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32.000 Zuschauer im Estadio de Huaraz sahen an diesem lauen Maiabend ein Pokal-Viertelfinale, das eigentlich nur eine Mannschaft kannte: Academia Lima. Die Gäste aus der Hauptstadt gewannen mit 2:0 gegen Deportivo Ancash und hätten das Ergebnis durchaus höher schrauben können. Wer das Spiel gesehen hat, fragt sich, ob die Gastgeber überhaupt verstanden hatten, dass es um den Einzug ins Halbfinale ging. Von Beginn an drückte Limas Offensive aufs Tempo, angetrieben vom quirlig-jungen Leandro Bischoff, der mit seinen 17 Jahren spielte, als hätte er schon zehn davon in den Knochen. In der 17. Minute schickte er mit einem butterweichen Pass Christiano Meireles in den Strafraum, der den Ball eiskalt ins lange Eck schlenzte - 1:0 für Lima. Der Jubel? Dezent, fast höflich. "Wir wollten nicht provozieren", grinste Meireles nach dem Spiel. "Aber ehrlich gesagt, es fühlte sich schon ziemlich gut an." Ancashs Reaktion: ein ratloses Kopfschütteln und ein paar harmlose Fernschüsse, die den Balljungen mehr beschäftigten als Torwart Luis Enriquez. Der wirkte zwischen den Pfosten so entspannt, dass man fast meinte, er habe sich ein Buch mitgebracht. In Minute 36 dann das zweite Tor: Oscar Hathaway, zentraler Mittelfeldmann und Dauerläufer, zog aus 20 Metern ab - und der Ball zappelte im Netz. Der Assist kam von Ivan Anicic, der sich zuvor im Mittelfeld elegant durch drei grüne Trikots getänzelt hatte. 0:2 - und Ancash wirkte, als wolle man am liebsten gleich die Kabine aufsuchen. Trainer Olli Kahn, der bei Lima an der Seitenlinie wütete, gestikulierte und dirigierte, zeigte sich nach der Partie beinahe milde: "Ich war zufrieden mit der ersten Hälfte. In der zweiten hätten wir mehr draus machen müssen, aber gut - Viertelfinale ist Viertelfinale." Und mit einem schiefen Lächeln ergänzte er: "Wir haben das Spiel kontrolliert, auch wenn wir manchmal zu schön spielen wollten. Aber das ist ein Luxusproblem." Tatsächlich hätte es noch schlimmer für Ancash kommen können. Lima feuerte 16 Torschüsse ab, während die Hausherren mit 6 Versuchen eher auf Schadensbegrenzung bedacht waren. Das Ballbesitzverhältnis sprach mit 55 zu 45 Prozent ebenfalls klar für die Gäste. Einziger Lichtblick für Ancash war vielleicht ihr Torhüter Rui Baro. Der 34-Jährige parierte wenigstens das, was überhaupt auf sein Tor kam, und verhinderte eine Blamage historischen Ausmaßes. "Ich hab’s kommen sehen", sagte Baro später. "Aber wenn die da vorne keinen Ball halten, kann ich auch nur beten." In der zweiten Halbzeit passierte dann nicht mehr viel. Lima verwaltete, Ancash versuchte halbherzig, einen Anschluss zu erzwingen, doch selbst das Publikum hatte den Glauben verloren. Ein paar Pfiffe, ein paar "Vamos"-Rufe aus der Kurve - und dann das resignierte Schweigen, das sich wie eine Decke über das Stadion legte. Kurz vor Schluss wurde es noch einmal unschön: Nelio Hernando verletzte sich in der 88. Minute nach einem Zweikampf mit Javier Santos und musste ausgewechselt werden. "Ich hab nur den Ball gespielt", beteuerte Santos, während Hernando humpelnd vom Platz ging. Der Wechsel brachte Arnau Goncalves, der aber auch keine Wunder vollbrachte - eher das Gegenteil: Er sah aus, als wolle er schnell wieder in die Kabine zurück. Zwei Gelbe Karten - eine für Limas Innenverteidiger Nestor Delgado (67.) und eine für Ancashs Luka Schade (58.) - zeigten immerhin, dass es phasenweise so etwas wie Zweikampf gab. Vincent Viejo holte sich in der 76. Minute ebenfalls Gelb ab, wohl aus Frust. Nach Schlusspfiff stapften die Spieler von Deportivo Ancash vom Platz, als hätten sie gerade erfahren, dass das Auswärtstor nicht mehr zählt. Trainerstatements gab es keine - vielleicht besser so. Academia Lima dagegen feierte still, aber zufrieden. Der 17-jährige Bischoff, an allen gefährlichen Szenen beteiligt, grinste schelmisch: "Ich wollte einfach Spaß haben. Und wenn man Spaß hat, dann passieren gute Dinge." Ein Reporter fragte Olli Kahn, ob das Team schon an den Pokal denke. Der Ex-Torwart lachte trocken: "Nein, nein. Erst das Halbfinale. Aber ein bisschen träumen darf man ja." Und wer Lima so spielen sah, der weiß: Sie träumen nicht nur - sie spielen auch so. Ancash dagegen bleibt nur der Traum vom nächsten Jahr. Vielleicht mit etwas mehr Mut, etwas weniger Angst - und, wer weiß, vielleicht auch mit ein paar Torschüssen mehr. Schlusswort? Wenn Fußball ein Theater ist, dann war das Stück in Huaraz gestern ein Einakter - und Academia Lima der einzige Schauspieler, der seinen Text kannte. 25.03.644000 13:50 |
Sprücheklopfer
Das, was ich schon die letzten 20 Jahre gemacht habe, mich wichtig machen und deppert reden!
Toni Polster auf die Frage, was er im Gladbach-Management tun werde