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Es war einer dieser Abende, an denen Atletico Saprissa alles versucht, aber nichts gelingt - und CD Alajuela mit zwei blitzsauberen Treffern die Nerven behält. 24.935 Zuschauer im Estadio Ricardo Saprissa erlebten beim 15. Spieltag der 1. Liga Costa Rica ein 0:2, das in seiner Schlichtheit fast poetisch wirkte: viel Aufwand, null Ertrag auf Seiten der Hausherren. Schon in den ersten Minuten deutete sich an, dass das Spiel kein gemütlicher Montagabendspaziergang werden würde. Nach vier Minuten prüfte Alajuelas Julian Santos den Heimkeeper Diego Bermudo erstmals mit einem satten Schuss - ein Vorgeschmack auf das, was kommen sollte. Saprissa antwortete umgehend: Vincent Santos und der 17-jährige Jorge Varela scheiterten mehrfach an Alajuelas Schlussmann Jorge Linares, der mit einer Mischung aus jugendlichem Leichtsinn und übermenschlicher Reaktionsschnelligkeit glänzte. "Ich dachte irgendwann, der Ball will einfach nicht über die Linie", stöhnte Saprissas Kapitän Oscar Camara nach Abpfiff. "Vielleicht hätte ich einfach die Augen zumachen und hoffen sollen." Ein Satz, der die Stimmung im Lager der Heimelf perfekt zusammenfasst. Während Saprissa anlief und anlief, wartete Alajuela ab - ruhig, abgeklärt, fast gelangweilt. Dann, in der 24. Minute, der erste Nadelstich: Rechtsverteidiger Paulo Ximenez bediente Yuval Naot mit einem langen Ball, der israelische Flügelstürmer nahm ihn technisch sauber mit und nagelte das Leder zum 0:1 ins Netz. Die Bank der Gäste explodierte - Trainer Fritz Brause, sonst eher stoisch, riss die Arme hoch wie ein Mann, der gerade das Rezept für ewiges Glück gefunden hat. Saprissa schien kurz geschockt, fand dann aber zurück in den Rhythmus. Chancen im Minutentakt: Vitorino Acevedo (37.), Michael Kuzmanovic (39.), Oscar Camara (34.) - alle scheiterten. Statt des Ausgleichs kam der zweite Schlag. In der 36. Minute flankte der 18-jährige Asier Mocana von rechts, und Martin Fukal köpfte wuchtig ins lange Eck. 0:2. Eiskalt. "Ich hab einfach die Augen zugemacht", grinste Fukal später. "War wahrscheinlich besser so." Trainer Jna Jna (ja, so steht es wirklich auf der Teamliste) wirkte an der Seitenlinie, als überlege sie, ob sie gleich den Ball selbst ins Tor tragen sollte. "Wir haben alles richtig gemacht - bis auf das Toreschießen", sagte sie nachher trocken. "Aber das ist ja bekanntlich nur der unwichtigste Teil des Spiels." Ein Satz, der mit einem schiefen Lächeln begleitet wurde, das zwischen Galgenhumor und Verzweiflung schwankte. Statistisch gesehen hätte Saprissa mindestens einen Punkt verdient. 16 Torschüsse gegenüber 12 der Gäste, 50 Prozent Ballbesitz, sogar leicht bessere Zweikampfquote - aber Fußball bleibt, was er immer war: ein unberechenbares Spiel, das keine Gerechtigkeit kennt. Alajuela spielte taktisch abgeklärt, ließ Saprissa machen und schlug nur zu, wenn es wirklich Sinn ergab. In der zweiten Halbzeit wurde es zu einem Festival des "Beinahe". Varela traf in der 78. Minute nur das Außennetz, Camara setzte in der 80. Minute einen Freistoß knapp über die Latte, und selbst die Fans, sonst euphorisch, begannen zu lachen, wenn wieder ein Ball am Tor vorbeiflog. "Vielleicht sollten wir ein Eishockeyteam gründen", rief einer von der Tribüne. "Da zählt ja auch, wer öfter daneben schießt!" Alajuela dagegen verwaltete den Vorsprung mit der Gelassenheit eines Teams, das genau weiß, was es tut. Kein wildes Pressing, kein hektisches Verteidigen - einfach solide, balanciert, unspektakulär. In der 85. Minute stand Trainer Brause entspannt am Spielfeldrand und diskutierte mit seinem Co-Trainer offenbar über das Catering im Mannschaftsbus. Nach Abpfiff grinste er: "Manchmal reicht einfach Geduld. Wir haben keine Raketen gezündet, nur zwei Tore geschossen. Das genügt." Saprissa kassierte noch zwei Gelbe Karten (Juan Roi in der 40., Camara in der 61.), sinnbildlich für einen Abend, an dem der Frust langsam durchsickerte. Die jungen Wilden - Varela und Zaera, beide 17 - kämpften bis zum Schluss, aber der Ball wollte nicht rein. So blieb es beim 0:2, das für Alajuela drei Punkte bedeutet und für Saprissa eine bittere Erkenntnis: Ballbesitz kann schön aussehen, aber Tore schießen die anderen. Als die Spieler in die Kabine gingen, rief ein Fan: "Kopf hoch, Jungs, das nächste Mal schießt ihr wenigstens aufs richtige Tor!" - und sogar Camara musste lachen. Ein Abend zwischen Tragik und Komik, zwischen verzweifeltem Anrennen und kaltschnäuziger Effizienz. Oder, wie Trainer Brause es später im Presseraum formulierte: "Wir hatten heute einfach das Glück, dass die anderen kein Glück hatten." Treffender kann man ein 0:2 kaum zusammenfassen. 22.04.643994 12:52 |
Sprücheklopfer
Das Unmögliche möglich zu machen wird ein Ding der Unmöglichkeit.
Andreas Brehme