El Peruano
+++ Sportzeitung für Peru +++

Academia Lima tanzt Deportes?Pena schwindlig - 3:0 und Standing Ovations

Ein lauer Maiabend in Lima, 43 650 Zuschauer, und irgendwo zwischen peruanischem Straßenlärm und Stadiongesängen lag dieses Knistern, das man nur spürt, wenn ein Team beschlossen hat, heute richtig Fußball zu spielen. Academia Lima tat genau das - und zwar so überzeugend, dass selbst Trainer Olli Kahn nach Abpfiff mit einem zufriedenen Nicken Richtung Tribüne verschwand.

"Wir wollten zeigen, dass wir Offensivfußball können - nicht nur reden", sagte Kahn später und grinste, als wäre er wieder 2002 im Tor, nur diesmal eben an der Seitenlinie. Seine Mannschaft hatte Deportes Pena mit 3:0 (1:0) abgefertigt, und das Ergebnis fiel fast zu knapp aus, wenn man ehrlich ist.

Statistisch gesehen war es eine merkwürdige Partie: Pena hatte etwas mehr Ballbesitz (52 Prozent), aber Academia Lima schoss 20-mal aufs Tor - Pena ganze drei Mal. Wer also Fußball als Ballbesitzstatistik versteht, der sah hier ein Lehrbeispiel, dass Zahlen manchmal lügen.

Der Abend begann verhalten, doch ab der 30. Minute nahm das Spiel Fahrt auf. Matteo Pedivigliano, der Dirigent im Mittelfeld, testete zweimal das Aluminium, bevor er in der 39. Minute endlich traf. Nach feiner Vorarbeit des schnellen Javier Santos zog der Italiener aus 20 Metern ab - trocken, präzise, unhaltbar. "Ich hatte das Gefühl, der Ball wollte einfach selbst rein", meinte Pedivigliano später schmunzelnd.

Mit dem 1:0 ging es in die Pause, und auf der Tribüne wurde schon spekuliert, ob Lima das Tempo halten könne. Spoiler: Sie konnten. Nur vier Minuten nach Wiederanpfiff erhöhte David Galindo auf 2:0 - nach Zuspiel, natürlich, von Pedivigliano. Der Angriff lief wie aus dem Lehrbuch: Ballgewinn im Mittelfeld, schneller Doppelpass, und Galindo vollstreckte mit der Selbstverständlichkeit eines Mittelstürmers, der seinen Kaffee schwarz und seine Tore eiskalt mag.

Deportes Pena versuchte sich danach in Schadensbegrenzung. Trainer Luis Mendoza (der sich nach Abpfiff demonstrativ auf die Bank setzte und minutenlang auf seine Schuhspitzen starrte) brachte zwar frische Beine, doch es half wenig. In der 56. Minute setzte Christiano Meireles den Schlusspunkt - wieder nach Vorlage Pediviglianos. Das 3:0 war nicht nur schön, es war auch das Symbol eines Spiels, das in seiner Klarheit fast poetisch wirkte.

"Wir haben alles versucht", sagte Pena-Stürmer Jerome Barnier später und seufzte. "Aber wenn die anderen mit drei Pässen durch sind, dann weißt du: Heute ist nicht dein Tag." Barnier war einer der wenigen Gäste, die wenigstens Torgefahr ausstrahlten - seine Abschlüsse in der 15. und 31. Minute waren die einzigen, die Limas Torwart Eric Brun überhaupt ins Schwitzen brachten.

Die Stimmung im Stadion indes: ausgelassen. Schon kurz vor Schluss skandierten die Fans den Namen Pedivigliano, der in der 84. Minute fast noch das 4:0 erzielt hätte. Stattdessen gab’s Gelb für Ivan Anicic (60.) nach einem rustikalen Einsteigen - "Ich wollte nur zeigen, dass wir auch Körper haben", meinte er trocken - und eine späte Verwarnung für Penas Anthony Sorbo San Basile (90.), der das Ganze wohl einfach nicht mehr sehen konnte.

Olli Kahn nutzte die Nachspielzeit, um den 17-jährigen Marco Verratti einzuwechseln. "Der Junge soll mal riechen, wie Sieg schmeckt", sagte der Trainer anschließend mit einem leichten Grinsen. Neben ihm scherzte Co-Trainer Pedro Salas: "Wenn Olli Kahn lächelt, dann weißt du, wir haben gewonnen."

Taktisch blieb Lima über 90 Minuten offen und aggressiv, aber nie kopflos. Kein frühes Pressing, kein blindes Anrennen - nur zielgerichtete Angriffe, schnörkellos und präzise. Pena dagegen blieb brav "balanciert", was in diesem Fall etwa so effektiv war wie eine Parkbremse am Formel-1-Wagen.

Als der Schlusspfiff ertönte, feierten die Fans ihr Team stehend. Drei Tore, 20 Torschüsse, eine gelbe Karte - und ein Spiel, das zeigte, dass Offensivgeist und Disziplin sich nicht ausschließen müssen.

"Wir haben Spaß gehabt, und das sieht man", resümierte Pedivigliano, während er sich von einem kleinen Jungen ein Autogramm auf die Stirn schreiben ließ. Galindo, neben ihm, nickte nur und sagte: "Wenn wir so weitermachen, kommt der Titel."

Vielleicht etwas früh, aber an diesem Abend war Optimismus erlaubt. Denn Academia Lima spielte nicht nur Fußball - sie tanzten. Und Deportes Pena war der unglückliche Tanzpartner, der den Rhythmus einfach nicht fand.

Manchmal ist Fußball eben ganz einfach: Wer trifft, gewinnt. Und wer so spielt wie Lima, der darf nach dem Abpfiff ruhig ein bisschen Samba tanzen.

04.01.644000 16:35
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