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Ein 2:2, das keiner so richtig wollte - Eschborn und Rundhof teilen sich die Punkte

57.799 Zuschauer im Eschborner Stadion sahen an diesem lauen Aprilabend ein Fußballspiel, das alles hatte: Tore, Karten, Dramatik - und das Gefühl, dass keiner der beiden Vereine so recht wusste, ob er sich über den Punkt freuen sollte. Am Ende stand es 2:2, ein Ergebnis, das so gerecht wie unbefriedigend war.

TSV Rundhof startete, als hätten sie den Espresso intravenös bekommen. Bereits in der 7. Minute schlug Noe Poncela zu, nach feinem Zuspiel von Damir Komljenovic. Eschborns Abwehr wirkte da noch im Stand-by-Modus. "Wir waren mental noch beim Einlaufen", knurrte Eschborn-Trainer Yas Sin später. Sein Gesichtsausdruck verriet: Das war keine Ausrede, sondern eine Diagnose.

Doch Eschborn rappelte sich auf. In der 30. Minute hob sich Jacob Holz aus dem rechten Halbfeld ab, bekam den Ball von Jan Sestak mustergültig serviert und drosch ihn mit einer Eleganz ins Eck, wie man sie sonst nur in Werbespots sieht. 1:1 - und plötzlich war Eschborn wach. Holz grinste nach dem Treffer: "Ich hab einfach die Augen zu und drauf. Manchmal klappt’s halt."

Zur Pause war die Partie offen, aber die Statistik erzählte eine kleine Wahrheit: Zehn Schüsse für Eschborn, sieben für Rundhof, fast identischer Ballbesitz. Nur in einem Punkt lag Rundhof klar vorne - in der Kartenstatistik. Jake Haddington sah erst Gelb in der 20. Minute und dann Gelb-Rot in der 48. "Ich hab den Ball gespielt!", schrie er in die Nacht, während der Schiedsrichter das zweite Mal den Karton zückte. Der Ball, so war es allerdings, befand sich da schon in einer ganz anderen Dimension.

Mit einem Mann mehr nahm Eschborn das Heft in die Hand. Bernt Geier, der schon in der 63. Minute Gelb gesehen hatte, schob in der 67. selbstbewusst zur Führung ein - wieder nach Vorarbeit von Sestak, der an diesem Abend mehr Kilometer machte als ein Lieferdienstfahrer am Samstagabend. 2:1, das Stadion vibrierte, und Coach Sin reckte die Fäuste gen Flutlicht.

Doch wer glaubte, der Drops sei gelutscht, hatte die Rechnung ohne Cristobal Eusebio gemacht. Der kam zur Halbzeit für Poncela und war ab der 92. Minute plötzlich der Mann des Abends - zumindest für Rundhof. Nach Vorlage des bulligen Goran Ilicevic hämmerte er den Ball aus 18 Metern unter die Latte. 2:2. Eschborns Torwart Logan Cochran sah den Ball erst, als er wieder aus dem Netz kullerte. "Ich hab ihn kommen sehen - aber nur kurz", murmelte er später mit Galgenhumor.

In der Nachspielzeit wurde es noch einmal wild: Peter Penksa, Eschborns hitziger Innenverteidiger, sah Gelb-Rot nach einem Bodycheck, der mehr nach Rugby als nach Fußball aussah. "Er hat sich einfach in meinen Laufweg gestellt", meinte Penksa trocken. Der Laufweg war allerdings rund 20 Meter breit.

Die letzten Sekunden gehörten dem Chaos: Rundhof drückte, Eschborn wackelte, und als Schiedsrichter Riedl endlich abpfiff, atmeten beide Seiten auf. Trainer Du Dado vom TSV Rundhof sprach danach von einem "moralischen Sieg", während Yas Sin eher an die verpasste Chance dachte: "Wenn man in Überzahl führt, darf man das nicht hergeben. Punkt."

Statistisch war es ein Spiel auf Augenhöhe - 50,6 Prozent Ballbesitz für Eschborn, 49,3 für Rundhof, Zweikampfquote 52 zu 47 Prozent. Aber wer nur auf Zahlen schaut, verpasst die Geschichte: zwei Teams, die sich nichts schenkten, ein Schiedsrichter, der wohl noch heute im Kühlbeutel nach Eis für seine Pfeife sucht, und ein Publikum, das am Ende zwar kein Siegerlächeln, aber immerhin ein Spektakel mit nach Hause nehmen konnte.

Und während die Flutlichtmasten erloschen, hörte man vom Spielfeldrand noch einen erschöpften Jan Sestak: "So Spiele machen dich alt. Aber wenigstens war’s kein 0:0." Ein Satz, der alles zusammenfasst.

Eschborn und Rundhof - zwei Mannschaften, die sich an diesem Abend gegenseitig neutralisierten und gleichzeitig bewiesen, dass Fußball auch dann schön sein kann, wenn er weh tut. Ein Remis, das sich anfühlt wie ein halber Sieg für die Nervenärzte der Fans.

23.06.643997 01:14
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