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Wenn die Sonne über Lima untergeht, dann weiß man: Gleich wird wieder Fußball gefeiert - oder gelitten. Am 26. Spieltag der 1. Liga Peru verwandelten 43.154 Zuschauer das Estadio Metropolitano in ein brodelndes Meer aus Blau und Weiß, als Academia Lima den ungeliebten Nachbarn CD Lima mit 2:0 abfertigte. Und das auf eine Art, die selbst den sonst so stoischen Trainer Olli Kahn zu einem Lächeln zwang. "Wir haben heute den Ball nicht gejagt, wir haben ihn gepflegt", knurrte Kahn nach der Partie und klopfte dabei auf den Rasen, als wolle er sagen: "So will ich ihn sehen, den Fußball." Und tatsächlich - seine Akademiker hatten von Beginn an das Zepter in der Hand. 51,7 Prozent Ballbesitz, 13 Schüsse aufs Tor und ein Mittelfeld, das wie ein Schweizer Uhrwerk funktionierte. CD Lima dagegen wirkte, als habe man vergessen, dass dieses Spiel auf dem Plan stand. Zwei kümmerliche Torschüsse, eine Gelbe Karte und viel Leerlauf - das war die magere Bilanz der Gäste. Trainername? Fehlanzeige in den offiziellen Listen, und das passte irgendwie zum Auftritt: namenlos, ideenlos, harmlos. Dabei begann die Partie durchaus verhalten. Die erste Halbzeit war ein Lehrstück in Geduld - und im Verpassen guter Chancen. Javier Santos prüfte in der 13. Minute den Keeper Raul Andrade, kurz darauf drosch David Galindo den Ball aus aussichtsreicher Position über die Latte. "Ich dachte, das Tor wäre größer", witzelte Galindo später, "aber vielleicht war’s auch der Wind." Nach der Pause kam Bewegung in die Sache - und zwar mit Nachdruck. In der 53. Minute fasste sich der rechte Flügelstürmer Christiano Meireles ein Herz. Nach einem herrlich weiten Pass des jungen Arnfinn Berg, der später selbst noch Geschichte schreiben sollte, zog Meireles aus spitzem Winkel ab. Der Ball küsste den Innenpfosten und zappelte im Netz - 1:0! Das Stadion explodierte. "Ich wusste, dass ich ihn so treffen muss, sonst würde Olli mich auf den Parkplatz schicken", grinste Meireles anschließend. Nur acht Minuten später revanchierte sich Berg auf seine ganz eigene, nordisch-kühle Art. Der 19-jährige Linksverteidiger stürmte nach vorne, erhielt einen präzisen Pass von Oscar Hathaway und vollendete mit einem satten Schuss ins rechte Eck - 2:0! Ein Teenager als Torschütze - und das in einem Derby. "Ich hab einfach abgezogen. Wenn ich drübergehauen hätte, wäre’s halt eine Flanke geworden", gab Berg trocken zu Protokoll. CD Lima versuchte danach, den Rückstand irgendwie zu verkürzen, aber Simone Mandatoriccio blieb mit seinen Versuchen in der 51. und 80. Minute an Academia-Keeper Luis Enriquez hängen. "Ich hatte den Ball genau im Blick", brummte Enriquez. "Und wenn nicht, hätte mich Olli von der Tribüne aus angeschrien." In der Schlussphase verlor CD Lima dann auch noch die Nerven: Rechtsverteidiger Slawa Stelnow sah in der 87. Minute Gelb - ein Akt der Verzweiflung, nachdem er mal wieder von Carlos Galindo überlaufen worden war. Kahn nahm’s gelassen: "Das ist Fußball. Wenn du nicht hinterherkommst, greifst du eben zum Arm." Taktisch blieb Academia Lima stets Herr der Lage: offensiv, aber kontrolliert. Kurze Pässe, ruhiger Aufbau, Pressing? Fehlanzeige - man ließ den Gegner kommen, um ihn dann mit technischer Präzision auszuhebeln. CD Lima hingegen wirkte wie ein Team, das auf Autopilot läuft: ausgeglichen, ja, aber ohne jede Idee. Nach dem Schlusspfiff tanzten die Fans auf den Rängen. Der Derbysieg fühlte sich an wie eine kleine Meisterschaft. "Das war Limas wahres Gesicht", jubelte ein Zuschauer mit bemaltem Oberkörper, bevor er sich mit einem Plastikbecher Chicha Morada bekleckerte. Kahn verschwand derweil in den Katakomben - mit einem zufriedenen Nicken. Seine Mannschaft hatte nicht nur gewonnen, sondern auch gezeigt, dass sie reif ist für Größeres. "Wenn wir so weiterspielen, dann lass ich mir vielleicht sogar ein Lächeln tätowieren", sagte er zum Abschied, halb im Scherz, halb im Ernst. Und CD Lima? Die verließen das Stadion still, als wäre ihnen gerade eingefallen, dass sie lieber Volleyball spielen wollten. Ein Stadtduell also, das seinem Namen gerecht wurde - mit Pfeffer, mit Leidenschaft, mit zwei echten Helden: Meireles und Berg. Und irgendwo im Hintergrund ein Olli Kahn, der zufrieden brummte, weil seine Jungs endlich so spielten, wie er es schon immer wollte: mit Mut, Präzision - und einem Hauch Wahnsinn. 14.11.643996 20:28 |
Sprücheklopfer
Die Kroaten sollen ja auf alles treten, was sich bewegt - da hat unser Mittelfeld ja nichts zu befürchten.
Berti Vogts vor dem WM-Spiel gegen Kroatien