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Es war ein Abend, an dem die Verteidiger beider Mannschaften wohl lieber zu Hause geblieben wären. 34.413 Zuschauer im Borås Arena sahen beim 20. Spieltag der 1. Liga Schweden ein Spiel, das weniger mit taktischer Disziplin als mit purem Chaos zu tun hatte. Am Ende jubelte IF Brommapojkarna über ein 4:3 beim FC Elfsborg - ein Ergebnis, das sich eher nach Eishockey anhört, aber perfekt zum Verlauf passte. Kaum hatte Schiedsrichter Lindqvist angepfiffen, rappelte es auch schon im Kasten der Hausherren. In der 4. Minute nutzte Juanito Carvalho die erste Unaufmerksamkeit der Elfsborger Hintermannschaft und schob lässig zum 0:1 ein. "Ich dachte eigentlich, das Spiel hätte noch gar nicht richtig begonnen", murrte Elfsborg-Keeper Marcio Viejo später. Doch wer glaubte, die Gastgeber würden erst mal wach werden müssen, wurde eines Besseren belehrt. Nur 60 Sekunden später stand es schon 1:1 - Isaac Hoskins, der bullige Mittelstürmer, wuchtete den Ball nach Vorarbeit von Louis Bataillard ins Netz. "Wir wollten gleich zeigen, dass wir auch Tore schießen können", sagte Hoskins mit einem Grinsen, das irgendwo zwischen Selbstironie und Trotz lag. Das Spiel blieb ein offener Schlagabtausch. In der 13. Minute brachte Patrick Siebert, eigentlich linker Verteidiger, Brommapojkarna erneut in Führung - nach schöner Vorarbeit von Dragan Mihajlovic. Und weil Elfsborgs Abwehr an diesem Abend offenbar aus Zuckerwatte bestand, legte Mihajlovic selbst in der 32. Minute das 3:2 für die Gäste nach. Dazwischen hatte Hoskins (27.) mit seinem zweiten Treffer für den zwischenzeitlichen Ausgleich gesorgt. Zur Pause stand es also 2:3 - und noch niemand wagte vorherzusagen, wohin das führen würde. Trainer Michael Gottschalk von Elfsborg raufte sich auf der Bank die Haare. "Wir waren offensiv brillant und defensiv brillant daneben", brachte er es auf den Punkt. Sein Gegenüber Andreas Godejohann nickte nur zufrieden und murmelte: "Wenn’s so weitergeht, brauchen wir bald einen zweiten Ball." Nach dem Seitenwechsel drückte Elfsborg zunächst auf den Ausgleich. In der 60. Minute gelang Rechtsverteidiger Rikard Dam tatsächlich das 3:3 - ein satter Schuss nach Zuspiel von Jose Enrique Ferreira. Das Stadion tobte, und Dam selbst sagte später augenzwinkernd: "Ich wollte eigentlich flanken, aber niemand muss das wissen." Doch Brommapojkarna hatte noch eine Antwort parat. Zehn Minuten später schlich sich Sergi Antunes in den Strafraum, wo ihn niemand so recht auf dem Zettel hatte. Sein Schuss zum 4:3 war ebenso wuchtig wie präzise, und diesmal blieb Viejo chancenlos. In den letzten 20 Minuten warfen die Elfsborger alles nach vorn - elf Schüsse aufs Tor verbuchte die Statistik insgesamt, während die Gäste auf 15 kamen. Der Ballbesitz lag mit 52 Prozent leicht bei den Hausherren, aber das half wenig. Hoskins probierte es in der 79. Minute noch einmal mit einem artistischen Seitfallzieher, doch Brommapojkarnas Torwart Duarte Ramirez fischte die Kugel spektakulär aus dem Winkel. "Ich habe einfach die Augen zugemacht und gehofft, dass sie mich trifft", gab Ramirez nach dem Spiel lachend zu. Zwei Gelbe Karten für Elfsborg (Hoskins in der 20., Jose Maria Garcia in der 26.) passten ins Bild eines Spiels, das mehr mit Leidenschaft als mit Kontrolle zu tun hatte. Trainer Gottschalk brachte es später auf den Punkt: "Das war kein Fußballspiel, das war ein wilder Tanz mit einem Ball in der Mitte." Taktisch war es ohnehin ein offenes Buch: Beide Teams begannen offensiv, Brommapojkarna mit ausgeglichener Spielanlage und Elfsborg mit aggressivem Drang nach vorn. Doch während die Gäste ihre Chancen eiskalt nutzten, verzettelten sich die Hausherren zu oft in Schönspielerei. Am Ende stand ein 3:4 (2:3), das beiden Trainern graue Haare, den Zuschauern aber beste Unterhaltung bescherte. Die Fans verabschiedeten ihre Mannschaft trotz der Niederlage mit Applaus - vielleicht, weil sie wussten, dass es in dieser Saison selten so kurzweilig war. Oder, wie es Torjäger Hoskins formulierte, während er sich die Schweißperlen von der Stirn wischte: "Wenn wir schon verlieren, dann wenigstens so, dass keiner einschläft." Ein Satz, der das Spiel des FC Elfsborg an diesem Abend wohl besser zusammenfasst als jede Statistik. 28.01.644000 01:25 |
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