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Es war ein lauer Frühsommerabend in Collombey-Muraz, 4. Spieltag der 4. Liga Schweiz (2. Division), Anstoß 20:15 Uhr - und nach 90 Minuten wusste jeder der 4232 Zuschauer: Fußball kann grausam sein. Zumindest, wenn man Collombey-Muraz heißt. Denn der FC Ascona zeigte, wie man mit Offensivdrang, jugendlicher Spielfreude und einer gehörigen Portion Selbstironie einen Gegner zerlegt, der zwar 51,9 Prozent Ballbesitz hatte, aber daraus exakt nichts machte. Schon in der 7. Minute schlug es das erste Mal ein. Pascal Schäfer, der 34-jährige Mittelstürmer, bewies, dass Erfahrung manchmal einfach Geschwindigkeit schlägt. Nach feinem Zuspiel des 18-jährigen Mike Kluge - dessen Babyface die Collombeyer Abwehr wohl zu sehr verzaubert hatte - schob Schäfer trocken ein. "Ich hab’ eigentlich nur den Fuß hingehalten", grinste Schäfer später, "aber Mike meinte, das war Taktik. Na gut - nennen wir’s Taktik." Das Heimteam wirkte von diesem frühen Rückstand wie paralysiert. Zwar versuchten sie, den Ball laufen zu lassen, doch Ascona lauerte. Und zwar erfolgreich. In der 40. Minute kombinierte sich die rechte Seite des FC Ascona wie im Lehrbuch durch: Josef Kimmich, der laufstarke Außenverteidiger, flankte präzise auf Pascal Henning. Der nahm das Leder volley - 0:2. Es war einer dieser Momente, in denen man sich fragt, ob in der 4. Liga eigentlich auch Kameras für die "Tor des Monats"-Wahl zugelassen sind. "Ich wollte den eigentlich stoppen", lachte Henning nach dem Spiel, "aber dann dachte ich: Ach komm, vielleicht sieht’s so spektakulärer aus." Trainer Rainer Zufall kommentierte trocken: "Wenn meine Jungs anfangen, unabsichtlich schön zu spielen, weiß ich, dass der Abend gut läuft." Die Gastgeber? Kämpferisch, aber harmlos. Ein einziger Schuss aufs Tor - in der 78. Minute, abgegeben von Pattrick Parent. Gästetorhüter Marco Ackermann durfte sich endlich auch mal die Handschuhe schmutzig machen, wischte den Ball lässig zur Seite und lächelte dabei so entspannt, als stünde er beim Sommertraining. Ascona dagegen feuerte aus allen Lagen. 23 Torschüsse insgesamt, ein wahres Dauerfeuerwerk. Der junge Mike Kluge schien in der zweiten Halbzeit besonders Spaß daran zu haben, die Eckfahne anzuvisieren - aber wer so viel probiert, darf auch mal verziehen. "Ich wollte einfach zeigen, dass ich keine Angst habe", sagte Kluge, "selbst wenn der Ball manchmal den Parkplatz trifft." In der 84. Minute fiel dann der endgültige Deckel. Der eingewechselte Loris Degano, 19 Jahre jung und offenbar mit Turbo-Schuhen ausgestattet, sprintete nach einem langen Ball von Maurice Beaumanoir allen davon und schob überlegt zum 0:3 ein. Sauber, kaltblütig, verdient. Kurz darauf leistete sich Ascona noch einen kleinen Schönheitsfehler: Innenverteidiger Marwin Thiele, zuvor schon Gelbbelastet, sah in der 92. Minute Gelb-Rot. "Ich wollte nur den Ball treffen", beteuerte er. Sein Trainer grinste: "Vielleicht meinte er den Ball von gestern." Statistisch gesehen hatte Collombey-Muraz zwar mehr Ballbesitz, aber das war ungefähr so relevant wie der Besitz eines Regenschirms bei Sonnenschein. Ascona gewann mehr Zweikämpfe (59,5 Prozent), spielte direkter, schnörkelloser, und wirkte nie so, als würde es die Kontrolle verlieren. Selbst die Taktikdaten sprachen Bände: offensiv eingestellt, kurzes Passspiel, und am Ende sogar aktives Pressing - als wollten sie sagen: Wir haben Spaß, lasst uns noch ein bisschen laufen. Trainer Zufall zeigte sich nach dem Spiel entsprechend zufrieden: "Das war kein Zufall", schmunzelte er. "Wir wollten genau so auftreten: mutig, geschlossen, mit Zug zum Tor. Wenn man 23 Mal abschließt, darf’s auch mal 3:0 ausgehen." Die Fans von Collombey-Muraz applaudierten am Ende trotzdem - wohl aus Respekt vor der Spielfreude des Gegners oder aus Erleichterung, dass es nicht schlimmer kam. Ihr Trainer - der sich hinterher wortkarg zeigte - murmelte nur: "Wir hatten den Ball. Leider nicht die Idee." Ein Abend also, der für Ascona zu einem kleinen Lehrstück in Effektivität und Spielfreude wurde. Für Collombey-Muraz dagegen bleibt er eine bittere Erinnerung - an einen Gegner, der mit jugendlicher Frechheit und taktischer Klarheit zeigte, dass Ballbesitz allein noch kein Fußballspiel gewinnt. Oder, wie es ein Zuschauer auf der Tribüne formulierte: "Die da aus Ascona, die haben nicht gespielt. Die haben getanzt." Und wer so tanzt, darf am Ende auch feiern - 3:0, auswärts, mit Stil. 23.11.644002 00:15 |
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