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Es gibt Fußballspiele, die schreien nach Analyse - und es gibt solche, die einfach ein köstliches Schauspiel sind. Das Achtelfinale des Pokals zwischen Academia Lima und AD Cienciano gehörte eindeutig zur zweiten Kategorie. 53.100 Zuschauer im Estadio Nacional erlebten eine Gala der Gastgeber, die ihre Gäste aus Cusco mit 3:0 vom Platz schickten - und das mit einer Leichtigkeit, die selbst Trainer Olli Kahn kurzzeitig schmunzeln ließ. "Ich wollte, dass die Jungs Spaß haben. Und wenn sie dabei Tore schießen, beschwere ich mich sicher nicht", sagte Kahn nach Abpfiff mit einem trockenen Lächeln, das an seine legendären Bayern-Tage erinnerte. Spaß hatten sie, die Jungs von Academia Lima. Und zwar von der ersten Minute an. Schon nach zwei Minuten prüfte Javier Santos den gegnerischen Keeper Peter Kotula erstmals - und legte damit den Ton des Abends fest. Cienciano, taktisch zwar ordentlich eingestellt, aber spielerisch auf dünnem Eis, kam kaum aus der eigenen Hälfte. In der 9. Minute dann das logische Resultat: Santos, der auf dem linken Flügel so wirbelte, als hätte er drei Lungen, verwandelte nach Pass von Innenverteidiger Jeno Egressy zum 1:0. Der Treffer war nicht nur schön, sondern auch ein Statement - Cienciano kam in der Folge zu keinem einzigen Torschuss im gesamten Spiel. Null. Nada. Ein Wert, der selbst die Statistikfreunde in der Pressetribüne kurz verstummen ließ. "Ich glaube, unser Torwart hätte heute auch in der VIP-Lounge sitzen können", witzelte Limas Kapitän Oscar Hathaway nach Schlusspfiff. Und er hatte recht. Während Keeper Eric Brun sich die Sonne auf die Handschuhe scheinen ließ, feuerte seine Mannschaft unglaubliche 22 Schüsse auf Kotulas Tor ab. Nach der Pause versuchte Cienciano, mit etwas mehr Biss ins Spiel zu kommen, doch das einzige Resultat war eine Gelbe Karte für Helmut Schmitz in der 54. Minute - vermutlich für das Verbrechen, endlich mal in einen Zweikampf zu gehen. Lima hingegen blieb ruhig, fast schon genießerisch. In der 63. Minute traf erneut Santos, der nach starkem Zuspiel von David Galindo zum zweiten Mal kotulaische Netze zappeln ließ. Das Stadion bebte, und selbst die Ersatzspieler grinsten breit. "Javier war heute nicht zu halten. Ich hab ihm gesagt, er soll’s einfach genießen", meinte Kahn später - ein Satz, der so gar nicht nach Titan klang, aber vielleicht genau deswegen wirkte. Sieben Minuten später folgte der endgültige Knockout: Pieter Tilleman, der eben erst eingewechselt worden war, versenkte nach Vorarbeit Hathaways den Ball zum 3:0 (70.). Der Jubel? Eine Mischung aus Erleichterung, Bewunderung und leiser Schadenfreude. "Ich hab den Ball einfach gespürt", sagte Tilleman später mit einem Grinsen, "vielleicht war’s auch nur der Wind - aber wenn der Wind Tore macht, nehm ich das gern." Cienciano-Trainer - der Name blieb an diesem Abend so blass wie das Spiel seiner Mannschaft - versuchte nach dem Spiel, Fassung zu bewahren: "Wir hatten einen Plan, aber Academia hat ihn offenbar gelesen, verbrannt und die Asche verstreut." Die letzten zwanzig Minuten waren Schaulaufen. Lima wechselte munter durch, gönnte Stars wie Meireles und Galindo eine Pause, und ließ die Kugel laufen, als spiele man auf dem Trainingsplatz. Der Ballbesitz war ausgeglichen (50,5 zu 49,4 Prozent), aber wer das Spiel gesehen hat, weiß: Statistik lügt manchmal. Olli Kahn fasste es am Ende treffend zusammen: "Ich mag Ergebnisse, die klar sind. Da kann man wenigstens ruhig schlafen." Für Academia Lima war es ein Statement - spielerisch reif, taktisch diszipliniert, und mit einer Offensivfreude, die Lust auf mehr macht. Für AD Cienciano hingegen bleibt nur das Nachsitzen im Videoraum - und vielleicht eine Entschuldigung beim eigenen Torwart, der trotz dreier Gegentore noch der Beste war. Und irgendwo auf der Tribüne rief ein Fan nach dem Abpfiff übermütig: "Mehr davon, Olli!" - Kahn hob kurz die Faust, grinste und verschwand im Kabinengang. Ein Titan bleibt eben ein Titan - selbst, wenn er jetzt in Lima lächelt. 08.02.644000 06:38 |
Sprücheklopfer
Die Karten sind neu gewürfelt.
Oliver Kahn