// Startseite
| El Peruano |
| +++ Sportzeitung für Peru +++ |
|
|
|
Es war einer dieser Abende, an denen 42.100 Zuschauer im Estadio Nacional de Lima genau wussten, warum sie den Fußball lieben - und gleichzeitig verfluchen. Academia Lima besiegte AD Joan Galves mit 2:1, nachdem sie zur Pause noch 0:1 hinten gelegen hatten. Trainer Olli Kahn, sonst eher der Mann fürs kontrollierte Donnerwetter, grinste nach Schlusspfiff fast väterlich: "Ich hab’ den Jungs gesagt, sie sollen mal so tun, als wären sie Bayern München 2001 - und siehe da, sie können’s!" Die Partie begann mit einem Paukenschlag. Schon in der 12. Minute nutzte Esteban Arrieta von Joan Galves eine Unachtsamkeit in der Limaschen Hintermannschaft. Nach feinem Zuspiel von Aitor Lupus zog Arrieta aus halblinker Position ab - und der Ball zappelte unhaltbar im Netz. Torwart Luis Enriquez sah der Kugel nur hinterher und schüttelte kurz darauf den Kopf: "Ich schwöre, ich hab den Wind gespürt, aber nicht den Ball." Danach wurde es ein Geduldsspiel. Lima kombinierte, flankte, schoss - insgesamt 17 Torschüsse sollten es am Ende sein, aber zur Pause stand es 0:1. Die Gäste, mit nur drei Schüssen aufs Tor, wirkten wie ein sparsamer Tourist: wenig Aufwand, aber ein Souvenir (das Tor) war schon im Gepäck. Trainer Olli Kahn tobte an der Seitenlinie, fuchtelte mit den Armen, rief "Mehr Biss!", und der Linienrichter wich sicherheitshalber einen Schritt zurück. Nach dem Seitenwechsel änderte sich das Bild. Lima hatte zwar nominell fast gleich viel Ballbesitz (49,9 %), doch das Spielgeschehen kippte klar in ihre Richtung. Der junge Pedro Yago prüfte Keeper Yildirim Recber mehrfach, während Seppo Uusimäki auf der rechten Seite den Flügel bearbeitete, als wolle er ihn umpflügen. In der 60. Minute brachte Kahn frischen Wind: Luís Makukula kam ins Spiel - und sollte später zur Schlüsselfigur werden. Zehn Minuten später zeigte Schiedsrichter Ramos zum ersten Mal Gelb: Asier Postiga, gerade 17 Jahre alt, hatte sich wohl von Kahns einstiger Torwart-Aggressivität inspirieren lassen und rauschte in einen Zweikampf, den man eher im Rugby vermutet hätte. "Ich wollte nur zeigen, dass ich da bin", murmelte er danach kleinlaut. Dann, in der 77. Minute, die Erlösung: Makukula, eben jener Einwechselspieler, nahm eine Hereingabe von Lucas Moura volley - 1:1! Das Stadion explodierte. Kahn brüllte etwas, das wie "Endlich!" klang, und die Ersatzbank stürmte in bester Kreisklassenmanier auf den Platz. Moura, der Vorlagengeber, grinste: "Ich hab’ ihn gesehen, und ehrlich gesagt gehofft, dass er den Ball nicht ins Parkhaus schießt." Nur vier Minuten später drehte der 21-jährige Moura selbst das Spiel. Nach Pass von Matteo Pedivigliano zog er aus 18 Metern ab - flach, präzise, unhaltbar. 2:1 für Lima. Innerhalb von vier Minuten war aus Verzweiflung Ekstase geworden. Die Fans sangen, sprangen, tanzten, während Olli Kahn versuchte, cool zu bleiben - was ihm ungefähr so gut gelang wie einem Vulkan beim Meditieren. Joan Galves versuchte in der Schlussphase noch einmal, das Spiel an sich zu reißen. Arrieta prüfte in der 88. Minute erneut Enriquez, doch der Torwart parierte diesmal glänzend. Kurz darauf sah Mario Galindo noch Gelb - sinnbildlich für eine Mannschaft, die den Anschluss verloren hatte. Die Statistik sprach am Ende eine klare Sprache: 17:3 Torschüsse für Academia Lima, 58 % gewonnene Zweikämpfe, mehr Laufbereitschaft, mehr Wille. Nur beim Ballbesitz blieb es kurioserweise ausgeglichen. "Das ist mir egal", winkte Kahn ab. "Ich will keine Prozente, ich will Punkte." Sein Gegenüber, Trainer Miguel Duarte von Joan Galves, fasste es resigniert zusammen: "Wir haben ein Tor geschossen - und dann aufgehört, Fußball zu spielen." Als die Spieler von Academia Lima nach Abpfiff eine La-Ola mit den Fans machten, hallte ein lauter "Olli! Olli!"-Sprechchor durchs Stadion. Der deutsche Trainer lächelte verschmitzt und sagte trocken: "Na gut, dann feiern wir eben heute mal den alten Titan." Fazit: Ein Spiel, das alles hatte - frühes Zittern, spätes Jubeln, eine ordentliche Portion Drama und einen Trainer, der wieder einmal bewies, dass Leidenschaft manchmal mehr wert ist als Taktiktafeln. Wer dabei war, wird noch lange erzählen, wie Academia Lima das Spiel drehte - und wie Olli Kahn dabei fast zum Tänzer wurde. 19.01.644003 19:10 |
Sprücheklopfer
Die Vögel haben noch nicht gezwitschert, als ich gegangen bin.
Mario Basler nach einer Geburtstagfeier von Didi Hamann, die er erst um 3.00 Uhr früh verließ