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Was war das denn bitte für ein Fußballabend in Eschborn? 53.020 Zuschauer sahen am 31. Spieltag der 1. Liga Deutschland ein Spiel, das alles hatte: Tore, Karten, Drama und ein Innenverteidiger, der sich erst in die Torschützenliste einträgt und später in die Kabine verabschiedet wird. Am Ende hieß es 3:2 (3:1) für den 1. FC Eschborn gegen den SC Papenburg - ein Ergebnis, das knapper klingt, als es lange aussah. Von der ersten Minute an war Feuer drin. Papenburg begann frech, zwei frühe Torschüsse in Minute 1 und 2 ließen die Eschborner Abwehr kurz nervös aussehen. Doch dann kam Ricardo Matamoros - Innenverteidiger, Abräumer, gelegentlich auch Held wider Willen. Nach nur fünf Minuten stand er plötzlich vorn im Strafraum, bekam den Ball von seinem Abwehrkollegen Tunca Önüt und drosch ihn humorlos unter die Latte. 1:0. Trainer Yas Sin grinste später: "Ich wollte eigentlich, dass Ricardo hinten bleibt. Aber er meinte, er hätte da so ein Gefühl." Und das Gefühl blieb. Sechs Minuten später legte Bernt Geier mustergültig für William Kavanagh auf - 2:0. Der Ire jubelte mit einem Sprung, der eher nach Rugby aussah. "Ich dachte, der Ball sei schon draußen", meinte er lachend, "aber dann hab ich einfach mal draufgehalten." Eschborn spielte sich in einen Rausch, Papenburg in Ratlosigkeit. Als dann in der 31. Minute auch noch Wilhelm Holz nach Vorlage seines jüngeren Bruders Jacob das 3:0 erzielte, wackelte die Nordtribüne. Das famos benannte "Holz-Doppel" funktionierte prächtig. "Das war wie früher im Garten", sagte Jacob Holz später, "nur dass Mama diesmal nicht geschrien hat, wir sollen den Rasen in Ruhe lassen." Doch Papenburg gab sich nicht auf. Nur drei Minuten nach dem dritten Gegentor köpfte ausgerechnet Innenverteidiger Michail Szymanowski nach einem Eckball das 3:1. Sein späterer Auftritt sollte allerdings weniger rühmlich enden. Bis zur Pause blieb Eschborn Herr der Lage. 12 Torschüsse insgesamt, 47,7 Prozent Ballbesitz - also weniger Ball, aber mehr Biss. Papenburg kombinierte gefällig über die Flügel, kam aber selten durch. Trainer Frank Helmbrecht wirkte an der Seitenlinie wie ein Mann, der gerade die Bedienungsanleitung seiner Mannschaft verlegt hat. Nach dem Seitenwechsel versuchte Papenburg, die Flügel noch stärker zu nutzen. Helmbrecht brachte nach einer Stunde frische Offensivkräfte - Julian Andrade und Christopher Bridges - und tatsächlich, die Gäste kamen besser ins Spiel. Doch dann begann das große Kartensammeln. Erst sah Eschborns Ricardo Matamoros in der 61. Minute Gelb, und als er elf Minuten später einen Konter rustikal beendete, sah er auch Gelb-Rot. "Ich wollte nur den Ball treffen", verteidigte er sich, "aber der Ball wollte offenbar nicht." Trainer Sin klatschte resigniert in die Hände und murmelte: "Das war’s mit meinem Torschützen." Papenburg witterte Morgenluft. Doch in der 80. Minute geriet auch Michail Szymanowski auf die dunkle Seite des Spiels: nach einem übermotivierten Einsteigen gegen Kavanagh gab’s glatt Rot. Helmbrecht tobte: "Das war kein Foul, das war… ein Missverständnis zwischen Schuh und Schienbein." Die letzten Minuten wirkten dann wie ein Theaterstück zwischen Nervenkitzel und Slapstick. Joel Duff (Eschborn) kassierte noch Gelb, Linus Fritsch und der 17-jährige Phillipp Meiser kamen in der Nachspielzeit zu ihren ersten Liga-Minuten - und Papenburgs Harald Geiger sorgte in der 91. Minute tatsächlich noch einmal für Spannung. Nach Pass von Bridges traf er zum 3:2, und plötzlich zitterte das ganze Stadion. Eschborn verteidigte mit allem, was Beine hatte - oder was davon übrig war. Torwart Logan Cochran brüllte seine Abwehr zusammen, als wolle er sie mit der Stimme an den Pfosten nageln. Der letzte Papenburger Schuss kam in der 94. Minute von Enrique Miguel, aber Cochran fischte ihn aus der Ecke wie ein Mann, der gerade seinen Kaffee verteidigt. "Das war kein Schönheitspreis, aber ein Arbeitssieg", resümierte Coach Yas Sin nach dem Schlusspfiff. Helmbrecht dagegen schüttelte den Kopf: "Wir haben uns in der ersten halben Stunde selbst aus dem Spiel geschossen. Danach war’s nur noch Schadensbegrenzung." Die Statistik sagt: Papenburg hatte mehr Ballbesitz (52,3 Prozent), Eschborn mehr Herz. 12:9 Schüsse aufs Tor, zwei Platzverweise, fünf Tore, drei Holz-Männer - man könnte sagen, das war Fußball zum Durchatmen und Augenreiben zugleich. Am Ende sang das Stadion, als wäre der Klassenerhalt schon sicher. Und irgendwo auf dem Rasen stand Ricardo Matamoros, der Held und Sünder des Abends, grinste in die Kameras und sagte trocken: "Ich wollte nur ein bisschen Spannung reinbringen." Mission erfüllt. 21.03.643990 14:54 |
Sprücheklopfer
Der Grund war nicht die Ursache, sondern der Auslöser.
Franz Beckenbauer