El Peruano
+++ Sportzeitung für Peru +++

Academia Lima fliegt über die Flügel - Aurich stolpert in die Karten

Ein lauer Sonntagabend in Chiclayo, 20.000 Zuschauer, ein Himmel wie gemalt - doch für CF Jose Aurich wurde es ein Abend, den man am liebsten schnell vergessen würde. 1:3 hieß es am Ende gegen die flügelflinke Academia Lima, die das Spiel mit chirurgischer Präzision sezierte. Olli Kahn, der inzwischen als Trainer der Gäste an der Linie steht, grinste nach dem Abpfiff: "Wir wollten ruhig bleiben. Das ist uns gelungen - außer vielleicht beim Jubeln."

Dabei fing alles so verheißungsvoll an. In der 26. Minute zappelte der Ball im Netz der Limenos, nachdem Joao Arredondo, 35 Jahre alt und mit mehr Tricks als ein Zirkusclown, den Ball trocken rechts unten versenkt hatte. Das Stadion tobte, die Fanfaren schmetterten. "Da dachte ich, das läuft heute", sagte Arredondo später, "aber dann kam Lima wie ein Gewitter."

Nur drei Minuten später schlug es auf der Gegenseite ein. Pieter Tilleman, der belgische Linksaußen mit der Ruhe eines Uhrmachers, netzte nach Vorlage von Luís Makukula zum 1:1 ein. "Luís hat mir den Ball so serviert, da musste ich ja treffen", lachte Tilleman, der an diesem Abend noch einige Male gefährlich auftauchte - insgesamt sechs Torschüsse, mehr als das gesamte Heimteam zusammen.

Und weil es gerade so schön lief, legte Innenverteidiger Jeno Egressy kurz vor der Pause nach. Nach einem Eckball stand er frei wie auf einer Parkbank und köpfte den Ball unhaltbar ins rechte Eck. Wieder war Makukula der Passgeber. 1:2 - und die Köpfe der Gastgeber sanken. Trainer von Aurich (der Name blieb an diesem Abend lieber ungenannt) rief seinen Spielern noch etwas von "Kompaktheit" zu, aber das klang da schon wie ein Mantra gegen den Untergang.

Nach der Pause wurde es dann endgültig bitter. Innenverteidiger Seppo Tainio, der bereits in der 25. Minute Gelb gesehen hatte, sah in der 52. Minute Gelb-Rot - eine Szene, die das Spiel entschied. "Ich schwöre, ich hab ihn kaum berührt", beteuerte Tainio, doch Schiedsrichter Guzmán war unerbittlich. Zehn Minuten später erhöhte der 18-jährige Paulo Benito auf 3:1 für Lima - nach schöner Vorarbeit des 19-jährigen Rui da Costa. Jugend forscht, und wie!

Ab da spielte nur noch Academia Lima. 15 Torschüsse, 56 Prozent Ballbesitz, Pässe wie aus dem Lehrbuch. Aurich hingegen kam nur noch zweimal gefährlich vor das Tor - einmal in der 83. Minute, als Bruno Alves aus der Distanz abzog. Sein Schuss rauschte jedoch knapp am Winkel vorbei. "Wenn der reingeht, wird’s nochmal spannend", murmelte ein Fan, der längst wusste, dass das nicht passieren würde.

Olli Kahn, der sich an der Seitenlinie erstaunlich gelassen gab, fasste das Spiel später gewohnt trocken zusammen: "Wir haben es kontrolliert. Wir hätten auch fünf machen können, aber ich bin zufrieden. Die Jungs haben die Räume genutzt - und keiner hat gebrüllt." Ein Seitenhieb auf seine eigene Torwartvergangenheit durfte natürlich nicht fehlen.

In der Mixed Zone wirkte Aurichs Keeper Julian Galindez resigniert, aber gefasst: "Wir haben gut angefangen, aber nach dem Platzverweis war’s vorbei. Wenn du gegen so eine Mannschaft in Unterzahl bist, wird’s schwer. Die rennen dich einfach aus dem Stadion."

Taktisch zeigte sich der Unterschied deutlich: Während Aurich von Beginn an offensiv auftrat, aber kaum Struktur im Angriff fand, blieb Lima lange ausgewogen - und schaltete erst in der Schlussphase auf richtig offensiv. Ihre kurzen, präzisen Pässe und das Spiel über die Flügel waren eine Lehrstunde in Effizienz.

Selbst beim Stand von 3:1 drückten sie weiter, als ginge es um das Torverhältnis. Rui da Costa, der 19-jährige Linksverteidiger, prüfte den Keeper mehrfach mit satten Schüssen. "Ich wollte unbedingt treffen", grinste er später, "aber mein Trainer meinte, ich solle lieber wieder hinten bleiben."

Am Ende stand ein verdienter Sieg für Academia Lima, der sie in der Tabelle weiter nach oben klettern lässt. CF Jose Aurich dagegen steckt fest im Niemandsland - und wird wohl noch ein paar Trainingseinheiten brauchen, um die Disziplin zurückzufinden.

"Wir haben verloren, aber wenigstens war’s warm", sagte ein Zuschauer beim Hinausgehen mit einem Achselzucken. Humor ist, wenn man trotzdem klatscht. Und wenn man ehrlich ist: Lima spielte an diesem Abend einfach eine Klasse besser - oder, wie Kahn wohl sagen würde, "mit der Ruhe eines Torwarts beim Elfmeter."

Ein Abend, an dem die Jugend glänzte, Erfahrung verblasste und die Statistik das bestätigte: 15 zu 2 Torschüsse, 56 Prozent Ballbesitz. Zahlen, die keine Fragen offenlassen - außer einer: Wie viele Bälle muss man eigentlich aufs Tor bringen, bis Aurich mal wieder gewinnt?

26.11.643996 12:09
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