Noticiero VeneVision
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Aragua FC siegt nach Offensiv-Feuerwerk 3:2 gegen Sporting Petare

Ein lauer Abend in Maracay, aber auf dem Rasen des Estadio Olímpico de la UCV brannte die Luft. 52.149 Zuschauer sahen ein Spiel, das weniger mit Taktik als mit purer Lust am Chaos zu tun hatte: Aragua FC besiegte Sporting Petare mit 3:2, und wer dabei nicht mindestens einmal laut aufgelacht oder den Kopf geschüttelt hat, war vermutlich Schiedsrichter.

Schon nach einer Viertelstunde war klar, dass das nichts für schwache Nerven werden würde. Sporting Petare, vom stets grimmig blickenden Marcel Skupzig trainiert, begann mutig und aggressiv. Bereits in der 9. Minute musste er jedoch umstellen: Innenverteidiger Silvestre Domingos knickte unglücklich um, Oscar Stack kam - und wurde danach mehr mit Damian Santos’ Antritten als mit dem Ball beschäftigt. "Ich hab gedacht, der rennt bis ins nächste Viertel", seufzte Stack später.

Das erste Tor fiel nach 25 Minuten: Joseba Futre, Petares bulliger Mittelstürmer, traf nach Vorlage von Jake Long zum 0:1. Ein klassischer Futre-Moment - kraftvoll, wuchtig, ein bisschen ungehobelt. Claire Werk, Araguas Trainerin, trommelte an der Seitenlinie mit den Fingern auf ihre Notizmappe. "Wir waren einfach zu höflich. Ich hab den Jungs gesagt: Es ist Fußball, kein Tanzkurs", verriet sie später mit einem Grinsen.

Und die Worte wirkten. Nur 14 Minuten später jagte Damian Santos, der Wirbelwind auf rechts, den Ball nach Pass von Adriano Vico ins Netz - 1:1. Kaum hatten sich die Zuschauer wieder gesetzt, traf Florian Sonntag in der 40. Minute per flachem Linksschuss zum 2:1. Christophe Belanger hatte ihn mustergültig bedient. "Ich hab den Ball gesehen und gedacht: Na gut, probier’s halt mal", lachte Sonntag.

Doch Petare schlug zurück. Noch vor der Pause glich Jake Long zum 2:2 aus, nach schöner Vorlage von Samuel Almond. Das Stadion schwankte zwischen Jubel und Fassungslosigkeit - eine erste Halbzeit wie ein Rockkonzert ohne Pausenknopf.

Nach dem Seitenwechsel blieb es wild. Aragua stellte auf noch offensiver um, presste höher, und das Risiko zahlte sich aus: In der 57. Minute war es wieder Santos, der von Verteidiger Francisco Dominguez in Szene gesetzt wurde und trocken zum 3:2 traf. Ein Doppelschlag des 23-Jährigen, der nach dem Spiel frech meinte: "Ich hatte heute einfach Bock. Und Claire hat versprochen, dass ich beim nächsten Training keine Sprints machen muss." Werk bestätigte das augenzwinkernd: "Na gut, vielleicht nur halbe Sprints."

Petare stemmte sich gegen die Niederlage. Futre prüfte Torwart Johann Cartier mehrmals (76., 77., 84. Minute), doch Cartier, sonst eher der stille Typ, brüllte nach jeder Parade: "Nicht mit mir, Jungs!" Man hörte es bis zur Pressetribüne.

Statistisch gesehen hätte Petare sogar leicht mehr verdient: 12 Torschüsse gegenüber 10, etwas mehr Ballbesitz (52 zu 48 Prozent). Aber Fußball ist eben kein Excel-Sheet. "Wir haben mehr aufs Tor geschossen, aber weniger reingemacht. Ich nenne das: Den Ball nicht mögen", kommentierte Skupzig trocken.

In den Schlussminuten wechselte Werk noch einmal defensiv: Kian Hiliard kam für den ausgepumpten Dominguez. Aragua rettete das Ergebnis mit allem, was Beine hatte. Selbst der Balljunge an der Seitenlinie wollte offenbar mit verteidigen.

Als der Schlusspfiff ertönte, fielen sich Spieler und Trainerin in die Arme. Werk atmete tief durch: "Das war kein Spiel für Herzpatienten. Aber genau so liebe ich es."

Damian Santos wurde natürlich zum Mann des Abends gewählt. Auf die Frage, wie er seine zwei Tore beschreiben würde, antwortete er mit einem breiten Grinsen: "Kurz, knackig, entscheidend. So wie mein Haarschnitt."

Petare verließ das Feld enttäuscht, aber nicht gebrochen. Skupzig versprach: "Wir kommen wieder. Vielleicht nicht morgen, aber übermorgen ganz sicher."

So endete ein 3:2, das weniger an kontrollierten Spitzenfußball erinnerte als an eine wilde Achterbahnfahrt. Aragua FC bleibt damit oben dran in der 1. Liga von Venezuela - mit einem Trainerteam, das Humor hat, und einem Offensivduo, das offenbar keine Lust auf Langeweile kennt.

Und wer an diesem Abend im Stadion war, wird sich noch lange an dieses Spiel erinnern - oder zumindest an Santos’ zweiten Treffer, bei dem selbst die Ersatzspieler aufsprangen und riefen: "Gib ihm, Damian!"

Mit einem Augenzwinkern lässt sich sagen: Taktisch war das vielleicht kein Lehrstück - aber wer braucht schon Lehrbücher, wenn man Unterhaltung pur bekommt?

03.05.643994 23:47
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