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Manchmal riecht ein Abendspiel schon vor dem Anpfiff nach Spektakel. 53.362 Zuschauer in der ausverkauften HDI-Arena, Flutlicht, ein Gegner, der lieber angreift als verteidigt - und eine Heimmannschaft, die sich nach zuletzt zwei Unentschieden offenbar einiges vorgenommen hatte. Am Ende stand ein 4:2 (2:1)-Sieg für Hannover gegen den SC Hennef, der sich wacker, aber zu offen präsentierte. Schon die ersten Minuten ließen ahnen, dass Trainer Daniel Dietrich seine Elf auf "Vollgas" eingestellt hatte. "Wir wollten zeigen, dass wir auch Spaß am Toreschießen haben", grinste er später. Und das taten sie: Bereits in der 18. Minute traf Georges Carriere, der linke Mittelfeldmotor, nach Vorlage von Abwehrchef William Neville. Ein Treffer aus der Kategorie "einmal kurz die Statik des Stadions prüfen" - so laut dröhnte der Jubel durchs Rund. Nur drei Minuten später legte Viktor Breschnew nach. Der Rechtsaußen schlenzte den Ball, als wäre er gerade aus einem Trainingsvideo entsprungen, über den verdutzten Hennef-Keeper Pedro Pere hinweg ins Netz. 2:0 nach 21 Minuten - Hannover spielte wie entfesselt. Doch wer glaubte, Hennef würde sich still ergeben, irrte. Giovanni Diaco, der temperamentvolle Trainer der Gäste, gestikulierte wild an der Seitenlinie und schrie so laut, dass wohl selbst die Tauben auf dem Stadiondach kurz die Flügel anhielten. Und siehe da: In der 30. Minute traf Jeno Csizmadia nach Pass von David Kern zum 2:1. Es war Hennefs erster Torschuss - und gleich drin. "Effizienz ist auch eine Kunst", kommentierte Diaco später trocken. Hannover blieb überlegen, hatte bis zur Pause 10 Torschüsse, überließ aber kurioserweise den Ball häufiger dem Gegner. 48 Prozent Ballbesitz für die Roten, 52 für Hennef - aber was nützt das, wenn die eigenen Abschlüsse gefährlicher sind? Nach dem Seitenwechsel machte Hannover da weiter, wo sie aufgehört hatten: mit Druck. Xavi de Almeida, der flinke Linksaußen, erhöhte in der 54. Minute auf 3:1, wieder nach Vorarbeit von Carriere. Der junge Portugiese rutschte beim Jubel über den Rasen und rief Richtung Tribüne: "Der war für Oma Maria!" - was ihm prompt Standing Ovations einbrachte. Doch Hennef zeigte Moral. Nael Deco, eigentlich linker Verteidiger, fasste sich in der 65. Minute ein Herz und zog aus 25 Metern ab. Der Ball flog wie an einer unsichtbaren Schnur in den Winkel - 3:2. "Da kannst du nichts machen, außer höflich applaudieren", murmelte Hannovers Torhüter Agustin Roy später und grinste. In der Schlussphase wurde es dann wild. Hennef drängte, Hannover konterte. Der eingewechselte Dylan Carr räumte hinten auf, während Dietrich an der Seitenlinie mit den Armen ruderte, als wolle er selbst noch ein Tor köpfen. In der 78. Minute sorgte schließlich wieder Viktor Breschnew für die Entscheidung: Sein zweiter Treffer des Abends, ein trockener Abschluss aus 15 Metern, ließ sämtliche Zweifel verstummen. Hennef kämpfte tapfer bis zum Schluss, verlor aber kurz vor Ende noch Ferenc Bozsik verletzungsbedingt - eine Szene, die Giovanni Diaco sichtlich mitnahm. "Das war der Moment, in dem mir klar wurde, dass wir heute nichts mehr reißen", sagte er später mit gesenktem Kopf. Es blieb beim 4:2 - ein Ergebnis, das sich ebenso verdient wie unterhaltsam anfühlte. Hannover hatte mehr Torschüsse (16:6), gewann mehr Zweikämpfe (54 zu 46 Prozent) und zeigte die reifere Spielanlage. "Heute hat man gesehen, was passiert, wenn wir mutig bleiben", resümierte Dietrich. Und fügte mit einem Augenzwinkern hinzu: "Vielleicht sollten wir öfter einfach so tun, als stünde’s schon 0:2." Viktor Breschnew, Mann des Abends, ließ sich nach Schlusspfiff feiern, als hätte er gerade die Liga gewonnen. "Zwei Tore - das fühlt sich gut an. Aber ehrlich, ich wollte eigentlich drei." Vielleicht kommt das ja beim nächsten Mal. Für den Moment aber war Hannover einfach nur glücklich - und die Fans summten beim Verlassen des Stadions ein Lied, das man hier seit Jahren gern wieder lauter singen möchte. Ein Abend, wie ihn Fußballromantiker lieben: Tore, Tempo, Tumult - und eine Mannschaft, die endlich wieder Spaß am Gewinnen gefunden hat. 27.10.643999 14:49 |
Sprücheklopfer
Das ist eine Deprimierung.
Andreas Möller