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AC Avellinese zerlegt Treviso - ein 6:0 mit Ansage und Augenzwinkern

Die gut 4990 Zuschauer im kleinen Stadion von Avellino dürften am Sonntagabend kaum gewusst haben, ob sie gerade einem Ligaspiel oder einem Freiluft-Festival für Offensivfreude beiwohnten. Der AC Avellinese fegte den SC Treviso mit 6:0 vom Platz - und das mit einer derart selbstverständlichen Leichtigkeit, dass Trainer Antonio Conte danach beinahe mitleidig wirkte. "Ich wollte die Jungs eigentlich bremsen", grinste er, "aber dann dachte ich: Warum? Sie haben Spaß."

Schon nach einer Viertelstunde war der Spaß für Treviso vorbei. Paulo Cabrero, der 21-jährige Flügelstürmer mit dem Selbstvertrauen eines Torjägers, eröffnete in der 13. Minute den Torreigen. Zwei Minuten später war es Gianluigi Mongrassano, gerade einmal 18, der den Ball nach feinem Zuspiel von Paulo Camacho humorlos unter die Latte nagelte. "Ich habe einfach draufgehalten", sagte Mongrassano später, "und gehofft, dass niemand merkt, dass ich eigentlich flanken wollte."

Doch der Ball wollte - ins Netz. Und Avellinese wollte mehr. Wieder Cabrero (16.) und kurz darauf Ioan Filipescu (17.) erhöhten auf 4:0. Das Spiel war praktisch entschieden, bevor Treviso überhaupt begriffen hatte, dass der Gegner im roten Trikot nicht zum Freundschaftsspiel angetreten war.

Interessanterweise hatte Treviso laut Statistik sogar leicht mehr Ballbesitz (52,9 Prozent). Doch was bringt das, wenn der Ball nur in der eigenen Hälfte zirkuliert? Avellinese spielte "offensiv auf Konter", wie es die Taktikdaten trocken nennen - in der Praxis sah das aus wie ein endloser Angriff. 21 Torschüsse für die Hausherren, nur vier für die Gäste.

In der zweiten Hälfte ging es weiter, als hätte Conte in der Kabine statt einer Ansprache eine Trompete geblasen. Damian Vasco (48.) traf nach Vorarbeit des quirligen Edoardo Corazza und ließ Trevisos Torwart Valerio Vitali alt aussehen. Der Keeper schimpfte danach: "Unsere Abwehr stand wie Touristen am Strand - und ich war der Bademeister ohne Pfeife."

Das 6:0 fiel in der 72. Minute, als die beiden jüngsten Avellinese-Spieler gemeinsam glänzten: Corazza vollendete nach Vorlage von Mongrassano, der sich offenbar dachte, dass ein Tor schon reicht und nun auch mal andere dürfen. "Wir sind alle Brüder hier", meinte der 18-Jährige später und grinste, "aber in der Torschützenliste bin ich der kleine Bruder, der aufholen wird."

Treviso dagegen wirkte wie ein Team, das sich in der eigenen "balancierten" Taktik verirrt hatte. Kein Pressing, kein Mut, kein Glück. Mate Kresic hatte in der 2., 10. und 65. Minute drei Schüsse, die so harmlos waren, dass selbst der Ball danach wohl gähnte. Als in der Nachspielzeit Massimo Santarossa noch einmal abzog, hörte man von der Tribüne ein ironisches "Endlich!".

Die Defensive von Avellinese war derweil kaum gefordert. Torhüter Christian Onnington hätte vermutlich auch einen Liegestuhl aufstellen können. Lediglich zwei Gelbe Karten störten das perfekte Bild: George Oliphant sah in der 25. Minute Gelb, weil er offenbar vergessen hatte, dass man auch mit 4:0 führen kann, ohne den Gegner am Trikot zu zupfen. Spät im Spiel erwischte es noch Alessio Furlan (90.) - wohl aus Langeweile, wie Conte später scherzte: "Er sagte mir, er wollte wenigstens einmal in den Spielbericht."

Als der Schlusspfiff ertönte, stand es 6:0 - und das Publikum feierte, als hätte man den Aufstieg schon sicher. Conte, stets zwischen Genie und Ironie, kommentierte trocken: "Wir trainieren jetzt, wie man mit dem Ball 20 Sekunden am Stück nicht aufs Tor schießt. Es wird schwer."

Trevisos Kapitän Roberto Decollatura hingegen suchte nach Worten und fand nur Ehrlichkeit: "Wenn man sechs Tore kassiert, hat man kein Pech - man hat Probleme."

Am Ende blieb das Gefühl, dass Avellinese an diesem lauen Maiabend nicht nur ein Spiel gewonnen, sondern eine kleine Liebeserklärung an den Angriff geliefert hatte. Ein Team, jung, wild, unverschämt effizient - und mit einem Trainer, der den Humor auch beim 6:0 nicht verliert.

"Wenn wir so weitermachen", meinte Conte beim Verlassen des Platzes, "muss ich bald Eintritt zahlen, um uns zuzusehen."

Ein Satz, der nach diesem Auftritt kaum übertrieben klingt.

21.11.644002 21:40
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