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Ein lauer Maiabend, 39.459 Zuschauer, ein Gegner, der zu Beginn mehr wollte - und am Ende ein Heimteam, das plötzlich beschließt, Fußball zu spielen: Friska Viljor FC hat am 19. Spieltag der 1. Liga Schweden Limhamn Bunkeflo mit 2:1 geschlagen. Doch wer nur das Ergebnis liest, ahnt nicht, wie sehr die Gastgeber zunächst gegen ihre eigene Ideenlosigkeit anrannten. Die Anfangsphase gehörte klar den Gästen. Limhamn-Trainer Georg Trainer hatte sein junges Ensemble offensiv eingestellt, über die Flügel, mit viel Tempo - und das zahlte sich früh aus. In der 22. Minute zappelte der Ball im Netz: Der 19-jährige Ermin Durisic vollendete eiskalt nach klugem Zuspiel von Herman Bloch. "Ich hab einfach draufgehalten, der Ball war perfekt gespielt", grinste Durisic später, während er noch den Beifall der mitgereisten Fans abklatschte. Friska Viljor wirkte da noch wie ein Team, das seine Pässe in Zeitlupe austauschte. Mehr Ballbesitz (am Ende 51,9 Prozent) half wenig, wenn daraus nur harmlose Flanken entstanden. Und dann kam auch noch Pech dazu: In der 16. Minute musste Rechtsverteidiger Louis Van de Perre verletzt raus - ein Muskelfaserriss, wie Trainer Stefan Perten nach dem Spiel bestätigte. Für ihn kam Javier Costinha, der später noch eine entscheidende Rolle spielen sollte. "In der Halbzeit hab ich den Jungs gesagt: Es wäre schön, wenn wir mal anfangen, Fußball zu spielen", berichtete Perten trocken. Offenbar kam die Botschaft an - wenn auch mit Verspätung. Denn die zweite Hälfte begann, als hätte jemand heimlich den Energiesparmodus ausgeschaltet. Friska drückte, kombinierte, und plötzlich tauchten die Flügelspieler in Serie vor dem Tor auf. Toni Uusimäki schoss aus allen Lagen (fünf Torschüsse insgesamt), Eric Brun prüfte den Keeper - doch der Ball wollte nicht rein. Dann kam die 73. Minute. Uusimäki trieb den Ball bis an den Strafraum, legte quer, und Hugo Dahlström traf wuchtig zum 1:1-Ausgleich. Kaum hatten die Fans das Jubelbier halb geleert, zappelte der Ball erneut im Netz: Nur eine Minute später schlenzte Bo Sundström einen Abpraller nach Vorlage von Linksverteidiger Jack Lefebvre ins Eck - 2:1. Stadion in Ekstase, Perten mit der Faust in der Luft, Limhamn konsterniert. "Wir waren da einfach zu passiv", sagte Limhamns Kapitän Lucas Kendall später. "Zwei Minuten Tiefschlaf - das war’s." Die Gäste hatten danach zwar noch Chancen - zweimal versuchte es der 17-jährige Joker Josef Lindblom, doch Friskas Keeper Morgan Galbraith hielt souverän. Einmal rief er nach einer Parade laut "Nicht mit mir!", was selbst der Schiedsrichter mit einem Grinsen quittierte. In der Schlussphase wurde es hektisch. Limhamns Frandsen und Johnsen holten sich noch Gelbe Karten ab, während Perten an der Seitenlinie unaufhörlich "Ruhig, Jungs!" brüllte. "Das war mehr Nervenspiel als Fußball", meinte er später. "Aber am Ende zählt nur, dass wir das Ruder rumgerissen haben." Statistisch war das Spiel fast ausgeglichen - 12:5 Torschüsse, 54 Prozent gewonnene Zweikämpfe für Friska, ansonsten viel Kampf, wenig Glanz. Doch die Moral des Heimteams stach hervor. "Nach der Pause haben wir endlich das gemacht, was wir trainieren: laufen, kombinieren, nachsetzen", sagte Doppeltorschütze Sundström mit einem Augenzwinkern, ehe er korrigierte: "Na gut, eigentlich nur einmal getroffen - aber das war das schönste Tor meines Lebens." Limhamn Bunkeflo dagegen muss sich fragen, warum nach einem soliden ersten Durchgang die Ordnung so schnell verloren ging. Trainer Georg Trainer wirkte gefasst: "Wir haben ein gutes Spiel gemacht, aber Fußball dauert nun mal 90 Minuten. Vielleicht sollten wir das nächste Mal 95 draus machen." Als die Spieler von Friska nach dem Schlusspfiff in Richtung Fankurve gingen, war die Stimmung ausgelassen. Ein paar Kinder riefen: "Bo! Hugo! Toni!" - und der Dreier-Torschützenverbund (eine Vorlage, ein Tor, ein Tor) grinste verschmitzt. Vielleicht war es kein Spiel für Feinschmecker, aber eines für Charakter. Und genau den hatte Friska Viljor FC an diesem Abend - spät, aber eindrucksvoll. "Wir sind keine Schönspieler", resümierte Coach Perten, "aber wir geben eben nie auf. Und das ist manchmal schöner als Tiki-Taka." So endete ein Abend, der als zäher Beginn und furioses Finish in Erinnerung bleiben wird - mit einem Ergebnis, das wie ein Espresso nach langem Warten schmeckte: kräftig, kurz, und genau richtig. 16.01.644000 08:56 |
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Torsten Legat