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Es gibt Fußballabende, da hilft kein Mate-Tee, kein Stoßgebet und schon gar kein Heimvorteil auf 3.400 Metern Höhe. Der Freitagabend in Cusco gehörte genau in diese Kategorie. AD Cienciano wollte am 8. Spieltag der 1. Liga Peru eigentlich zeigen, dass die Bergluft Gegnern den Atem raubt - am Ende blieb ihnen selbst die Puste weg. Academia Lima, trainiert vom unnachahmlich ehrgeizigen Olli Kahn, führte die Hausherren vor: 0:5 hieß es nach 90 Minuten, 0:4 schon zur Pause. Die 32.000 Zuschauer im Estadio Garcilaso de la Vega reiben sich noch immer die Augen. "Ich dachte, wir spielen gegen eine Jugendmannschaft", witzelte ein Cienciano-Fan nach dem dritten Gegentor. Ironie des Schicksals: Der auffälligste Mann auf dem Platz war tatsächlich ein Teenager. Der 17-jährige Miguel Beto, ein Mittelstürmer mit Babyface und Killerinstinkt, traf in der 10. und 33. Minute und machte die Hintermannschaft der Roten zum Statistenensemble. "Ich wollte einfach Spaß haben", grinste Beto nach dem Spiel schüchtern, "und der Ball wollte wohl auch rein." Zwischen Betos Doppelschlägen donnerte Innenverteidiger Ignjac Babic einen Kopfball zum 0:2 in die Maschen (13.). Drei Minuten später erhöhte Inigo Jorge nach feinem Zuspiel von Joaquin Gutierrez auf 0:3 - und der Heimblock verstummte. "Wir haben kurz überlegt, ob wir überhaupt weiterspielen sollen", gestand Ciencianos Routinier Helmut Schmitz später halb im Scherz. "Aber dann fiel uns ein, dass das Fernsehen ja noch Werbung gebucht hatte." Academia Lima spielte in der ersten Halbzeit wie auf Schienen: 22 Torschüsse gesamt, 52,7 Prozent Ballbesitz, Passspiel wie aus dem Lehrbuch. Kurze Kombinationen, keine Hektik, kein wildes Pressing - einfach Fußball mit Struktur. "Wir wollten zeigen, dass man auch in der Höhe flach spielen kann", erklärte Trainer Kahn mit diesem bekannten Torwartfunkeln in den Augen. Und auf die Frage, ob er stolz auf das 17-jährige Supertalent sei, antwortete er trocken: "Wenn man trifft, macht man keinen Fehler. Wenn man nicht trifft, schon." Cienciano mühte sich, ohne je wirklich gefährlich zu werden. Drei magere Torschüsse, davon einer halbwegs ernsthaft, als Jorge Rueda in der 37. Minute aus spitzem Winkel scheiterte. Torwart Luis Enriquez im Tor der Gäste hätte in dieser Szene fast gegähnt - zumindest sah es so aus. Nach der Pause nahm Lima etwas Fahrt raus, vielleicht aus Mitleid oder schlicht Effizienzgründen. Der junge Javier Santos legte in Minute 57 noch das fünfte Tor nach, wieder nach Vorlage von Gutierrez, der auf der rechten Seite eine Dauerlaufvorstellung bot. Danach wurde gewechselt, getrickst, gelächelt. Babic, der Torschütze zum 0:2, durfte zur Pause duschen; für ihn kam Javier Sa Pint, der prompt in seiner ersten Aktion einen Fehlpass spielte und dafür vom Trainer lautstark "motiviert" wurde. Ganz ohne Makel blieb das Spektakel nicht: Drei Gelbe für Lima - Uusimäki (40.), Gutierrez (59.) und Berg (76.) - zeigten, dass selbst in einem Spaziergang manchmal der Fuß zu hoch steht. Kahn kommentierte das mit einem süffisanten "Wenn du 5:0 führst, darfst du auch mal ein Zeichen setzen." Im Schatten der Demütigung suchte Cienciano-Coach - dessen Name der Statistik zufolge nicht überliefert wurde, aber der vermutlich starke Nerven hat - nach Worten: "Wir wollten kompakt stehen. Leider standen wir meistens neben dem Gegner." Seine Spieler saßen nach Abpfiff minutenlang auf dem Rasen, als wollten sie das Ergebnis in den Boden drücken. Für Academia Lima war es ein Abend zum Feiern - und zum Staunen. Zwei Teenager (Beto, 17, und Verratti, 18) auf dem Platz, ein Durchschnittsalter, das jedem U21-Trainer Freudentränen beschert hätte, und eine Spielanlage, die an europäische Eleganz erinnerte. "Vielleicht liegt’s am Trainer", flachste Santos, "der verlangt, dass wir auch im Schlaf Pässe spielen." Am Ende verließen die Gäste den Platz unter Applaus - auch der Heimfans. Cusco hatte genug gesehen, um anzuerkennen: Hier war eine Mannschaft zu Gast, die Fußball zelebriert. Und irgendwo in der Kabine, so erzählen es Zeugen, soll Olli Kahn in die Runde gebrüllt haben: "Weiter so, Männer - aber das nächste Mal will ich sechs!" Ein Satz, der in Cusco vermutlich noch lange nachhallt. 08.01.644003 05:22 |
Sprücheklopfer
In diesem Drecksspiel hätte ich zehn Akteure auswechseln können.
Felix Magath