El Peruano
+++ Sportzeitung für Peru +++

Academia Lima tanzt Cienciano aus - und Olli Kahn grinst

Es gibt Spiele, in denen die Statistik lügt. Und dann gibt es Spiele wie das zwischen AD Cienciano und Academia Lima, in denen sie die Wahrheit mit einem Megafon herausschreit: 19:1 Torschüsse, 0:2 Tore, 59 Prozent Zweikampfquote für die Gäste. Wenn man es nicht besser wüsste, man könnte glauben, Cienciano habe eine geheime Abmachung mit den Balljungen gehabt, um den Ball möglichst selten zurückzubekommen.

32.000 Zuschauer im Estadio Garcilaso de la Vega sahen am 21. Spieltag der 1. Liga Peru einen Auftritt der Sorte "Lehrvideo in Dominanz". Lima, angeführt vom stoisch lächelnden Trainer Olli Kahn, spielte von Beginn an, als hätten sie sich vorgenommen, den Ballbesitz als lästige Pflichtübung zu betrachten - und trotzdem schafften sie es, aus weniger Zeit am Ball mehr zu machen.

Schon nach zwei Minuten prüfte Seppo Uusimäki den Cienciano-Keeper Rafael Couto mit einem satten Schuss. Und das war nur der Anfang einer Einbahnstraßen-Halbzeit. Lima kombinierte, flankte, zog ab - und irgendwann, in der 24. Minute, platzte der Knoten. Der erst 17-jährige Leandro Bischoff, ein Mittelfeldspieler mit der Gelassenheit eines Schachgroßmeisters, nahm einen Pass von Javier Santos auf, schaute kurz, und schlenzte den Ball ins lange Eck. Couto flog, die Fans seufzten, Kahn nickte zufrieden.

"Ich hab einfach draufgehalten", sagte Bischoff nach dem Spiel schüchtern, als wüsste er selbst nicht genau, wie er das gemacht hatte. Kahn grinste breit: "Er ist 17 - ich hab mit 17 noch Hausaufgaben gemacht, der schießt hier Tore."

Cienciano versuchte es mit Ruhe und Ballbesitz, 53 Prozent sprechen für eine gewisse Kontrolle - aber eben nur auf dem Papier. "Wir haben den Ball gehabt, aber wussten nicht, wohin damit", gab Mittelfeldmann Nelio Nani, der in der 27. Minute Gelb sah, ehrlich zu. "Manchmal fühlte es sich an, als wären wir Statisten in ihrem Training."

Kurz vor der Pause hätte Lima das Ergebnis schon höher schrauben können. Oscar Hathaway, unermüdlicher Antreiber aus der Zentrale, prüfte Couto gleich mehrfach, während Pieter Tilleman und Uusimäki das Tornetz auf Stabilität testeten. Nur der Pfosten und ein paar verzweifelte Abwehrbeine verhinderten Schlimmeres.

Nach dem Wiederanpfiff dauerte es gerade einmal vier Minuten, bis Lima erneut zuschlug. Wieder war es Hathaway, diesmal nach Vorarbeit des flinken Lucas Moura. Ein schneller Doppelpass, ein Antritt, ein präziser Abschluss - 0:2, 49. Minute, und das Stadion wurde leiser. "Ich hab’s kommen sehen", sagte Ciencianos Verteidiger Joao Gomes später, "aber nur so halb. Und halb sehen reicht bei Hathaway nicht."

Lima spielte die Partie danach mit der Gelassenheit einer Mannschaft herunter, die wusste, dass heute nichts mehr schiefgehen konnte. Selbst als Innenverteidiger Nestor Delgado in der 75. Minute verletzt raus musste, blieb Kahn ruhig. "Ich hab Jeno Egressy gebracht, der hat mehr Erfahrung als mein Rasierer Klingen", witzelte der Trainer nach dem Spiel. Egressy revanchierte sich mit einer Gelben Karte in der 83. Minute - sinnbildlich für Limas kompromisslose Konsequenz.

Cienciano kam erst in der 85. Minute zu seiner einzigen echten Torchance. Azar Hareide, der unermüdlich über rechts ackerte, zog ab - doch Limas Keeper Luis Enriquez pflückte den Ball aus der Luft wie eine reife Mango. Das Publikum applaudierte, wohl wissend, dass das hier ein kleiner Trost war.

"Wir hätten noch drei Stunden spielen können, es wäre nichts passiert", sagte Ciencianos Trainer nach dem Spiel, die Hände tief in den Taschen. "Aber wenigstens haben wir 53 Prozent Ballbesitz. Das nehmen wir mit."

Olli Kahn hingegen wirkte fast sentimental. "Das war ordentlich. Nicht perfekt, aber ordentlich", meinte er, während er sich den Schweiß von der Stirn wischte. "Ich hab den Jungs gesagt: Wenn ihr schon kein Pressing spielt, dann wenigstens konsequent."

Am Ende blieb ein 0:2, das sich wie ein 0:5 anfühlte. Lima war in jeder Hinsicht überlegen - in Technik, Tempo und Zielstrebigkeit. Zwei Gelbe Karten, eine Verletzung, 19 Schüsse, zwei Tore: das Lehrbuch eines kontrollierten Auswärtssiegs.

Als die Sonne über Cusco unterging, sagte ein älterer Fan auf der Tribüne: "Früher war Cienciano eine Festung." Sein Enkel antwortete trocken: "Heute war’s eher ein offenes Tor."

Und irgendwo in der Katakombe des Stadions hörte man Olli Kahn lachen - dieses Lachen, das klingt, als wolle es sagen: "So spielt man Fußball."

08.02.644000 10:03
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