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Cali - 25.408 Zuschauer im Estadio Olímpico Pascual Guerrero sahen am Freitagabend ein Fußballspiel, das man in Kolumbien so oft schon zu kennen glaubt: ein früher Schock, viel Geduld, und am Ende der laute Jubel der Gastgeber. Americano Cali gewann zum Auftakt der neuen Saison der "1. Liga Kolumbien" mit 2:1 gegen Nacional Medellin - und das nach einem Rückstand, der so früh kam, dass viele Fans noch mit ihrem Empanada beschäftigt waren. Gerade einmal vier Minuten waren gespielt, als Pau Futre, der flinke Rechtsaußen der Gäste, nach einem Pass von Radostin Asparuchow die Cali-Abwehr schwindlig spielte und den Ball trocken ins rechte Eck setzte. "Ich dachte, der Ball sei schon draußen", murmelte Cales Trainer Raphael Mö später mit einem halb gequälten, halb amüsierten Lächeln. "Aber Futre hat halt andere Pläne." In der Folge dominierte Americano Cali - zumindest statistisch. 17 Torschüsse, 53 Prozent Ballbesitz, eine Zweikampfquote, die jeden Analysten zufriedenstellt (55,9 Prozent). Nur das Zählbare fehlte. Joaquin Custodio, der Mittelstürmer mit dem Selbstbewusstsein eines Rockstars, schoss in der ersten halben Stunde allein fünfmal aufs Tor, aber immer fand er in Nacional-Keeper Jorge Calvente seinen Meister. Die Zuschauer stöhnten, lachten, fluchten - und eine ältere Dame auf der Tribüne rief irgendwann: "Mach doch mal einen mit dem Kopf, Niño!" Nach dem Seitenwechsel brachte Mö frischen Wind: Der 20-jährige Lionel Messi (nicht jener, sondern ein Namensvetter aus Cali, der das Trikot mit Stolz trägt) kam für Silvestre Barros. "Er hat gesagt, er will zeigen, dass der Name verpflichtet", grinste Mö später. Tatsächlich wirbelte der junge Messi über rechts, brachte Tempo, und plötzlich schien Nacional ins Wanken zu geraten. Doch bevor Cali richtig Fahrt aufnehmen konnte, wurde das Spiel ruppig. In der 66. Minute sah Medellíns Innenverteidiger Thomas Sommer glatt Rot, nachdem er Custodio an der Strafraumkante zu Boden riss. "Ich hab den Ball gespielt", protestierte Sommer, während das Publikum ihm mit gellenden Pfiffen den Weg in die Kabine wies. "Ja, aber leider den falschen", kommentierte Raphael Mö trocken. Nur eine Minute später kassierte Cales Linksverteidiger Sasa Seric Gelb - offenbar, um die Kartenbilanz wieder auszugleichen. Doch Americano ließ sich davon nicht beirren. In der 73. Minute war es endlich so weit: Juan Suero schickte Custodio steil, der ließ Calvente diesmal keine Chance und traf zum 1:1. Das Stadion explodierte - und Custodio rief mit einem breiten Grinsen Richtung Tribüne: "Habt ihr’s gesehen, Señora? Mit dem Fuß geht’s auch!" Nacional wirkte danach wie ein Boxer, der auf wackligen Beinen steht. In Unterzahl versuchten sie, das Ergebnis zu halten, spielten aber weiter auf Konter. Trainer Özkan Kaplan gestand später: "Wir wollten eigentlich kompakt stehen, aber meine Jungs haben sich wohl gedacht: Angriff ist die beste Verteidigung." Cali drückte weiter, und in der 84. Minute fiel die Entscheidung: Enrique de Freitas flankte butterweich von rechts, Gabri Delgado nahm den Ball direkt - 2:1! Delgado riss die Arme hoch, rannte zur Eckfahne und verschwand fast im Jubel seiner Mitspieler. "Ich hatte das Gefühl, der Ball fliegt ewig", sagte er später. "Aber dann - Boom! - war er drin." Die letzten Minuten gehörten den Gastgebern, die das Spiel souverän zu Ende brachten. Delgado hätte in der Nachspielzeit sogar noch erhöhen können, doch sein Schuss in der 91. Minute zischte knapp am Pfosten vorbei. Raphael Mö zeigte sich nach Abpfiff gelassen: "Wir wussten, dass wir mehr Körner haben. Die Jungs haben das Herz auf dem Platz gelassen - und ein bisschen Technik war auch dabei." Sein Gegenüber Kaplan hingegen sprach von "Lehrgeld" und "unnötiger Selbstüberschätzung nach dem frühen Tor". Fazit: Americano Cali startete mit einer Mischung aus Leidenschaft, Geduld und Nachdruck in die neue Saison. Nacional Medellin dagegen wird sich fragen müssen, warum man nach einem Traumstart so den Faden verlor. Oder, wie ein Zuschauer beim Verlassen des Stadions lachend sagte: "Cali fängt halt erst an zu spielen, wenn’s wehtut." Und wer das Spiel gesehen hat, der wusste: Es tat - aber am Ende nur Medellin. 11.08.644000 15:18 |
Sprücheklopfer
Mir ist ein Felsen vom Körper gefallen.
Rainer Calmund