El Peruano
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Academia Lima dreht das Spiel - Meireles führt zur Sternstunde

48.843 Zuschauer im Estadio Nacional von Lima erlebten am späten Mittwochabend eine jener Partien, die man seinen Enkeln erzählen möchte - oder zumindest seinem Nachbarn am nächsten Morgen beim Café. Academia Lima besiegte UD San Martin mit 3:2 (1:2) in einem Spiel, das erst lethargisch begann, dann furios explodierte und schließlich in einem Meer aus Schweiß, Emotionen und einer roten Karte endete.

Dabei hatte alles nach einem gemütlichen Auswärtssieg der Gäste ausgesehen. Riley Cromwell brachte San Martin in der 18. Minute nach Vorlage von Javier Nani in Führung - ein klassischer Flügelangriff, schnörkellos, präzise, tödlich. Nur drei Minuten später erhöhte Iker Collantes nach einem Pass von Duarte de Almeida auf 2:0. "Da dachte ich, jetzt wird’s ein langer Abend", gab Academias Trainer Olli Kahn später mit einem schiefen Lächeln zu.

Doch wer Kahn kennt, weiß: lange Abende sind seine Spezialität. "Ich hab den Jungs gesagt: Wir haben 70 Minuten Zeit, um das geradezubiegen. Also los, schnappt euch das Spiel!" Und sie taten es.

In der 30. Minute zündete Christiano Meireles den Funken, der das Stadion entflammte. Nach Zuspiel des quirlig agierenden Jukka Hietanen traf der junge Rechtsaußen mit einem satten Schuss ins linke Eck. 1:2 - und plötzlich war alles wieder offen. Die Fans sangen, als wäre der Pokal schon gewonnen, und Meireles winkte ins Publikum, als wolle er sagen: "Ich bin noch nicht fertig."

Die zweite Hälfte begann, als hätte Academia Lima den Pausentee mit Espresso verwechselt. 60 Prozent Ballbesitz, 19 Torschüsse insgesamt - der Gastgeber drehte richtig auf. In der 55. Minute war es erneut Meireles, diesmal nach Vorarbeit des unermüdlichen Santiago Andrade, der den Ausgleich erzielte. Ein Tor wie aus dem Lehrbuch: schneller Doppelpass, ein Haken, und der Ball zappelte im Netz.

San Martin wankte, und Trainer Maxi Müller versuchte mit einem Doppelwechsel (Delgado und Arino kamen) das Ruder herumzureißen. Doch es war zu spät - die Welle rollte weiter. In der 77. Minute war es schließlich David Galindo, der nach einer Ecke von Jeno Egressy zum 3:2 einköpfte. Das Stadion bebte, und irgendwo auf der Trainerbank riss Kahn sein Jackett auf wie ein Actionheld aus den 90ern. "Ich hab kurz überlegt, ob ich selbst noch reingehe", scherzte er später.

San Martin versuchte in den letzten Minuten alles, schaltete auf Vollgas, brachte Bruno Cercas ins Mittelfeld und drückte mit aggressivem Pressing. Doch statt des Ausgleichs gab es in der 94. Minute die rote Karte für Rechtsverteidiger Javier Nani - ausgerechnet der Mann, der das erste Tor vorbereitet hatte. Nach einem übermotivierten Foul an Makukula schickte ihn der Schiedsrichter ohne Diskussion vom Platz. Trainer Müller war fassungslos: "Er sagt, er habe den Ball gespielt. Ich sage: Er hat eher die halbe Wade gespielt."

Die letzten Sekunden gehörten dann wieder Lima. Delgado prüfte in der 91. Minute den gegnerischen Keeper, Makukula setzte in der 95. noch einen Schuss drüber. Dann war Schluss - und 48.843 Kehlen feierten, als hätte Academia gerade den Titel gewonnen.

"Das war pure Leidenschaft", brummte Meireles nach dem Spiel, während er seinen zweiten Spielball des Abends unter dem Arm hielt. "Ich hab einfach das gemacht, was der Trainer gesagt hat - nur mit etwas mehr Stil."

San Martins Müller hingegen stapfte wortlos in die Kabine, bevor er sich doch noch zu einem knappen Kommentar hinreißen ließ: "Manchmal ist Fußball wie Schach - nur dass unsere Figuren heute alle diagonal liefen."

Statistisch war der Sieg verdient: 60 Prozent Ballbesitz, fast dreimal so viele Torschüsse, mehr gewonnene Zweikämpfe (54,5 Prozent). Aber Zahlen erzählen nur die halbe Geschichte. Die andere Hälfte war Emotion - und die gehörte an diesem Abend eindeutig Academia Lima.

Und so verabschiedete sich das Publikum mit Standing Ovations. Olli Kahn, der alte Titan, grinste breit: "Ich sagte den Jungs: Wenn ihr schon Drama wollt, dann bitte mit Happy End."

Ein Happy End war es - zumindest für alle in Blau-Weiß. Für UD San Martin bleibt die Erkenntnis, dass man ein Spiel auch verlieren kann, obwohl man es 20 Minuten lang perfekt im Griff hatte. Oder, wie Kapitän Collantes trocken meinte: "Wir waren stark - bis die anderen anfingen, Fußball zu spielen."

Ein Hauch von Ironie, ein Schuss Leidenschaft und ein Doppelpack von Meireles - mehr braucht es manchmal nicht für eine unvergessliche Nacht in Lima.

31.12.643996 03:36
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