die gesamte Kalmar-Abwehr zusammen. Kaum hatten sich die Gastgeber vom ersten Schock erholt, stand es schon 0:2. Nur eine Minute später traf Sergi Antunes nach Vorarbeit von Innenverteidiger Serhat Adatepe - ein Spielzug, so simpel wie lehrbuchhaft. "Wenn sogar der Innenverteidiger Vorlagen gibt, weißt du, dass du Probleme hast", knurrte Kalmars Trainer Rock Mini nach dem Spiel. Die Statistik zur Pause sprach Bände: 14:2 Schüsse aufs Tor für Brommapojkarna, 58 Prozent Ballbesitz, und ein Kalmar, das im eigenen Stadion wirkte, als spiele es auf fremdem Rasen. Die jungen Wilden im Team - gleich drei 17-Jährige in der Startelf - kämpften zwar tapfer, aber meist gegen Windmühlen. Nach dem Seitenwechsel änderte sich am Drehbuch wenig. Brommapojkarna blieb offensiv, Kalmar blieb bemüht. In der 63. Minute erhöhte Stankovic nach Vorlage von Nick Reinhardt auf 0:3 - ein abgeklärter Abschluss ins rechte Eck, während der Torwart nur noch hinterherschauen konnte. "Ich hätte den Ball fast mit den Augen aufgehalten", murmelte Nani später selbstironisch in der Mixed Zone. Dann kam die Doppelpack-Feststunde: In der 82. Minute nahm Carvalho eine Flanke von Dragan Mihajlovic volley - 0:4. Keine 60 Sekunden später servierte Antunes für Stankovic, der mit seinem zweiten Treffer den 5:0-Endstand markierte. Fünf Tore, fünf verschiedene Vorlagengeber - eine Mannschaft, die Fußball als Mannschaftssport verstanden hatte. Während die Gäste jubelten, spielte sich am anderen Ende des Platzes ein ganz anderes Drama ab: Halvard Bjorklund, 17 Jahre jung, hatte sich bereits in der 60. Minute Gelb abgeholt und sah in der Nachspielzeit nach einem übermotivierten Einsteigen Gelb-Rot. Der Junge verließ das Feld mit hängenden Schultern. "Ich wollte nur zeigen, dass ich da bin", sagte er später mit brüchiger Stimme. Trainer Mini legte ihm tröstend die Hand auf die Schulter - und murmelte etwas, das nach "Nächstes Mal lieber den Ball treffen" klang. Brommapojkarnas Coach Andreas Godejohann zeigte sich nach dem Spiel zufrieden, aber nicht überschwänglich: "Wir haben das umgesetzt, was wir uns vorgenommen hatten. Offensive heißt bei uns nicht Chaos, sondern Kontrolle." Tatsächlich wirkte der Auftritt seiner Elf wie eine Lehrvorführung in Sachen Balance zwischen Angriffslust und Disziplin. Kalmar dagegen muss sich fragen, ob jugendliche Frische allein genügt, um in dieser Liga zu bestehen. 42 Prozent Ballbesitz, fünf Schüsse aufs Tor - davon keiner wirklich zwingend - und am Ende ein Resultat, das deutlich macht, wie groß der Unterschied zwischen Talent und Routine sein kann. Als die Stadionlautsprecher bereits die letzten Fans zum Ausgang begleiteten, stand Stankovic noch auf dem Rasen und klatschte Richtung Tribüne. "Das war Spaß", sagte er lachend. "Aber ich hab das Gefühl, Kalmar wird beim Rückspiel nicht mehr so freundlich sein." Vielleicht nicht. Aber an diesem Abend war es ein Klassenunterschied, der sogar den Wind über der Ostseeküste kurz verstummen ließ. Und während Brommapojkarna mit breiter Brust Richtung Saisonfinale blickt, dürfte Kalmar-Coach Rock Mini die Nacht damit verbringen, neue Trainingsformen zu erfinden - am besten solche, bei denen das Tor auch mal getroffen wird. 11.05.644000 09:40 |
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