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Ein lauer Frühlingsabend im Allgäu, Flutlicht, 5000 Zuschauer und ein SV Linx, der offenbar vergessen hatte, dass man Tore schießen muss, um Punkte zu holen. Sonthofen dagegen zeigte am 17. Spieltag der Regionalliga A eine Vorstellung, die weniger an Regionalliga als vielmehr an gepflegten Kombinationsfußball erinnerte - zumindest phasenweise, und wenn man beide Augen zudrückte. Das 2:0 (1:0) war am Ende so verdient wie eindeutig. Schon in den ersten Minuten ließ Sonthofen keinen Zweifel daran, wer an diesem Abend den Ball behalten wollte. 56 Prozent Ballbesitz, 13 Torschüsse - und Linx mit exakt null. Ja, richtig gelesen: null. "Wir wollten kompakt stehen", erklärte Linx-Trainer Michal Dickschat nach dem Spiel trocken. Ein Journalist ergänzte: "Hat ja auch geklappt - kompakt um den eigenen Sechzehner." Dickschat grinste schief: "Leider zu kompakt." Sonthofen begann mit jugendlichem Elan. Bereits in der 2. Minute prüfte Ashton Grant den gegnerischen Keeper Haase mit einem satten Linksschuss. Kurz darauf zog Bernardo Galindez ab, dann Quixano, dann Auclair - ein Sturmlauf, der eher nach Handball aussah als nach Fußball. Die Zuschauer hatten kaum Zeit, ihre Stadionwurst zu wenden. Dass es bis zur 42. Minute dauerte, ehe der Ball endlich im Netz zappelte, war eine Mischung aus Pech, Unvermögen und einem glänzend aufgelegten Linxer Torhüter. Dann aber kam Grant. Der 21-jährige Linksaußen, bisher mehr für Sprintduelle als für Torjubel bekannt, nahm einen Pass von Routinier Kassandros Nikoloudis auf, legte sich den Ball einmal zurecht und zimmerte ihn unhaltbar unter die Latte. 1:0. "Ich hatte eigentlich gar nicht überlegt", grinste Grant später. "Ich wollte nur, dass endlich Ruhe ist - die Jungs haben schon gemeckert, dass ich zu viel dribble." Mit dieser Führung ging es in die Pause, und Sonthofen-Coach - der Name blieb in der Statistik unsichtbar, aber seine Handschrift unübersehbar - schien in der Kabine die richtigen Worte gefunden zu haben. Nur fünf Minuten nach Wiederanpfiff erhöhte Linksverteidiger Jorge Hierro auf 2:0. Eine Szene, die so gar nicht nach einem Abwehrspieler aussah: Über rechts kam Galindez, flankte gefühlvoll, und Hierro rauschte von hinten heran - Zack, Kopfball, Tor. "Ich bin eigentlich gar nicht so kopfballstark", gab der 21-Jährige später lachend zu. "Aber wenn Bernardo so flankt, muss man nur noch den Kopf hinhalten." Danach war das Spiel im Grunde entschieden. Linx wirkte ratlos, fast schüchtern. Kein einziger Torschuss fand den Weg auf das Gehäuse von Sonthofens Keeper Lionel Deco, der wohl den entspanntesten Arbeitstag seiner Saison verbrachte. Man sah ihn mehrfach gähnen. "Ich hab mir fast einen Sonnenbrand geholt", scherzte er nach dem Spiel, "so viel Zeit hatte ich, in die Flutlichter zu schauen." Sonthofen ließ den Ball laufen, bekam allerdings auch vier Gelbe Karten - offenbar, weil man sich im Überschwang etwas zu sehr in Zweikämpfen austobte. Quixano (7.), Grant (13.), Galindez (55.) und Keane (89.) durften sich über farbliche Ermahnungen freuen. "Aggressivität im Standardbereich", würde man wohl in der Statistik sagen. Oder wie Kapitän Nikoloudis es formulierte: "Wir wollten zeigen, dass wir nicht nur schön spielen können." Auf der Tribüne wurde bereits nach dem zweiten Treffer gescherzt: "Vielleicht sollte Linx mal schießen." Doch die Gäste blieben ihrem Plan treu - oder ihrem Nicht-Plan. Ohne Pressing, ohne Risiko, ohne Zielwasser. "Es war, als hätten sie den Ball mit einem heißen Eisen verwechselt", kommentierte ein älterer Fan schmunzelnd. Als Schiedsrichter Altmann die Partie nach 90 Minuten abpfiff, fühlte sich das Ergebnis fast milde an. 13:0 Torschüsse, 2:0 Tore - das nennt man Effizienz mit Anlauf. Sonthofen klettert damit weiter in der Tabelle, während Linx dringend über eine neue Offensivstrategie nachdenken sollte. "Wir haben heute gezeigt, dass wir’s können, wenn wir wollen", sagte Grant zum Abschluss, während neben ihm Hierro lachend nickte: "Und wenn wir treffen, ist es sogar noch schöner." Mit einem Augenzwinkern fügte ein Zuschauer hinzu: "Sonthofen spielt wie der Frühling - manchmal stürmisch, manchmal sonnig, aber nie langweilig." Und das fasst diesen Abend wohl perfekt zusammen. 13.08.643996 02:45 |
Sprücheklopfer
Wenn ich aber nur daran denke, dass seine Frau, dieses Spice Girl, auch mitkäme! Das wäre schön für die Medien, aber nicht für uns. Das Theater brauche ich nicht.
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