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Es war eine dieser Nächte in Stockholm, an denen der Himmel klar, das Bier kalt und die Stimmung im Grimsta IP elektrisierend war. 33.376 Zuschauer sahen bei milden 14 Grad ein 4:0‑Feuerwerk von IF Brommapojkarna gegen Alviks IK - ein Spiel, das zur Halbzeit noch nach zähem Ringen roch und am Ende in ein kleines Fußballfest mündete. "Ich hab in der Pause nur gesagt: ’Mehr Mut, mehr Tempo, mehr Spaß’", grinste Trainer Andreas Godejohann nach dem Abpfiff. "Vielleicht hätten wir das schon vor dem Anpfiff machen sollen." Denn die erste Halbzeit war, freundlich formuliert, ein Geduldsspiel. Brommapojkarna rannte an, kombinierte gefällig, kam zu einigen Abschlüssen - allen voran Aleksandar Stankovic, der allein vor der Pause drei Mal den Abschluss suchte, aber stets an Keeper Henrik Bengtsson scheiterte oder knapp verzog. Alviks IK konterte sporadisch, etwa durch Evan Baird (21.) oder Valter Johnsson (40.), blieb aber insgesamt harmlos. Zur Pause stand es 0:0 - und die Fans fragten sich, ob sie ihr Eintrittsgeld vielleicht besser in Hot Dogs investiert hätten. Doch dann kam Minute 48. Ein Freistoß segelte in den Strafraum, Innenverteidiger Nikita Zizinow verlängerte per Kopf, und Rechtsverteidiger Jean Beaupre nahm den Ball volley - 1:0! Ein Jubelorkan brach los. "Ich wollte eigentlich nur klären, aber der Ball kam so schön", lachte Beaupre später. Kaum hatten sich die Gäste von diesem Schock erholt, klingelte es erneut: Dragan Mihajlovic tankte sich über links durch, passte mustergültig auf Stankovic - 2:0 in der 50. Minute. Der Routinier riss die Arme hoch, blickte zum Himmel und brüllte etwas, das wohl nicht für Kinderohren bestimmt war. "Das war pure Erleichterung", gab er später zu. "Ich hatte mich in der ersten Halbzeit selbst verflucht." Von da an rollte der Ball fast nur noch in eine Richtung. Alviks IKs Defensive, bislang solide, zerfiel in Einzelteile. Brommapojkarna kombinierte, drückte, ließ den Ball laufen. In der 59. Minute steckte Hugo Nani clever durch auf Brandon Madigan - und der schob eiskalt ein. 3:0. Der Rest war Schaulaufen. Die Gäste aus Alvik versuchten, sich zu fangen, spielten tapfer weiter, aber ohne Durchschlagskraft. Ihr Trainer, der nach dem Spiel merklich um Fassung rang, meinte trocken: "Manchmal sieht man aus wie eine Mannschaft, manchmal wie elf Leute in denselben Trikots." Den Schlusspunkt setzte in der 85. Minute erneut Stankovic. Und wieder war es Mihajlovic, der den Assist gab - eine Kopie des zweiten Tores, nur noch präziser. 4:0. Die Fans sangen, die Ersatzspieler tanzten, und Godejohann winkte lässig Richtung Kurve. Statistisch war die Sache ebenso klar wie das Ergebnis: 15 Torschüsse zu 3, 53,5 Prozent Ballbesitz für die Gastgeber, eine Zweikampfquote von fast 57 Prozent. Alviks IK dagegen wirkte müde, ideenlos, fast ein wenig resigniert. "Wir wollten eigentlich kompakt stehen und über die Flügel kommen", erklärte Mittelfeldmann Diego Antunes. "Aber die standen uns im Weg - überall." Ein kleiner Nebenschauplatz: Brommapojkarnas Verteidiger Patrick Siebert sammelte seine dritte Gelbe der Saison, diesmal wegen eines ungeschickten Griffs ans Trikot. "Ich wollte ihm nur helfen, das Gleichgewicht zu halten", witzelte er später mit einem Augenzwinkern. Am Ende blieb die Erkenntnis, dass Godejohanns Mannschaft, wenn sie einmal ins Rollen kommt, kaum zu stoppen ist. Offensiv, spielfreudig und gefährlich aus allen Lagen - so will man sie sehen. Für Alviks IK hingegen heißt es: Wunden lecken, neu sortieren, und vielleicht einfach hoffen, dass der nächste Gegner weniger Lust auf Fußball hat. "Vier Tore, null Gegentore - das ist ein Statement", fasste Stankovic zusammen, während er sich den Schweiß von der Stirn wischte. "Aber ehrlich: Wir hätten auch fünf machen können." Und so verließen die Fans das Stadion mit breitem Grinsen und dem Gefühl, Zeugen eines kleinen Lehrstücks in Sachen Geduld und Explosion gewesen zu sein. Erst 45 Minuten Stillarbeit, dann ein Feuerwerk. So geht Dramaturgie - und so spielt man sich in die Herzen der Zuschauer. Am kommenden Wochenende reist Brommapojkarna mit breiter Brust nach Göteborg. Wer so spielt, darf ruhig träumen - oder, wie Trainer Godejohann sagte: "Ich hab gesagt, wir wollen Spaß. Und das hatten wir. Nur Alvik wohl weniger." 26.01.644000 16:33 |
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Torsten Legat