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Albion stolpert, Cerrense tanzt: Effizienz schlägt Ballbesitz

Es war einer dieser Abende im Estadio de Albion, an denen 33.469 Zuschauer sich fragten, ob Ballbesitz allein schon Tore zählt. Atletico Albion hatte zwar mehr vom Spiel - aber CD Cerrense hatte die Tore. 0:2 hieß es am Ende, und das Ergebnis fühlte sich für die Gastgeber genauso bitter an, wie die Statistik es bestätigt: 51,7 Prozent Ballbesitz, vier magere Torschüsse - und kein einziger Treffer. Cerrense hingegen kam auf 20 Abschlüsse, zwei davon saßen.

Schon vor dem Anpfiff war die Stimmung aufgeheizt. "Heute zeigen wir, dass wir mehr können als hübsch kombinieren", hatte ein selbstbewusster Albion-Fan vor dem Stadion angekündigt. Er sollte sich irren.

Die Partie begann flott, und bereits in der 10. Minute setzte José Silva das erste Ausrufezeichen für die Hausherren - sein Schuss aus der Distanz strich knapp über die Latte. Albion wirkte engagiert, Cerrense dagegen abgeklärt. Ihr Trainer, Leahcim Gnipeur, stand regungslos an der Seitenlinie, die Hände in den Taschen, als wolle er sagen: "Lasst sie ruhig laufen, wir warten auf unsere Chance."

Und die kam. In der 26. Minute. Nach einem präzisen Pass von Ruben Benitez tauchte Nael Marques rechts im Strafraum auf und versenkte den Ball trocken ins lange Eck - 0:1. Albion-Keeper Nelson Diaz war chancenlos, und die Cerrense-Fans auf der Gegengeraden jubelten, als hätten sie gerade die Meisterschaft gewonnen.

Albion wackelte, fing sich aber. Bruno Turcotte und Adrian Da Cru versuchten über die Flügel Druck zu machen, doch Cerrenses Abwehr um den kompromisslosen Hans Jakobsen hielt stand - auch wenn der sich schon nach acht Minuten Gelb abgeholt hatte. "Ich wollte nur Hallo sagen", grinste er nach dem Spiel mit einem Augenzwinkern.

Bis zur Pause blieb es beim 0:1, und Albion-Coach (dessen Name die Presseabteilung merkwürdigerweise nicht nennen wollte) dürfte in der Kabine lauter geworden sein. Doch kaum war die zweite Hälfte angepfiffen, da traf Cerrense erneut - und diesmal in schönster Kombination: Gerd Vilhelmsen flankte von links, Joao Gomes nahm den Ball am Strafraumrand direkt und traf in der 49. Minute zum 0:2. "Das war wie im Training - nur dass es da meist daneben geht", lachte Gomes später.

Von da an spielte Cerrense mit der Souveränität eines Teams, das wusste, dass es den Gegner im Griff hatte. Albion lief an, aber ideenlos. Elias Jansen schoss aus 25 Metern (weit vorbei), Lionel Simao rannte sich fest, und selbst der sonst so gefährliche Da Cru fand kein Durchkommen.

Während Cerrense geschickt konterte, wirkte Albion wie ein Auto mit angezogener Handbremse - viel Motorengeräusch, aber kein Vortrieb. Gnipeur wechselte clever: Andrade kam für Benitez (66.), Meira für den Torschützen Marques (64.) - frische Beine, gleiche Stabilität. Albion dagegen blieb beim Alten - im wahrsten Sinne des Wortes.

In der Schlussphase wurde es noch einmal hitzig: Gerd Vilhelmsen sah in der 86. Minute Gelb, und kurz darauf holte sich auch Albions Rechtsverteidiger Luís Yago seinen Karton ab - sein Frustfoul war sinnbildlich für das Spiel seiner Mannschaft. "Wir hatten den Ball, sie die Tore", murmelte er später in der Mixed Zone.

Cerrense hätte sogar noch erhöhen können - Ryan Skene und Sean MacPhee vergaben mehrfach aus guter Position. Doch das 0:2 reichte, um Albion endgültig zu entzaubern.

"Das war ein Sieg der Disziplin", sagte Gnipeur nach der Partie. "Unsere Jungs haben intelligent verteidigt und eiskalt zugeschlagen." Albion-Trainerkollege, sichtlich bemüht um Fassung, konterte trocken: "Manchmal ist Fußball eben ungerecht - heute war er grausam."

Die Zahlen untermauern das: Cerrense gewann 56,2 Prozent der Zweikämpfe, war lauffreudiger, robuster, schlicht effizienter. Albion hatte zwar mehr Ballbesitz, aber weniger Ideen - und das Publikum quittierte die Leistung mit höflichem, aber enttäuschtem Applaus.

Ein älterer Fan fasste es beim Verlassen des Stadions zusammen: "Wir haben schön gespielt, aber die anderen haben gewonnen - wie immer."

So klettert Cerrense mit diesem Sieg in der Tabelle der 1. Liga Uruguay still, aber stetig nach oben, während Albion weiter auf der Suche nach der verlorenen Durchschlagskraft bleibt.

Vielleicht sollte man beim nächsten Heimspiel weniger auf Ballbesitz und mehr auf Tore setzen - die zählen nämlich immer noch doppelt so viel wie schöne Pässe.

23.06.643997 00:15
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