// Startseite
| Sportecho |
| +++ Sportzeitung für Deutschland +++ |
|
|
|
Es war ein Pokalabend, wie ihn die Romantiker des Fußballs lieben - und die Eschborner wohl so schnell nicht vergessen werden. Vor 71.550 Zuschauern in einem bis auf den letzten Platz gefüllten Stadion unterlag der 1. FC Eschborn im Achtelfinale des Pokals dem Hamburger SC mit 0:1. Ein Spiel voller Kampf, Chancen und einem Tor, das früh fiel und dann wie ein Damoklesschwert über den Hessen hing. Bereits in der 6. Minute nahm das Unheil seinen Lauf: Der junge Portugiese Vitor Dominguez fasste sich ein Herz, zog aus gut 20 Metern ab - und der Ball zappelte im Netz. Claudiu Tataru hatte zuvor mit einem präzisen Pass in den Lauf vorbereitet, Dominguez schlenzte eiskalt ein. "Ich hab’ einfach draufgehauen, ehrlich!", grinste der 20-Jährige nach dem Spiel. Trainer Bernd Happel kommentierte trocken: "Wir wollten ruhig bleiben, aber Vitor hat wohl vergessen, dass das erst Minute sechs war." Eschborn reagierte wütend. Patrick Herrmann prüfte den Hamburger Keeper Tonel schon in der 11. Minute, Tomasz Buchholz scheiterte mehrfach - in der 15., 47., 52., 57. und 91. Minute. Doch das Leder wollte einfach nicht rein. 12 Torschüsse, kein Treffer - die Statistik liest sich wie ein schlechter Scherz. "Wir hätten heute auch bis Mitternacht spielen können, der Ball wäre trotzdem nicht reingegangen", knurrte Buchholz nach Abpfiff. Trainer Yas Sin stellte schon früh um. In der 32. Minute kam Sven Will für Phillipp Meiser, noch vor der Pause wurde das Spiel Eschborns offensiver, das Pressing intensiver - fast schon verzweifelt. "Wir wussten, Hamburg spielt auf Konter, also mussten wir draufgehen", erklärte Sin. Und tatsächlich: Nach der Pause drückte Eschborn. Die Gäste dagegen standen tief, lauerten auf den einen Moment. Der kam fast wieder - Gerhard Merz scheiterte in der 46. Minute knapp an Torwart Ashton Carmody. Kurz darauf sorgte ein Schreckmoment für den Hamburger SC: Der erst 18-jährige Torhüter Jose Maria Tonel verletzte sich bei einer Parade und musste raus. Stanko Anicic, ebenfalls 18, feierte ein unfreiwilliges Pokaldebüt. "Ich hatte kalte Hände, aber ein warmes Herz", scherzte der Jungkeeper, der mit mehreren starken Paraden zum heimlichen Helden wurde. Die Eschborner warfen alles nach vorne. Zwischenzeitlich stand Innenverteidiger Peter Penksa im gegnerischen Strafraum, während Coach Sin wild gestikulierend über die Seitenlinie tigerte. "Ich hab versucht, die Jungs nach vorne zu schreien - aber irgendwann war meine Stimme weg", gestand er später und zeigte lachend auf seine heisere Kehle. Hamburg dagegen verteidigte mit Leidenschaft. Die Taktik - "Balanced Alignment, Counter Attack" - ging voll auf. Der Ballbesitz lag mit 51,8 Prozent sogar leicht bei Eschborn, doch die Norddeutschen blieben eiskalt im Zweikampf, zynisch im Zeitspiel und clever im Konter. "Das war kein Schönheitspreis, aber ein Weiterkommen", grinste Happel, während er sich demonstrativ den Rasen von den Schuhen klopfte. In der Schlussphase warf Eschborn alles nach vorn, sogar Keeper Carmody rannte bei einer Ecke in der Nachspielzeit mit in den Strafraum. Doch das Tor blieb vernagelt. Als Schiedsrichter Riedel in der 94. Minute abpfiff, sank Buchholz auf die Knie, während die Hamburger jubelnd in Richtung der 2.000 mitgereisten Fans liefen. "Wir haben heute alles gegeben, aber Fußball ist manchmal grausam", sagte Eschborns Kapitän Bernt Geier, der selbst in der 75. Minute noch einmal knapp vorbeizog. Und tatsächlich: Mehr Aufwand für weniger Ertrag geht kaum. 12:3 Torschüsse, mehr Ballbesitz, mehr Herz - aber am Ende steht das eine Tor von Dominguez. Hamburg zieht ins Viertelfinale ein, Eschborn bleibt nur der Trost, sich würdig verabschiedet zu haben. "Wenn wir so weiterspielen, gewinnen wir nächstes Jahr den Pokal", sagte Trainer Sin mit einem Augenzwinkern. Sein Gegenüber Happel konterte: "Dann hoffe ich, wir treffen erst im Finale wieder aufeinander." Und so endete ein Pokalabend mit allem, was der Fußball zu bieten hat: einem frühen Tor, einem jungen Helden im Tor, einem verzweifelten Favoriten - und der Erkenntnis, dass manchmal drei Torschüsse und ein bisschen norddeutsche Nüchternheit reichen, um Geschichte zu schreiben. Eschborn fährt nach Hause mit leerem Konto, aber vollem Herzen. Hamburg dagegen? Die träumen weiter vom Pokal - und vielleicht von noch ein paar dieser kaltschnäuzigen Minuten, die Spiele entscheiden. 20.06.2026 10:07 |
Sprücheklopfer
Nein, ich bin nicht enteiert.
Berti Vogts