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Es war einer dieser Abende, an denen man spürt, dass Fußball mehr ist als nur ein Spiel. 59.000 Zuschauer im Estadio Nacional von Lima sahen am Dienstag das Finale der Amerikaliga - und sie bekamen Drama, Schweiß und ein spätes Happy End serviert. Academia Lima besiegte UD Teresina mit 2:1 (0:1) und holte sich den Titel auf denkbar emotionale Weise. Dabei sah es zur Pause gar nicht gut aus für das Team von Trainer Olli Kahn. Teresina begann frech, schnell, beinahe übermütig offensiv. Bereits nach vier Minuten prüfte Haim Mitzna den jungen Keeper Eric Brun, und man spürte, dass da etwas in der Luft lag. Nach einer halben Stunde hatte Lima zwar etwas mehr Ballbesitz (am Ende 53 Prozent), doch Teresina war das gefährlichere Team - zehn Torschüsse insgesamt, vier allein in der ersten Viertelstunde. In der 38. Minute dann der verdiente Lohn: Juanito Minguez flankt von rechts mit chirurgischer Präzision, Mitzna nimmt den Ball direkt - 0:1. Das Stadion verstummte. "Ich dachte, der Ball sei schon draußen", stammelte Limas Innenverteidiger Andre Seidel später mit einem bitteren Grinsen. Trainer Kahn hingegen stand an der Seitenlinie, die Hände tief in den Taschen, und murmelte laut genug, dass man es bis auf die Pressetribüne hörte: "Das war kein Gegentor, das war ein Weckruf." Und tatsächlich: In der Kabine muss es laut geworden sein. "Olli hat uns angeschrien, aber auf so eine motivierende Art, dass du danach Bäume ausreißen willst", verriet Mittelfeldmotor Jukka Hietanen. Kaum war die zweite Halbzeit angepfiffen, knallte es auch schon im Strafraum der Gäste - Hietanen selbst nahm Maß und traf in der 49. Minute zum Ausgleich. 1:1, das Stadion explodierte. Teresina wankte, aber fiel nicht. Trainer Tobias Lang, sonst eher der ruhige Taktiker, brüllte seine Abwehrreihe zusammen: "Bleibt wach, Männer, das hier ist noch lange nicht vorbei!" Doch seine Spieler schienen zunehmend müde. Der große Antreiber Mitzna lief sich gegen drei Verteidiger wund, Saracena wurde in der 65. Minute ausgewechselt, und kurz darauf musste der unglückliche Rogliano verletzt raus - ein bitteres Ende für den bis dahin auffälligsten Offensivmann. Academia Lima hingegen brachte frische Kräfte. Makukula kam, Seidel wurde nach vorne geschoben, und plötzlich war Druck da - echter, unnachgiebiger Finaldruck. 14 Torschüsse insgesamt, viele davon in der Schlussphase. In der 90. Minute stand Kahn mit verschränkten Armen an der Seitenlinie, als würde er das Schicksal herausfordern. Dann, in der 92. Minute, passierte das, woran in Lima noch in 20 Jahren jeder denken wird: Ecke von links, Seidel verlängert per Kopf, und Christiano Meireles hämmert den Ball aus kurzer Distanz unter die Latte. 2:1! Der Rest ist Ekstase. Feuerwerk, Tränen, Jubelgesänge - und irgendwo in der Menge schwenkte jemand ein Plakat mit der Aufschrift "Olli, unser Titan". "Ich hab nur noch gesehen, wie der Ball kommt, und dann war alles schwarz-weiß", sagte Meireles hinterher, noch völlig benommen. "Vielleicht war’s auch nur das Blitzlichtgewitter." Trainer Kahn grinste sein berühmtes Grinsen: "Manchmal muss man einfach aggressiv bleiben - auf dem Platz wie im Leben." Teresinas Coach Lang nahm die Niederlage sportlich: "Wir haben ein großartiges Finale gespielt. Aber manchmal gewinnt halt der, der in der Nachspielzeit noch laufen kann." Seine Mannschaft hatte sich tapfer gewehrt, doch am Ende fehlte die Kraft - und vielleicht auch ein bisschen Glück. Die Zahlen erzählen die Geschichte nüchtern: 53 Prozent Ballbesitz für Lima, 14:10 Torschüsse, 52 Prozent gewonnene Zweikämpfe. Aber wer dabei war, weiß: Das war kein Zahlenspiel, das war eine kleine Fußballlegende. Und während die Spieler noch auf den Schultern der Fans durchs Stadion getragen wurden, stand Olli Kahn am Spielfeldrand, sah in den Himmel und sagte halblaut: "Das war das Spiel, für das man Trainer wird." Vielleicht meinte er es ernst. Vielleicht war’s auch nur der Wind. Doch eines ist sicher: Lima schläft heute nicht. 07.07.644000 18:37 |
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