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Ein lauer Frühsommerabend am Comer See, 36.000 Zuschauer, ein pickepackevolles Stadio Sinigaglia - und am Ende ein einziger Moment, der alles entschied. Gela entführte beim 3. Spieltag der 1. Liga Italien mit einem knappen, aber verdienten 1:0-Erfolg alle drei Punkte aus Como. Torschütze des Abends war Tiago Almeida, der kurz vor der Pause das Tor des Tages erzielte - eiskalt, präzise, gnadenlos. Dabei hatte alles so verheißungsvoll für die Gastgeber begonnen. Schon nach zwei Minuten prüfte Gianfranco Fuscaldo den gegnerischen Keeper Albert Valente mit einem beherzten Schuss aus spitzem Winkel. "Ich dachte, der Ball sei drin - zumindest halb", sagte Fuscaldo später mit einem schiefen Grinsen. Doch der Ball strich haarscharf am langen Pfosten vorbei, und das sollte symptomatisch für Comos Abend werden: viel Ball, wenig Ertrag. Denn statistisch gesehen hatte Como mit 53 Prozent Ballbesitz die Partie durchaus im Griff. Nur: Gela machte damit schlicht mehr. Während die Hausherren sich im Mittelfeld die Kugel zuschoben, fuhren die Gäste Angriff um Angriff. 15 Torschüsse verbuchte die Statistik für die Elf von Trainer Michael Müller - ganze zwölf mehr als Como. "Wir wollten nicht schön spielen, sondern gewinnen", grinste Müller nach Abpfiff, ein Mann, der offenbar lieber Taten statt Pässe zählen lässt. Der entscheidende Moment kam in der 45. Minute. Gelas Innenverteidiger Tahsin Caliskan eroberte im Mittelfeld resolut den Ball, spielte einen butterweichen Pass in die Tiefe, und Tiago Almeida startete genau im richtigen Moment. Ein kurzer Blick, ein Schuss - und Comos Keeper Samuel Hiliard streckte sich vergeblich. 1:0, und das Stadion verstummte für einen Herzschlag lang. Almeida rannte jubelnd in Richtung Gästeblock, schlug sich auf die Brust, und rief - laut eigener Aussage - "Für meine Tochter!" Ein Hauch Pathos, ein Hauch Hollywood, mitten in der Lombardei. Nach der Pause versuchte Como, das Spiel an sich zu reißen, aber Gela blieb gefährlich. György Miriuta und Gawriil Tregubow hatten Chancen im Minutentakt, während Comos Defensive phasenweise wackelte wie ein Espresso auf der Vespa. "Wir haben uns zu oft hinten reindrängen lassen", räumte Comos erfahrener Innenverteidiger Sebastien Marley ein. "Aber wenigstens war das Sonnenuntergangslicht schön." In der 57. Minute sah der junge Maurizio Beltrame Gelb - sein rustikaler Einsatz an der Seitenlinie zeigte, dass Como den Kampf noch nicht aufgegeben hatte. Später folgte auch Kollege Filippo Cerutti mit einer Verwarnung. Doch Gelas Verteidiger Caliskan und Dominguez revanchierten sich in der Schlussphase ebenfalls mit Gelb. Es war kein böses Spiel, aber eines, in dem der Schiedsrichter sicherheitshalber lieber einmal zu oft griff. Trainer Müller reagierte clever: In der 75. Minute brachte er Javier Deco für Ignacio Barbosa, um die rechte Seite zu stabilisieren. Später kamen Vitorino Postiga und Jozef Kona ins Spiel - frische Beine, die den knappen Vorsprung über die Zeit bringen sollten. Es funktionierte. "Ich habe einfach gesagt: Jungs, denkt an den Bus - der fährt nur mit drei Punkten", witzelte Müller später in der Mixed Zone. Como versuchte in den letzten Minuten alles. In der 90. Minute hatte Fuscaldo noch einmal die große Chance, aber Valente fischte den Ball aus dem Winkel wie ein italienischer Catfish. Danach war Schluss, und die Gela-Spieler fielen sich jubelnd in die Arme. "Wir haben heute Lehrgeld bezahlt", meinte Comos Trainer (der lieber ungenannt bleiben wollte) sarkastisch. "Zumindest wissen wir jetzt, dass Ballbesitz keine Währung ist." Für Gela hingegen war es der zweite Sieg im dritten Spiel - und ein Zeichen, dass mit diesem Team in dieser Saison zu rechnen ist. Almeida durfte sich als gefeierter Held feiern lassen, während die Como-Fans mit gemischten Gefühlen in die Nacht am See hinauszogen. Am Ende blieb der Eindruck eines Spiels, das eher von Effizienz als von Eleganz lebte. Gela spielte nüchtern, zielstrebig, und das reichte. Como spielte gefällig, aber harmlos - und das war zu wenig. Wie sagte ein älterer Herr auf der Tribüne beim Hinausgehen: "Das war kein Fußballfest - aber wenigstens hat der See nicht verloren." Ein Satz, der wohl auch in der Kabine von Como für ein bitteres Lächeln gesorgt haben dürfte. 03.09.644000 20:52 |
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Erich Ribbeck