Anpfiff
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Gama trifft, Endres antwortet: Weiler und Theley teilen sich die Punkte

Ein Freitagabend im Allgäu, Flutlicht, 12.410 Zuschauer, und die 3. Liga zeigt wieder einmal, warum sie die vielleicht charmanteste Wundertüte des deutschen Fußballs ist. Weiler im Allgäu empfing den VfB Theley - und am Ende stand ein 1:1, das beiden irgendwie zu wenig und doch irgendwie gerecht schien.

Dabei sah lange alles nach einem Heimsieg aus. Weiler-Coach Mino Raiola - ja, der Name lässt internationale Transferträume wach werden, auch wenn er hier am Spielfeldrand mehr mit dem Klemmbrett als mit Millionen jonglierte - hatte seine Jungs offensiv eingestellt. Ganze 14 Schüsse aufs Tor, das spricht eine deutliche Sprache. Oder, wie Raiola nach dem Spiel grinsend meinte: "Wenn Schüsse zählen würden wie Kilometer auf der Autobahn, hätten wir das Spiel 7:0 gewonnen."

Schon früh zischten Gamas und Sieberts Versuche durch die Allgäuer Nachtluft. Doch Theleys Keeper Georgi Abadschiew, mit Reflexen wie ein Bergziege auf Speed, hielt seinen Kasten sauber. Theley selbst kam in den ersten 45 Minuten kaum über die Mittellinie hinaus, hatte aber immerhin 55 Prozent Ballbesitz - statistisch also den Ball öfter, aber offenbar nicht die Idee, was man damit anfangen sollte.

Das änderte sich nach der Pause - allerdings zunächst zu Weilers Gunsten. In der 53. Minute war es endlich so weit: Felipe Gama, der quirlig-ungestüme Brasilianer auf dem linken Flügel, vollendete nach feinem Pass von Nelio Meira zur verdienten Führung. "Ich hab einfach die Augen zugemacht und gehofft, dass der Ball reingeht", sagte Gama später - und ließ dabei offen, ob das seine übliche Schusstechnik oder nur spontane Ehrlichkeit war.

Das Stadion tobte, und die Fans sangen sich die frostige Februarluft warm. Doch das Glück hielt nicht lange. In der 59. Minute sah Innenverteidiger Mark Herrmann Gelb, in der 73. dann Gelb-Rot - ein Moment, der Mino Raiola sichtbar altern ließ. "Ich hab ihm gesagt, er soll aufpassen. Aber er hat anscheinend nur das Wort ’passen’ verstanden", knurrte der Trainer nach dem Abpfiff.

Theley witterte nun seine Chance. Und siehe da, in der 75. Minute schlug die Jugend zu: Der 18-jährige David Endres, eben noch unauffällig wie ein stiller Museumswärter, traf nach Vorlage des 19-jährigen Carl Hanke zum Ausgleich. "Ich hab einfach gemacht, was Carl mir zugerufen hat", erklärte Endres danach. Was genau Hanke gerufen hatte, wollte keiner verraten - möglicherweise etwas, das in keiner Jugendfreigabe durchginge.

Die Schlussphase war dann ein wilder Ritt: Weiler trotz Unterzahl mit Chancen durch Fritsch (87.) und Scherer (76.), Theley mit dem letzten Aufbäumen durch Hanke in der Nachspielzeit. Doch am Ende blieb es beim 1:1 - ein Resultat, das die Statistik fast schon poetisch spiegelt: 14 Schüsse zu 3, 44 Prozent Ballbesitz zu 56. Eines dieser Spiele also, bei denen Zahlen und Gerechtigkeit getrennte Wege gehen.

Aus Theleyer Sicht war es ein Punkt des Willens. Trainer - dessen Name in den offiziellen Daten leider nicht überliefert ist, aber dessen Gestik eindeutig südeuropäische Opernqualität hatte - fasste es treffend zusammen: "Wenn du 70 Minuten zuschaust und dann plötzlich merkst, dass du auch mitspielen darfst, dann musst du wenigstens das Tor machen."

In Weiler hingegen herrschte nach Spielende eine Mischung aus Ärger und Selbstironie. Felipe Gama, der Mann des Abends, wurde von den Fans gefeiert, aber auch freundlich geneckt: "Vielleicht nächstes Mal zwei Augen offen lassen!", rief einer aus dem Block. Gama lachte und winkte - und traf dabei fast den Linienrichter mit seinem Schweißband.

Den Schlusspunkt setzte ein kurzer Dialog am Spielfeldrand. "War das jetzt ein gerechtes Remis?", fragte ein Reporter Raiola. Der grinste breit: "Nein. Aber was ist im Leben schon gerecht? Nicht mal beim Parken in Weiler."

So blieb am Ende ein Spiel, das weder Gewinner noch Verlierer kannte, aber reichlich Gesprächsstoff bot - über jugendliche Unbekümmertheit, über Karten in Gelb und Rot, und über einen Abend, der zeigte, dass Fußball manchmal weniger Mathematik als pure Ironie ist.

Und irgendwo in der Kabine, so munkelt man, soll Felipe Gama beim Umziehen gesagt haben: "Wenn wir schon nicht gewonnen haben, dann wenigstens schön gespielt." - Und das, liebe Leser, ist im Allgäu manchmal fast so viel wert wie drei Punkte.

27.10.643990 11:47
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Wir haben nur unsere Stärken trainiert, deswegen war das Training heute nach 15 Minuten abgeschlossen.
Josef Hickersberger, österreichischer Nationaltrainer
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