El Peruano
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Akademische Lehrstunde: Academia Lima zerlegt Sporting Iquitos 4:0

Ein lauer Maiabend im Estadio Max Augustin, 32.000 Zuschauer, tropische Luft und das Gefühl, dass es ein langer Abend für Sporting Iquitos werden könnte. Am Ende wurde es genau das - und zwar einer, den man hier so schnell nicht vergessen wird: Academia Lima gewann am 23. Spieltag der 1. Liga Peru mit 4:0 (3:0) und zeigte Fußball wie aus dem Lehrbuch.

Schon in der 16. Minute begann das Unheil seinen Lauf. Javier Santos, flink wie ein Kolibri, verwertete eine Vorlage von Jukka Hietanen eiskalt. Da stand es 0:1, und die Defensive der Hausherren sah dabei aus, als wäre sie noch im Aufwärmprogramm. "Wir wollten kompakt stehen", erklärte Iquitos-Kapitän Bruno Zabaleta später, "aber offenbar hatten wir unterschiedliche Definitionen von ’kompakt’."

Academia Lima, geführt vom unnachahmlichen Olli Kahn an der Seitenlinie, blieb auf dem Gaspedal. Kahn, der an diesem Abend erstaunlich ruhig wirkte - zumindest für seine Verhältnisse - sah, wie Hietanen nur 18 Minuten nach dem ersten Treffer selbst zuschlug. Nach einer Ecke von Andre Seidel traf der Finne per Direktabnahme zum 0:2. "Ich hab einfach draufgehalten", grinste Hietanen nach dem Spiel. "Olli meinte, ich solle schießen, wenn ich mich traue. Ich glaube, ich darf jetzt öfter schießen."

Wenig später, in der 37. Minute, war dann auch Innenverteidiger Seidel selbst dran. Nach einem Freistoß von Oscar Hathaway stieg er am höchsten und köpfte zum 0:3 ein - ein Tor, das die 47 Prozent Ballbesitz der Gastgeber endgültig bedeutungslos machte. Lima hatte bis dahin 13 Torschüsse abgegeben, Iquitos ganze einen.

In der Pause soll Kahn in der Kabine seiner Mannschaft gesagt haben: "Wir hören erst auf, wenn das Tornetz glüht." Ganz so weit kam es nicht, aber in der 78. Minute sorgte der eingewechselte Iban Quixano noch für den Schlusspunkt. Nach einer butterweichen Hereingabe von Hietanen - der damit an drei Treffern direkt beteiligt war - vollendete der 21-Jährige zum 0:4. "Das war wie ein Trainingsspiel", murmelte ein frustrierter Zuschauer beim Verlassen des Stadions.

Sporting Iquitos dagegen wirkte überfordert, manchmal sogar resigniert. Die jungen Spieler, viele erst 17, wie Martin Adao oder Miika Kuqi, kämpften tapfer, aber gegen die Routine der Gäste war kein Kraut gewachsen. Adao holte sich in der 76. Minute Gelb, offenbar aus purer Verzweiflung, und kurz darauf folgten noch zwei weitere Verwarnungen - Santoyo (77.) und Sa Pint (88.). Trainer Ricardo Gómez - der sich nach Abpfiff weigerte, vor die Kameras zu treten - hatte seine Mannschaft zumindest taktisch ordentlich eingestellt: ausgewogen, kein Pressing, kontrollierter Aufbau. Nur: kontrollieren ließ sich an diesem Abend nichts, was in Rot-Weiß aus der Hauptstadt anrückte.

Die Statistik spricht Bände: 19:2 Torschüsse für Lima, 59 Prozent gewonnene Zweikämpfe, und eine Ruhe am Ball, die fast schon provozierend war. Selbst nach dem Seitenwechsel, als Kahn den erfahrenen Ivan Anicic durch den 17-jährigen Marco Verratti ersetzte, blieb die Dominanz ungebrochen. Verratti, mit wachem Blick und erstaunlicher Gelassenheit, verteilte die Bälle, als hätte er schon 100 Spiele auf dem Buckel.

"Wir wollten zeigen, dass wir mehr sind als nur ein Hauptstadtclub mit schönen Trikots", sagte Kahn nach dem Spiel mit einem süffisanten Lächeln. "Ich denke, das ist uns gelungen. Aber der Torwartwechsel in der Nachspielzeit war reine Fürsorge - Sergio del Rio wollte auch mal wieder Gras unter den Stollen spüren."

Als der Schlusspfiff ertönte, applaudierten sogar einige Iquitos-Fans den Gästen. Es war eine Demonstration, keine Demütigung - denn trotz der vier Gegentore steckte in Sporting Iquitos’ junger Truppe ein Hauch Zukunft. Vielleicht nicht heute, vielleicht nicht morgen. Aber irgendwann.

Ein älterer Herr auf der Tribüne brachte es auf den Punkt: "Wenn du gegen so eine Mannschaft verlierst, verlierst du wenigstens gegen Fußball." Treffender kann man diesen Abend kaum zusammenfassen.

Und Olli Kahn? Der verschwand mit verschränkten Armen Richtung Kabine, murmelte noch etwas von "Mentalität und Präzision" - und man konnte schwören, sein Grinsen war breiter als das Ergebnis selbst.

Endstand: Sporting Iquitos - Academia Lima 0:4 (0:3). Tore: Santos (16.), Hietanen (34.), Seidel (37.), Quixano (78.). Zuschauer: 32.000.
Ein Abend, an dem Fußball eine klare Sprache sprach - und sie kam mit einem deutlichen Akzent aus Lima.

02.03.644000 13:22
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Erich Ribbeck
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