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Ein Punkt, zwei Gesichter: FC Marzahn und Bad Kleinen teilen sich die Bühne

Ein Flutlichtabend, wie er im Drehbuch des deutschen Winterfußballs steht: 20:30 Uhr, 30.869 Zuschauer, kalter Atem über dem Rasen - und zwei Mannschaften, die lieber um Zentimeter stritten als um Schönheitspunkte. Das 1:1 zwischen dem FC Marzahn und Bad Kleinen am 9. Spieltag der 1. Liga war kein fußballerisches Feuerwerk, aber ein lehrstückhafter Beweis, dass auch kontrolliertes Chaos seine eigene Dramaturgie hat.

Die Marzahner, von Trainer Frank Henning gewohnt nüchtern eingestellt, begannen mit 56 Prozent Ballbesitz und der gewohnten Taktik: ausgewogen, leicht auf Konter lauernd, aggressiv wie ein Hamster nach der Winterruhe. Dennoch gehörte die Anfangsphase den Gästen aus Mecklenburg. Schon in der ersten Minute prüfte Bad Kleinens Abwehrmann Luca Schuster mit einem überraschenden Distanzversuch die Aufmerksamkeit von Keeper Vicente Domingos - der aber mehr Frust als Frost spürte, als der Ball knapp vorbeizischte.

"Da dachte ich kurz, wir spielen heute Basketball", grinste Henning nach der Partie. Sein Team brauchte knapp 20 Minuten, um aus dem Standgas zu kommen. Dann aber zeigte Alex Bruni, warum ihn die Fans liebevoll "der Espresso auf zwei Beinen" nennen. Nach mehreren Vorstößen zündete der 29-Jährige in der 27. Minute den Turbo: Pedro Valdes flankte butterweich von links, Bruni nahm den Ball mit der Brust und drosch ihn volley ins Netz. 1:0 - und das Stadion vibrierte, als hätte jemand die Heizungen aufgedreht.

"Ich hab’ einfach draufgehalten", sagte Bruni hinterher mit einem Schulterzucken, "manchmal hilft Denken ja nur dem Gegner."

Doch wer dachte, das Spiel würde nun in ruhigen Bahnen verlaufen, irrte. Bad Kleinen, von Trainer Cw WC (ja, der Name sorgt in jeder Pressekonferenz für ein leichtes Schmunzeln) offensiv eingestellt, antwortete mit wachsender Wut. Meik Köhler, der bullige Mittelstürmer, rackerte unermüdlich, bekam aber kaum brauchbare Zuspiele. Erst mit der Einwechslung des 20-jährigen Max Adam in der 60. Minute fiel der verdiente Ausgleich. Ironie des Schicksals: Adam kam gerade für den blassen Hans Jürgens aufs Feld, kombinierte sich im ersten Angriff mit Köhler durch die Mitte - und traf trocken zum 1:1.

"Ich wollte eigentlich nur den Ball behaupten", meinte der Youngster später, "dann war plötzlich Platz - und irgendwie auch das Tor."

Danach wogte das Spiel zwischen Nervosität und Nachlässigkeit. Marzahn suchte die Kontrolle, Bad Kleinen die Gunst des Moments. Die Torschussstatistik sprach am Ende mit 12:9 für die Gäste, aber das Momentum wechselte ständig. In der 75. Minute reagierte Henning doppelt: Bruni und Gome raus, McGee und Carsley rein - frische Beine für alte Ideen. Viel änderte sich nicht, außer dass Timm Franke (78.) und Thomas Leblanc (90.) noch Gelb sahen, weil sie offenbar dachten, das Spiel brauche mehr Farbe.

Und dann war da noch Olaf Esser, Bad Kleinens junger Linksverteidiger. Erst holte er sich in der 61. Minute Gelb ab, dann musste er 15 Minuten später verletzt vom Feld. Trainer WC kommentierte trocken: "Olaf hat heute alles gegeben - inklusive seines Sprunggelenks."

Die letzten Minuten waren ein wildes Ringen um Balance. FC Marzahn spielte, als wolle er den Punkt polieren, Bad Kleinen drängte, als wollte es ihn stehlen. Doch Domingos hielt, Wimmer verzog, und der Schlusspfiff kam wie ein erleichterndes Niesen nach einer langen Erkältung.

Statistisch betrachtet hatte Marzahn mehr Ballbesitz, Bad Kleinen die besseren Zweikampfwerte (52 Prozent) - und beide die gleiche Mischung aus Wille und Wacklern. "Ein gerechtes Unentschieden", fasste Henning zusammen, "wobei Gerechtigkeit im Fußball ja ungefähr so selten ist wie ein warmer Kaffee in der 90. Minute."

Vielleicht war das 1:1 also weniger ein Ergebnis als eine Charakterstudie: Marzahn, der kontrollierte Denker, gegen Bad Kleinen, den ungestümen Draufgänger. Zwei Philosophien, ein Punkt. Die Zuschauer gingen zufrieden, manche leicht frierend, andere leicht philosophisch.

Oder, wie ein älterer Fan beim Verlassen des Stadions murmelte: "Wenn man schon nicht gewinnt, dann wenigstens mit Stil frieren."

Und so endete der Abend, wie er begonnen hatte - mit kalten Händen, warmen Herzen und der Erkenntnis, dass Fußball manchmal einfach nur eins ist: gerecht genug, um uns wiederkommen zu lassen.

21.04.643987 23:23
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