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Bei Flutlicht und vor 12.500 lautstark frierenden, aber glückseligen Zuschauern hat der SC Kortrijk am Freitagabend den SC Oostende mit 2:1 besiegt. Es war kein glattes Fußballfest, sondern eher ein Arbeitssieg mit Kratzern im Lack - aber einer, der in Erinnerung bleiben wird, nicht zuletzt wegen eines gewissen Detlev Ahrens. Die erste Hälfte verlief, als hätten beide Teams heimlich einen Nichtangriffspakt geschlossen. Kortrijk versuchte, mit offensiver Grundausrichtung und 18 Torschüssen insgesamt das Spiel an sich zu reißen, doch vor der Pause sprang dabei nur heiße Luft heraus. Oostende hielt den Ball länger in den eigenen Reihen - 54 Prozent Ballbesitz sprechen für sich - spielte aber in etwa so zwingend wie ein Sonntagsspaziergang im Nieselregen. "Wir haben uns in der Kabine angeschaut und gesagt: Wenn keiner trifft, machen wir’s halt selbst", grinste später Detlev Ahrens. Gesagt, getan - in der 51. Minute war es der 33‑jährige Mittelstürmer, der einen perfekt getimten Pass von Linksverteidiger Nicolas Voet annahm, sich einmal drehte, und den Ball trocken ins linke Eck setzte. Das Stadion vibrierte endlich so, wie es sich für ein Heimspiel gehört. Doch Oostende antwortete - und zwar genau so, wie man es von einer erfahrenen Truppe erwartet. In Minute 65 schlug Mohamed Schaelles nach Vorarbeit von Barend Osterhoudt zu. Ein Angriff über die rechte Seite, ein kurzer Haken, ein Schuss aus 14 Metern - und schon stand es 1:1. Gästetrainer (dessen Name die Redaktion leider nicht überliefert bekam, aber der in seiner Körpersprache durchaus an einen beleidigten Physiklehrer erinnerte) war da kurz wieder im Spiel. "Wir waren in dem Moment besser, wir hätten das Ding drehen können", knurrte Schaelles anschließend und deutete auf die Anzeigetafel. "Aber dann kam dieser Kerl wieder." Dieser Kerl, das war natürlich wieder Ahrens. In der 75. Minute, fast eine Kopie seines ersten Treffers, wieder nach Zuspiel von Nicolas Voet, drosch er die Kugel unter die Latte. 2:1, die Hütte tobte. "Ich war mir gar nicht sicher, ob der Ball drin war, so laut war’s", lachte Ahrens später in der Mixed Zone. "Aber das Netz hat gezappelt, und das ist ja die Hauptsache." Kortrijk zeigte danach Herz, aber auch Nerven. In der 78. Minute sah Seppe De Bilde Gelb - offenbar, weil er den Ball lieber weggeschlagen als zurückgegeben hatte. Und als er in der Nachspielzeit noch eine übermotivierte Grätsche auspackte, zeigte der Schiedsrichter direkt Rot. "Ich wollte nur den Ball treffen", beteuerte De Bilde mit unschuldigem Augenaufschlag. Trainer und Mitspieler reagierten mit einer Mischung aus Kopfschütteln und Galgenhumor. Ahrens soll ihm in der Kabine zugerufen haben: "Na gut, wenigstens hast du diesmal was getroffen!" Taktisch blieb Kortrijk über 90 Minuten konsequent offensiv, fast trotzig. Kein Pressing, aber viel Mut nach vorn - und das reichte. Oostende spielte ausgeglichen, manchmal zu bedacht, als würde man das Spiel lieber verwalten als gewinnen. Vier Torschüsse sind einfach zu wenig, um ein Auswärtsspiel zu drehen. "Wir hatten mehr Ballbesitz, aber weniger Biss", fasste Oostendes Kapitän Robbe Fiers zusammen. "Kortrijk wollte es mehr, und das hat man gespürt. Wenn Ahrens so weitermacht, wird er in dieser Liga bald den Spitznamen ’Der Uhrmacher’ tragen - weil er immer zur richtigen Zeit trifft." Nach Schlusspfiff feierten die Fans ihr Team, als hätte man schon den Aufstieg klargemacht. Trainer und Spieler klatschten sich ab, und selbst der Platzwart grinste, als er seine Linien neu zog. Ein Reporter fragte Ahrens, was er nach seinem Doppelpack plane. "Erst mal duschen", sagte er trocken. "Und dann ein Bier. Oder zwei." So endete ein Abend, der zeigte, dass Statistik nicht alles ist. 54 Prozent Ballbesitz für Oostende - aber die Punkte blieben in Kortrijk. Und irgendwo auf der Tribüne summte ein Fan zufrieden: "Zwei Tore reichen, wenn der Richtige sie macht." Vielleicht lag er damit gar nicht so falsch. 19.05.643997 05:13 |
Sprücheklopfer
Man muss feststellen, dass der Spruch auch nicht mehr stimmt, dass der Schütze nicht selber schießen soll. Ich stelle fest, dass der Schütze sehr wohl den Elfmeter selber schießt.
Günter Netzer