// Startseite
| El Peruano |
| +++ Sportzeitung für Peru +++ |
|
|
|
Manchmal braucht ein Montagabend einfach ein Fußballspiel, das alle Sorgen vertreibt - und genau das lieferte Academia Lima beim 4:0-Sieg gegen Alianza Sullana am 33. Spieltag der 1. Liga Peru. 41.678 Zuschauer verwandelten das Estadio Nacional in ein blau-weißes Tollhaus, während die Gäste aus Sullana sich fühlten, als hätten sie versehentlich in ein falsches Drehbuch geraten: eines, in dem sie nur die Statistenrolle bekamen. Schon nach fünf Minuten donnerte Arnfinn Berg, Limas junger Linksverteidiger mit dem Mut eines Stürmers, den Ball aus 20 Metern unter die Latte. "Ich wollte eigentlich flanken", grinste er später, "aber wenn der Ball schon mal so schön liegt, warum nicht?" Sein Trainer Olli Kahn, der am Spielfeldrand sichtlich zufrieden nickte, kommentierte trocken: "Wir arbeiten daran, dass unsere Außenverteidiger öfter treffen. Nur nicht alle gleichzeitig, bitte." Das frühe 1:0 war der Auftakt zu einem Fußballabend, an dem Academia Lima in fast jeder Statistik die Nase vorn hatte - 16 Torschüsse zu 2, 51 Prozent Ballbesitz, 58 Prozent gewonnene Zweikämpfe. Zahlen, die so eindeutig waren, dass sie fast schon langweilig wirken, wenn man nicht gesehen hätte, mit welcher Spielfreude Limas Offensive wirbelte. Kurz vor der Pause, in der 42. Minute, setzte Pieter Tilleman nach feinem Zusammenspiel mit Javier Santos das 2:0. Eine dieser Szenen, bei denen man das Gefühl hat, der Ball sei magnetisch an den Füßen der Limas kleben geblieben. "Wir haben das im Training genau so geübt", behauptete Tilleman nach dem Spiel mit einem Augenzwinkern - und fügte nach kurzem Nachdenken hinzu: "Na ja, fast genau so. Ohne Zuschauer und ohne dass mir jemand auf die Füße tritt." Die Halbzeitpause brachte für Alianza Sullana keine Besserung. Trainer Peter Kamil, sonst ein Mann der ruhigen Worte, soll in der Kabine die Tafel so laut umgedreht haben, dass man es bis in den Presseraum hörte. Doch kaum war die zweite Halbzeit angepfiffen, traf wieder Tilleman - diesmal in der 49. Minute, nach Vorarbeit von Rechtsverteidiger Joaquin Gutierrez. Das 3:0 war der endgültige K.O.-Schlag für die Gäste, die zu diesem Zeitpunkt bereits froh waren, dass Limas Torwart Luis Enriquez überhaupt noch auf dem Platz stand. Der hatte bis dahin mehr Ballkontakte mit seinen eigenen Abwehrspielern als mit gegnerischen Schüssen. Alianza Sullana mühte sich, aber mühsam war eben das Stichwort. Zwei Torschüsse in 90 Minuten - einer davon in der 72. Minute durch Domingo Vico, den Enriquez lässig pflückte wie eine überreife Mango. Der Rest war eine Lehrstunde in Ballzirkulation und Geduldsspiel. In der 88. Minute schließlich durfte auch der eingewechselte Pedro Yago jubeln. Der 19-Jährige, gerade erst aus der Jugend hochgezogen, drückte nach einem Abpraller das Leder zum 4:0 über die Linie. "Ich wusste gar nicht, wohin ich laufen sollte", gestand er später schüchtern, "dann hat mich Seppo einfach umarmt - und ich stand plötzlich im Jubelkreis." Olli Kahn stand danach mit seinem typischen Halblächeln vor den Mikrofonen: "Wir haben heute vieles richtig gemacht - und das, was wir falsch gemacht haben, ist zum Glück keinem aufgefallen." Sein Gegenüber Peter Kamil hielt sich an die alte Trainerweisheit: "Wenn du 0:4 verlierst, hast du wenigstens klare Analysegrundlagen." Die Zuschauer verabschiedeten ihre Mannschaft mit stehenden Ovationen. Manche sangen noch auf den Rängen, während das Flutlicht längst gedimmt wurde - Limas junge Wilde hatten ihnen einen dieser Abende geschenkt, über die man noch beim Frühstück spricht. Und irgendwo in der Mixed Zone sagte Pieter Tilleman, halb lachend, halb erschöpft: "Wenn wir so weiterspielen, muss Olli uns irgendwann bremsen. Oder wir schießen das Stadion kaputt." Ein bisschen Übermut darf sein - nach so einem Spiel. Vier Tore, kein Gegentor, und eine Mannschaft, die aussah, als könne sie auch noch die Nacht durchspielen. Für Alianza Sullana bleibt die Erkenntnis: Gegen diese Academia war kein Rezept zu finden, außer vielleicht eins zum Trost - ein kräftiger Pisco Sour auf dem Heimflug. 26.06.644000 08:10 |
Sprücheklopfer
Ich kann es mir als Verantwortlicher für die Mannschaft nicht erlauben, die Dinge subjektiv zu sehen. Grundsätzlich werde ich versuchen zu erkennen, ob die subjektiv geäußerten Meinungen subjektiv sind oder objektiv sind. Wenn sie subjektiv sind, dann werde ich an meinen objektiven festhalten. Wenn sie objektiv sind, werde ich überlegen und vielleicht die objektiven subjektiv geäußerten Meinungen der Spieler mit in meine objektiven einfließen lassen.
Erich Ribbeck