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Ein lauer Juniabend, 34.947 Zuschauer im Stadion von Santo André - und viele dürften sich beim Abpfiff gefragt haben, ob sie gerade einem Erstligaspiel beigewohnt oder versehentlich in eine Lehrstunde der Kategorie "So dominiert man einen Gegner" geraten waren. AD Santo André gewann am 7. Spieltag der 1. Liga Brasilien mit 6:1 gegen ein überfordertes ES Marília - und das Ergebnis schmeichelt den Gästen fast noch. Trainer Alexander Pachmann hatte sein Team offensiv eingestellt, und das war schon nach wenigen Minuten zu spüren. Der junge Christiano Peyroteo prüfte in der 3. Minute erstmals den Gästetorwart Alex Ricci, der da noch hielt, was zu halten war. "Wäre der gleich reingegangen, hätten wir wohl zweistellig verloren", meinte Ricci später mit Galgenhumor. Nach einer halben Stunde brach Antonio Vaz den Bann: Nach feinem Zuspiel von Leandro Ze Castro zimmerte er den Ball aus 18 Metern ins rechte Eck - 1:0 (29.). Der Jubel war groß, aber Pachmann an der Seitenlinie winkte nur ab: "Das war Pflicht. Wir hätten da schon drei haben müssen." Marília versuchte, sich ins Spiel zu retten, hatte durch Gunnar Nilsen und Luís Futre ein paar zaghafte Abschlüsse, aber Santo André dominierte die Partie mit 53 Prozent Ballbesitz, 19 Torschüssen und einer Zweikampfquote, die eher nach einem Heimtraining als nach einem Ligaspiel klang. Nach der Pause wurde es dann richtig bitter für Marília. Kaum war der Tee getrunken, erhöhte der 19-jährige Antonio Morte auf 2:0 (48.), nach Vorlage des quirligen Peyroteo. Morte grinste hinterher: "Ich dachte zuerst, ich hätte abseits gestanden. Dann habe ich gesehen, dass der Linienrichter gar nicht mehr hinschaute - zum Glück!" Was danach folgte, war eine 20-minütige Fußballorgie des Heimteams. Szilard Durica traf doppelt (64., 66.), dazwischen durfte der 18-jährige Peyroteo selbst jubeln (65.) - sein erstes Tor als Profi. "Ich hab nur die Augen zugemacht und gehofft, dass keiner im Weg steht", sagte er schüchtern nach dem Spiel. Trainer Pachmann konterte trocken: "Wenn er so weitermacht, darf er die Augen ruhig öfter zu machen." Beim Stand von 5:0 schaltete Santo André zwei Gänge zurück, wohl um die eigenen Fans nicht zu überfordern. Prompt gelang den Gästen aus Marília der Ehrentreffer: Innenverteidiger Vincent Morais köpfte nach einer Ecke von Cameron Featherstone das 5:1 (68.). Man kann es ihnen nicht verdenken, dass sie kurz so taten, als hätten sie das Spiel gedreht. Doch Santo André hatte noch nicht genug. Wieder war es der eiskalte Peyroteo, der in der 79. Minute zum 6:1-Endstand traf - diesmal nach erneuter Vorlage von Ze Castro, der an diesem Abend an fast allem beteiligt war, was nach Fußball aussah. Die Statistik sprach am Ende Bände: 19:7 Torschüsse, 53 Prozent Ballbesitz, 6 Tore - und ein Gegner, der nur durch eine Gelbe Karte (Nilsen, 88.) auffiel. Pachmann fasste das Geschehen treffend zusammen: "Wir haben heute Fußball gespielt. Der Rest war Staffage." Marílias Trainer, der sich nach dem Spiel nur widerwillig den Mikrofonen stellte, seufzte: "Wir waren eigentlich gut vorbereitet. Leider war der Gegner besser vorbereitet." Seine Spieler schlichen wortlos in die Kabine, nur Torwart Ricci klopfte Durica auf die Schulter: "Bitte sag deinem Trainer, er soll beim nächsten Mal nur mit neun Mann antreten." Die Fans von Santo André sangen noch lange nach dem Abpfiff, während die letzten Ordner schon die Bänke stapelten. Sechs Tore, drei verschiedene Torschützen und ein 18-jähriger, der zum neuen Publikumsliebling avanciert - schöner kann ein Fußballabend kaum enden. Vielleicht sollte man aber auch ein Wort des Lobes für Marília übrig haben: Trotz des Debakels spielten sie weiter nach vorn, als ginge es noch um etwas. Und in einer Liga, in der Busparken zum Volkssport geworden ist, ist das immerhin eine Haltung. "Wir haben heute alle was gelernt", sagte Ze Castro beim Verlassen des Stadions. "Ich, dass ich besser Flanken kann, Christiano, dass er Tore schießen kann - und Marília, dass man sich auch bei 0:5 noch wehren darf." Fazit: Ein Abend voller Tore, Ironie und jugendlicher Unbekümmertheit - und ein 6:1, das in Santo André wohl noch eine Weile erzählt werden wird. 27.12.644002 18:48 |
Sprücheklopfer
He, Brrrand, du - du bist doch bolitisch, bist du doch, du Grüner, machst auf sozial und hetzt hier den Schirri gegen uns auf.
Lothar Matthäus im Pokalhalbfinale Bayern gegen Rostock zu Christian Brand: