// Startseite
| Sport-Blick |
| +++ Sportzeitung für Schweiz +++ |
|
|
|
Es war ein lauer Frühsommerabend am Lago Maggiore, aber auf dem Rasen des Stadio Comunale von Ascona ging es heiß her. 5.131 Zuschauer sahen, wie der FC Ascona am Dienstagabend den Gast aus Portalban mit 3:0 (0:0) besiegte - und das mit einer Mischung aus jugendlicher Unbekümmertheit und taktischer Cleverness, die Trainer Rainer Zufall sichtlich stolz machte. "Ich hab den Jungs in der Pause gesagt: Wenn ihr weiter so nett seid, ladet sie gleich noch auf ein Eis ein!", grinste Zufall nach dem Spiel. Offenbar kam die Botschaft an. Nach einer torlosen ersten Hälfte, in der Ascona zwar gefällig kombinierte, aber die Kugel einfach nicht über die Linie brachte, explodierte das Spiel nach dem Seitenwechsel. Die erste Halbzeit war eine Ansammlung von "Fast"-Momenten: Pascal Schäfer köpfte knapp vorbei (3.), der junge Mike Kluge prüfte Portalbans Torhüter Berndt Doucet gleich mehrfach, und Mittelfeldmann Andrea Magisano zog gefühlt aus jeder denkbaren Lage ab. 25 Schüsse aufs Tor standen am Ende zu Buche - ein Statement. Doch Doucet hielt, was zu halten war, und Portalban verteidigte mit allem, was Beine hatte. Einziger Aufreger vor der Pause: Thierry Ernst sah Gelb, nachdem er Asconas Desjardins etwas zu rustikal stoppte. "Wir wollten kompakt stehen und auf Konter lauern", erklärte Portalbans Coach (der seinen Namen nicht so gerne in Schlagzeilen liest) hinterher. "Aber irgendwann war das wie gegen die Brandung zu schwimmen." Tatsächlich: Nach Wiederanpfiff brach die Welle über Portalban herein. In der 49. Minute war es so weit: Der 18-jährige Mike Kluge, der schon in der ersten Hälfte auffällig wirbelte, vollendete eine schöne Vorlage seines Kumpels Dirk Desjardins zum 1:0. Der Jubel war so laut, dass man ihn wahrscheinlich bis nach Locarno hörte. Kluge rannte Richtung Eckfahne, rutschte auf den Knien und brüllte: "Endlich!" Später gab er zu: "Ich hab vorher schon gedacht, der Ball hat was gegen mich." Kaum hatte Portalban sich vom Schock erholt, setzte Ascona nach. Wieder Kluge, diesmal nach Vorarbeit von Rechtsverteidiger Josef Kimmich (64.). Das 2:0 - und die endgültige Entscheidung über die Spielrichtung. Portalban steckte zwar nicht auf, brachte sogar Georges Silvestre zu einem seltenen Abschluss (62.), doch Asconas Keeper Marco Ackermann verbrachte einen ruhigen Abend - eher Zuschauer als Akteur. Das 3:0 (71.) war dann fast schon Kunst: Desjardins, 19 Jahre jung, nahm einen Pass von Innenverteidiger Walter Frei volley und traf ins lange Eck. Trainer Zufall raufte sich an der Seitenlinie die Haare - vor Glück. "Wenn der Walter so weiter Vorlagen gibt, muss ich ihn bald im Mittelfeld aufstellen", witzelte er später. Portalban blieb tapfer, aber harmlos. Drei Torschüsse in 90 Minuten sind in der Bilanz so dünn wie ein Espresso nach Mitternacht. Und obwohl der Gast nominell offensiv spielte, blieb es bei harmlosen Vorstößen. Der Versuch, die Partie durch Ballbesitz (46,8 %) zu beruhigen, scheiterte an Asconas bissigem Pressing in der zweiten Hälfte. Ab der 59. Minute begann Zufall zu rotieren: Mohr ging, Henning kam, später ersetzte Hofmann den umtriebigen Magisano, und schließlich durfte David Delfino für den gefeierten Doppeltorschützen Kluge ran. Der Routinier hatte sichtlich Spaß, prüfte Doucet gleich mehrfach und schmunzelte nach dem Spiel: "Die Jungen rennen, wir Alten genießen - perfekte Rollenverteilung." Statistisch war die Sache eindeutig: 25:3 Torschüsse, 53 Prozent Ballbesitz, und eine Zweikampfquote von fast 58 Prozent. Doch die Zahlen erzählen nur einen Teil der Geschichte. Der Rest spielte sich in den Gesichtern ab - Freude, Erleichterung, und ein bisschen Stolz. "Ich weiß, das war nur ein Spieltag in der 4. Liga", sagte Kluge mit einem Grinsen, "aber heute hat’s sich angefühlt wie Champions League." Man glaubte es ihm sofort. Am Ende verließen die Zuschauer das Stadion mit einem Gefühl, das man in Ascona wohl schon länger nicht mehr hatte: echte Euphorie. Ein Jugendlicher, vielleicht zehn Jahre alt, fragte beim Rausgehen seinen Vater: "Papa, darf ich auch so schießen lernen wie der Kluge?" Der Vater nickte. "Wenn du deine Mathehausaufgaben machst, vielleicht." Ein typischer Ascona-Abend also - Sonne, See, und drei Tore, die man nicht so schnell vergisst. Und Trainer Zufall? Der schloss seine Pressekonferenz mit den Worten: "Wenn das Zufall war, dann wünsche ich mir mehr davon." 04.12.644002 19:50 |
Sprücheklopfer
Ich kann es mir als Verantwortlicher für die Mannschaft nicht erlauben, die Dinge subjektiv zu sehen. Grundsätzlich werde ich versuchen zu erkennen, ob die subjektiv geäußerten Meinungen subjektiv sind oder objektiv sind. Wenn sie subjektiv sind, dann werde ich an meinen objektiven festhalten. Wenn sie objektiv sind, werde ich überlegen und vielleicht die objektiven subjektiv geäußerten Meinungen der Spieler mit in meine objektiven einfließen lassen.
Erich Ribbeck