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Es gibt Spiele, die man am liebsten schnell vergisst - und dann gibt es solche, die sich unauslöschlich einbrennen, weil sie so gar nicht laufen, wie man es sich vorgestellt hatte. Für Alianza Sullana war der 16. Spieltag der 1. Liga Peru definitiv ein Fall der zweiten Kategorie. Vor 27.000 Zuschauern im heimischen Stadion unterlag das Team aus Sullana klar und deutlich mit 0:3 gegen eine glänzend aufgelegte Mannschaft von Academia Lima, die unter Trainer Olli Kahn fast schon maschinenhaft präzise agierte. Dabei begann der Abend gar nicht so schlecht für die Gastgeber. Sie hatten mehr Ballbesitz - rund 53 Prozent - und versuchten, das Spiel mit gepflegtem Kurzpassspiel zu ordnen. Doch was nützt Ballbesitz, wenn man damit nichts anfangen kann? Genau das dürfte sich Trainer und Anhang mehrfach gefragt haben. Nur ein einziger Torschuss fand den Weg auf das Gehäuse von Limas Torhüter Luis Enriquez. Der hatte einen ruhigen Abend und nutzte die Zeit offenbar, um sich über die neuen Torwart-Handschuhmodelle Gedanken zu machen. Ganz anders die Gäste. Schon in den ersten Minuten prüfte Ivan Anicic den Keeper von Sullana mit einem Distanzschuss, und das war nur der Auftakt zu einem Feuerwerk: 23 Torschüsse, davon viele brandgefährlich. Besonders auffällig: Christiano Meireles, der Rechtsaußen der Academicos, war kaum zu bändigen. In der 40. Minute tauchte er nach einem langen Ball von Innenverteidiger Andre Seidel frei vor dem Tor auf und vollstreckte eiskalt - 0:1, die verdiente Führung. "Ich habe einfach gespürt, dass der Moment reif war", grinste Meireles nach dem Spiel. "Andre hat den Ball perfekt gespielt - ich musste nur noch Danke sagen." Sein Trainer Kahn kommentierte trocken: "Das war kein Zufall, das war Training. Christiano schießt im Training ohnehin aus jeder Lage - diesmal eben ins Tor." Wer dachte, die Pause würde Sullana helfen, irrte. Kaum hatte die zweite Halbzeit begonnen, klingelte es erneut. Wieder war es Meireles, diesmal nach feinem Zuspiel des erst 17-jährigen Marco Verratti (nein, nicht der italienische Namensvetter, sondern Limas jugendlicher Spielmacher). In der 47. Minute setzte er den Ball aus spitzem Winkel in die lange Ecke - 0:2. Die Fans von Alianza Sullana wirkten konsterniert, einige schauten schon nach dem Weg zur Bar. Und das, obwohl ihre Mannschaft nach außen hin weiter offensiv blieb. Auf dem Papier spielte sie "offensiv mit ausgewogener Angriffsausrichtung", wie die Analysten sagen würden. In der Realität sah das jedoch eher nach hilflosem Anrennen aus. Einziger Lichtblick: In der 46. Minute hatte Vlassis Ninis tatsächlich den einzigen Schuss aufs Tor - ein harmloser Roller, den Enriquez mit einem Gähnen aufnahm. In der Schlussphase kam es dann, wie es kommen musste: Nach einem Doppeltausch bei Lima - unter anderem kam der junge Jordi Roy für den ausgepowerten Meireles - legte sich die Mannschaft noch einmal ins Zeug. In der 83. Minute bediente Pedro Yago seinen Kumpel Paulo Benito, der trocken zum 0:3 einschob. "Pedro hat mir vorher gesagt: Lauf einfach - ich finde dich schon", erzählte Benito hinterher mit einem breiten Grinsen. "Er hat Wort gehalten." Kurz darauf sah Benito noch Gelb, weil er beim Torjubel etwas zu überschwänglich in Richtung Heimkurve wedelte. "Naja, Emotionen gehören dazu", meinte Olli Kahn später mit seinem typischen, leicht genervten Gesichtsausdruck. "Ich war auch mal Torwart, ich weiß, was das bedeutet, wenn du dauernd Bälle aus dem Netz holen musst." Alianza-Trainer - der Name blieb an diesem Abend ungenannt, vielleicht aus Selbstschutz - verzichtete nach dem Spiel auf große Worte. Einer seiner Spieler, Mittelfeldroutinier Andres Alvarez, fasste die Stimmung treffend zusammen: "Wir hatten den Ball, sie hatten die Tore. So einfach ist Fußball manchmal - leider." Die Statistik spricht ohnehin Bände: 1:23 Torschüsse, 40 Prozent gewonnene Zweikämpfe, und trotz des größeren Ballbesitzes keine echte Torchance. Selbst die Sonne über Sullana schien sich irgendwann auf die Seite der Gäste zu schlagen. Am Ende blieb den Heimfans nur der Applaus für den Gegner - und die Hoffnung, dass man nächste Woche weniger höflich mit dem Gegner umgeht. Olli Kahn hingegen verschwand mit einem zufriedenen Nicken in den Katakomben. "Drei Tore, kein Gegentor, 17 Jahre alter Vorlagengeber - was will man mehr?" murmelte er. Ein bitterer Abend für Alianza Sullana, ein perfekter für Academia Lima - und ein weiterer Beweis dafür, dass Fußball manchmal eben kein Spiel der Ballbesitzstatistik ist, sondern der Effizienz. Oder, wie es ein älterer Fan auf der Tribüne zusammenfasste: "Wir hatten den Ball - aber die anderen hatten Spaß." 30.11.643999 23:15 |
Sprücheklopfer
Wir hatten viele Verletzte, aber das soll den Sieg der Freiburger in keinster Weise schmeicheln.
Andreas Brehme