El Peruano
+++ Sportzeitung für Peru +++

Academia Lima dreht das Spiel - und Olli Kahn lacht zuletzt

Ein lauer Abend in Huaraz, 32.000 Zuschauer, ein Himmel voller Erwartung - und am Ende wieder einmal ein Lehrstück in Sachen Geduld, Wille und, ja, ein bisschen Glück. Deportivo Ancash unterliegt am 12. Spieltag der 1. Liga Peru mit 1:2 gegen Academia Lima. Für die Gäste trafen Matteo Pedivigliano (67.) und David Galindo (79.), nachdem Carlos Djalo die Hausherren in der 53. Minute in Führung gebracht hatte.

Dabei begann alles so, wie es sich der Heimtrainer wohl erträumt hatte: konzentriert, solide, mit etwas mehr Ballbesitz (49,6 Prozent, um genau zu sein - das Notizbuch des Statistikers nickt zustimmend). Schon früh versuchte Ernesto Capucho, das Publikum wachzurütteln, als er in der 2. Minute einen strammen Schuss aufs Tor feuerte. "Ich dachte, der geht rein, der Ball hat doch gebrüllt: Ich will ins Netz!", grinste er später. Doch Academia Lima hatte mit Torhüter Luis Enriquez einen Fänger im Kasten, der an diesem Abend offenbar magnetische Handschuhe trug.

Die erste Hälfte blieb torlos, aber nicht ereignislos. Zwei Gelbe Karten für die Gäste - Lucas Moura (30.) und Joaquin Gutierrez (36.) - zeigten, dass sie den Begriff "offensiv" gelegentlich mit "robust" verwechselten. Olli Kahn, der an der Seitenlinie stand, schien es zu gefallen. "Ein bisschen Feuer gehört dazu", rief er seinem rechten Verteidiger zu, bevor dieser zur Pause ausgewechselt wurde. Später erklärte der einstige Titan mit breitem Grinsen: "Ich mag Spieler, die zeigen, dass sie leben. Aber bitte nicht alle gleichzeitig."

Nach der Halbzeit kam Bewegung in die Partie. Als alle noch die Nachos aus der Hand legten, tauchte Carlos Djalo - wohlgemerkt Linksverteidiger - plötzlich im Strafraum auf. Nach einem feinen Pass von Nelio Hernando drosch er den Ball aus spitzem Winkel in den Winkel (53.). Ein Tor, das so überraschend kam, dass selbst die Anzeigetafel kurz zögerte. "Ich wollte eigentlich flanken", gab Djalo später zu, "aber manchmal hilft der Zufall mehr als Taktik."

Doch dann schlug die Stunde von Academia Lima. Die Gäste, ohnehin mit 13 Torschüssen aktiver als Ancash (nur fünf), drehten das Spiel mit jener Mischung aus Hartnäckigkeit und Selbstbewusstsein, die Olli Kahn wohl unter "Mentalität" verbuchen würde. In der 67. Minute bediente Luís Makukula den zentralen Mittelfeldspieler Matteo Pedivigliano, der überlegt aus 18 Metern zum 1:1 einschoss - ein Schuss, so präzise, dass der Ball wohl noch im Flug überlegte, ob er wirklich abweichen sollte.

Deportivo Ancash wankte, aber fiel noch nicht. Erst zehn Minuten später legte Lima nach. Wieder war Pedivigliano beteiligt, diesmal als Vorlagengeber. Sein Pass fand David Galindo, der sich im Strafraum drehte wie ein Tänzer im Scheinwerferlicht und flach ins rechte Eck vollendete (79.). Der Torjubel? Eine Mischung aus Erleichterung und Eitelkeit - Galindo deutete auf sein Ohr, als wolle er fragen: "Hört ihr mich jetzt?"

Die Gastgeber versuchten noch einmal alles, doch der Schwung war raus. Stattdessen kassierte Luis del Rio in der 74. Minute Gelb - ein Zeichen, dass die Nerven blank lagen. "Ich wollte nur den Ball spielen", erklärte er hinterher mit dem unschuldigsten Blick der Liga. Der Schiedsrichter sah das anders.

In den letzten Minuten passierte nicht mehr viel, abgesehen von einer weiteren Verwarnung für Limas Abwehrchef Nestor Delgado in der Nachspielzeit. Olli Kahn nahm’s gelassen: "Das war’s wert", meinte er, "wir haben Moral gezeigt. Und ja, wir hatten mehr Torschüsse - das ist bei uns fast so wichtig wie die Punkte."

Deportivo-Trainer, der lieber anonym bleiben wollte ("Schreiben Sie einfach: ein enttäuschter Mann"), rang um Fassung: "Wir wollten kompakt stehen - und das haben wir auch. Leider stand einer zu kompakt im eigenen Strafraum, als der Ball zum 1:2 reinging."

So endete ein Spiel, das weniger durch Glanz als durch seine Dramaturgie überzeugte. Die Zahlen sprechen eine klare Sprache: 13 zu 5 Torschüsse, knapp 51 Prozent Ballbesitz für Lima, leicht bessere Zweikampfquote (53,7 Prozent). Und doch bleibt der Eindruck, dass Deportivo Ancash an diesem Abend mehr verloren hat als nur drei Punkte - vielleicht ein wenig Glauben an die eigene defensive Stabilität.

Oder, wie ein Fan beim Hinausgehen murmelte: "Wenn sogar der Linksverteidiger das einzige Tor schießt, dann war irgendwas verkehrt."

Ein Satz, den man sich in Huaraz merken wird.

23.02.644003 12:38
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