El Peruano
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Academia Lima tanzt Cristal aus - 2:0, aber eigentlich war's höher

47.000 Zuschauer im Estadio Nacional de Lima sahen am Samstagabend eine Vorstellung, die eher an ein Einseitigkeits-Festival erinnerte als an ein Spitzenspiel der 1. Liga Peru. Academia Lima gewann hochverdient mit 2:0 gegen AD Cristal - und hätte, wenn man ehrlich ist, auch 5:0 oder 6:0 gewinnen können.

Von der ersten Minute an war klar, wer hier den Ball wollte und wer nur hinterherlief. 19 Torschüsse für die Hausherren, ein einziger für Cristal. "Wir hätten uns den Torhüter sparen können, der hätte heute auch im Fanblock sitzen dürfen", witzelte Academia-Coach Olli Kahn nach dem Spiel mit einem Grinsen, das an seinen alten Bayern-Tagen erinnerte.

Kahn hatte seine Jungs offensiv eingestellt, aber ohne das übliche wilde Pressing. "Wir wollten ruhig bleiben, den Ball laufen lassen - und das haben sie großartig gemacht", erklärte er. Tatsächlich wirkte Academia wie ein Orchester: kurze Pässe, Seitenwechsel, und immer wieder diese linke Seite mit Pieter Tilleman und Javier Santos, die Cristals Abwehr in den Wahnsinn trieb.

Der erste Treffer fiel genau dann, als Cristal dachte, sie kämen mit einem torlosen Pausenstand davon. In der 45. Minute bediente Santos seinen Kollegen Tilleman, der den Ball aus kurzer Distanz unter die Latte wuchtete. Der Jubel war laut, aber nicht ekstatisch - man spürte: hier war noch mehr drin.

"Ich hab’ ihn eigentlich zu scharf angespielt", lachte Santos später. "Aber Pieter hat einfach ein Bein, das magnetisch auf Bälle reagiert." Tilleman grinste daneben und fügte hinzu: "Wir haben im Training gewettet, wer zuerst trifft. Jetzt steht’s 1:0 für mich."

Die zweite Halbzeit begann wie die erste endete - mit einem Sturmlauf der Blauen. Cristal wirkte wie paralysiert, und Torhüter Tasos Spyropoulos bekam kaum Luft zum Durchatmen. Nach einer Ecke in der 54. Minute fiel die Vorentscheidung: Torschütze diesmal Javier Santos selbst, der einen Abpraller mit der ganzen Wucht seiner 24 Jahre ins Netz hämmerte.

"Da war einfach nur noch Instinkt", sagte Santos später. "Ich hab nicht nachgedacht - und das war vielleicht das Beste, was ich tun konnte."

Cristal-Coach Andre Niesenhaus wirkte in der Pressekonferenz anschließend ein wenig ratlos. "Wir wollten offensiv auftreten, das war der Plan. Aber wenn du nie an den Ball kommst, ist das schwierig", meinte er trocken. Sein Team hatte 43 Prozent Ballbesitz - zumindest laut Statistik, auf dem Platz fühlte es sich eher nach 20 an.

Die einzige nennenswerte Aktion der Gäste war ein Schuss von Dejan Jerkovic in der 43. Minute, den Academia-Keeper Luis Enriquez mit einer Hand über die Latte lenkte. Danach sah man Cristal fast nur noch hinterherlaufen.

Academia spielte mit Selbstvertrauen, manchmal vielleicht etwas zu verspielt. In der 71. Minute versuchte Tilleman einen Fallrückzieher, der eher in die Kategorie "artistischer Versuch" fiel - der Ball landete auf der Tribüne, aber das Publikum klatschte begeistert. "Wir haben Spaß da draußen", sagte Verteidiger Jeno Egressy, der sich trotz Gelber Karte in der 35. Minute nicht bremsen ließ. "Manchmal ist Fußball eben Kunst."

Olli Kahn sah das ähnlich, wenn auch mit einem Schuss Ironie: "Ich hätte mir ein drittes Tor gewünscht - am liebsten von unserem Innenverteidiger, damit’s in der Kabine richtig rund geht." Stattdessen wechselte er zur Pause defensiv: Der 17-jährige Marco Verratti kam zu seinem Debüt, während der erfahrene Egressy runterging. "Er hat das souverän gemacht", lobte Kahn den Youngster.

Auf der Tribüne rieben sich einige Fans verwundert die Augen, als sie sahen, dass Academia trotz 2:0-Führung weiter nach vorne spielte. Kein Pressing, aber pure Spielfreude. In der 83. Minute scheiterte David Galindo noch zweimal knapp - einmal an Spyropoulos, einmal am Pfosten.

"Wir haben heute gezeigt, dass Ballbesitz auch Spaß machen kann", sagte Kahn mit diesem typischen Unterton, der nie ganz erkennen lässt, ob er Witz oder Ernst meint. "Und das sage ich als jemand, der früher lieber Bälle gefangen hat."

Am Ende stand ein 2:0, das keiner infrage stellte. Cristal blieb blass, während Academia Lima wie ein Team spielte, das an größere Aufgaben denkt. Vielleicht nicht an Europa, aber sicher an die Tabellenspitze.

Oder, wie es Tilleman beim Rausgehen formulierte: "Wenn wir so weiter spielen, brauchen wir bald ein größeres Stadion."

Ein bisschen Größenwahn? Vielleicht. Aber nach einem solchen Abend darf man in Lima ruhig ein bisschen träumen.

14.03.644000 04:58
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Was soll man schon erwarten? Der hat früher immer Dynamo Ost-Berlin zum Titel gepfiffen.
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