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Es war einer dieser Abende, an denen 41.437 Zuschauer im Fuhlenbrocker Stadion das bekamen, was sie im Mai eigentlich nicht bestellt hatten: Fußball mit Herzrasen-Garantie und Chancenwucher deluxe. Am Ende stand ein 2:2 zwischen dem SV Fuhlenbrock und dem VfL Osnabrück - ein Ergebnis, das beiden Trainern gleichermaßen ein Stirnrunzeln und ein Achselzucken entlockte. Dabei begann alles so, wie es sich Osnabrücks Coach Carsten Baumann in seiner Taktikmappe ausgemalt hatte: offensiv, aggressiv, mit langen Bällen und der klaren Botschaft "Heute hauen wir einen raus". Und tatsächlich, schon in der achten Minute zappelte der Ball im Netz. Benjamin Heuer, der quirlig-schnelle Rechtsaußen, hatte keine Lust auf Abtasten - er nahm einen langen Ball von Innenverteidiger Dirk Mai volley und drosch ihn humorlos in den Winkel. 0:1, und die rund 400 mitgereisten Osnabrücker Anhänger sangen sich in Ekstase. Doch Fuhlenbrock wäre nicht Fuhlenbrock, wenn sie sich davon beeindrucken ließen. Trainer Mike Lowrey, der an der Seitenlinie wie ein Dirigent zwischen Jazz und Hardrock schwankte, fuchtelte wild mit den Armen und brüllte: "Jungs, jetzt geht’s erst los!" Und tatsächlich - zwölf Minuten später belohnte sich sein Team. Rhys Hennessy, der rechte Flügelflitzer, wurde von Nuno Fernandes herrlich in Szene gesetzt und schob den Ball eiskalt am Torwart vorbei. 1:1, das Stadion bebte. Die Hausherren hatten nun Oberwasser, und kurz vor der Pause drehte Carlos Caneira das Spiel. Ein Angriff wie aus dem Lehrbuch: Hennessy über rechts, scharfe Flanke, Caneira nickt ein. 2:1 - und Fuhlenbrock ging mit der Brust eines Champions in die Kabine. "Wir hätten da eigentlich den Sack zumachen müssen", haderte Lowrey später. "Aber wir sind halt Fuhlenbrock - wir lassen’s gern spannend." Das Publikum lachte, doch er meinte es durchaus ernst. Denn nach dem Wechsel drehte Osnabrück wieder auf. Heuer, erneut der Mann mit dem Torriecher, nutzte in der 54. Minute eine Unachtsamkeit im Mittelfeld und traf nach Vorarbeit von Marvin Kroll zum 2:2-Ausgleich. Von da an war es ein offener Schlagabtausch - zehn Torschüsse der Fuhlenbrocker gegen zwölf der Gäste sprechen eine deutliche Sprache. Osnabrück blieb mit langen Bällen gefährlich, während Fuhlenbrock mit 54 Prozent Ballbesitz die feinere Klinge führte. Gelbe Karten gab’s auch: Otto Gabriel sah in der 22. Minute Gelb, Fuhlenbrocks Heinrich Hildebrandt tat es ihm in der 55. gleich. Beide grinsten danach beim Shakehands, als wären sie in einem Werbespot für Fairness. Im letzten Drittel wurde fleißig gewechselt: Baumann brachte frische Beine mit Marco Richter und Heinz Lemke, Lowrey ließ Salvador Godinez und Arpad Varhidi ran. Der mexikanische Mittelfeldmann Godinez brachte tatsächlich Schwung - "Ich wollte einfach Spaß haben", meinte er später lachend, "aber der Ball wollte nicht so wie ich." Ein Schuss von Andrade in der 79. Minute rauschte knapp über die Latte, Fernandes traf in der 84. nur das Außennetz. Und dann, in der 89. Minute, fast der Lucky Punch: Osnabrücks Otto Gabriel zog aus 18 Metern ab, Fuhlenbrocks Keeper Garritt Van Antwerp streckte sich wie ein Gummimensch und kratzte den Ball noch aus dem Winkel. "Ich hab einfach gehofft, dass der Ball mich trifft", grinste der Torwart nach Abpfiff, während er sich den Schweiß aus der Stirn wischte. So blieb es beim 2:2, das auf dem Papier gerecht wirkte, aber beiden Seiten irgendwie zu wenig war. "Ein Punkt ist besser als keiner", seufzte Baumann, um dann mit einem Schmunzeln nachzuschieben: "Aber ich hab selten ein 2:2 gesehen, das so anstrengend war." Statistisch gesehen war es ein Duell auf Augenhöhe: Fuhlenbrock mehr Ballbesitz, Osnabrück etwas bessere Zweikampfquote (51 zu 49 Prozent). Auf den Rängen wurde trotzdem gefeiert - als Rhys Hennessy nach Spielende zur Kurve lief, rief ein Fan: "Rhys, heirate mich!" Der Stürmer grinste, hob den Daumen - und verschwand im Spielertunnel. Trainer Lowrey fasste es zum Schluss trocken zusammen: "Wenn wir jede Woche so spielen, brauche ich bald Herztabletten. Aber hey, das war Fußball." Und vermutlich hatte er recht. Denn dieses 2:2 war kein blutleeres Unentschieden - es war ein kleines Drama mit allem, was dazugehört: frühe Tore, späte Chancen, Emotionen, Gelbe Karten und eine Prise Wahnsinn. Ein Abend, wie ihn die Fans in Fuhlenbrock so schnell nicht vergessen werden. 08.11.643999 07:15 |
Sprücheklopfer
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