Sport-Blick
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Ascona siegt mit doppeltem Pascal-Zauber in Delemont

Manchmal schreibt der Fußball seine Geschichten mit Humor - und manchmal mit einem doppelten Pascal. Beim 0:2 des SC Delemont gegen den FC Ascona am 9. Spieltag der 4. Liga Schweiz (2. Division) war Letzteres der Fall. 3681 Zuschauer erlebten einen lauen Juniabend, der für die Gastgeber mit einem albtraumhaften Doppelschlag kurz vor der Pause endete.

Bis zur 37. Minute war die Welt für Delemont noch in Ordnung. Die Hausherren hatten sogar ein leichtes Plus an Ballbesitz (51,9 %) und wirkten bemüht, wenn auch etwas zahnlos. Laurent Hubbert versuchte es früh mit einem Distanzschuss - der Ball landete allerdings mehr im Bereich "Souvenir für Block B" als im Tor. "Ich wollte zeigen, dass wir uns nicht verstecken", sagte Hubbert hinterher. Sein Trainer, der ungenannt bleiben wollte, ergänzte nur trocken: "Er hat sich dann aber recht gut versteckt."

Dann kam Ascona - und mit ihnen Pascal Schäfer. Der 34-jährige Mittelstürmer, der aussieht, als würde er in der Freizeit eher Grillwürste als Abwehrreihen brechen, traf in der 37. Minute nach feiner Vorarbeit von Namensvetter Pascal Henning zum 0:1. Nur sieben Minuten später revanchierte sich Henning mit einem satten Schuss ins lange Eck. Schäfer war diesmal der Vorlagengeber. "Wir nennen uns intern schon ’die Pascali’", grinste Henning nach dem Spiel, "heute haben wir gezeigt, dass doppelt einfach besser hält."

Delemont taumelte in die Halbzeitpause wie ein Boxer nach zwei unerwarteten Haken. Die Zuschauer murmelten, die Grillstände machten Umsatz, und ein älterer Herr auf der Haupttribüne kommentierte lautstark: "Wenn das so weitergeht, reicht’s nicht mal fürs Elfmeterschießen - und das gibt’s heute gar nicht!"

Taktisch hatte Ascona die Nase vorn. Trainer Rainer Zufall - ja, er heißt wirklich so - ließ offensiv und mit Kurzpassspiel agieren. "Ich mag’s, wenn der Ball rollt und nicht fliegt", erklärte er mit einem Augenzwinkern. Delemont dagegen blieb in seiner ausgewogenen, aber harmlosen Formation gefangen. Kein Pressing, kein Risiko - und entsprechend wenig Ertrag.

Nach der Pause versuchten die Gastgeber, das Spiel an sich zu reißen. Philippe Beaulieu prüfte den Ascona-Keeper Marco Ackermann gleich zweimal, aber der 22-Jährige blieb cool wie ein Bergsee. Als Alfonso Sandoval kurz darauf (58.) Gelb sah, schien das eher ein Zeichen von Frust als von Aggressivität. "Ich wollte einfach mal zeigen, dass ich auch da bin", sagte Sandoval später mit einem gequälten Lächeln.

Zufall reagierte clever: In der 49. Minute brachte er den 19-jährigen Loris Degano für den müden Uwe Wurst - frisches Tempo auf der rechten Seite. Kurz darauf durfte auch Josef Kimmich für den starken Henning ran, um die Defensive zu stabilisieren. Ascona blieb gefährlich, vergab aber reihenweise Chancen. Schäfer schoss in der 70. und 71. Minute gleich zweimal knapp vorbei. Auf der Tribüne wurde bereits gewitzelt, dass der Ball wohl einen Magneten in der Werbebande gefunden habe.

Trotz der klareren Chancenverteilung (13:6 Schüsse für Ascona) blieb das Spiel offen. Delemont hatte mehr Ballbesitz, aber weniger Ideen. "Manchmal hat man den Ball - und manchmal hat man den Plan", fasste ein Fan zusammen. In der Schlussphase versuchte Beaulieu noch einmal alles, doch Ackermann fischte auch den letzten Versuch aus dem Winkel.

Als Schiedsrichter Perren in der 93. Minute abpfiff, reckten die Pascali die Arme, während Delemont geknickt zusammensackte. Der Unterschied zwischen diesen Teams? Vielleicht nur zwei Namen, die denselben Vornamen tragen - und eine Spur mehr Mut zum Risiko.

"Wir wollten unbedingt gewinnen, nicht nur schön spielen", sagte Schäfer. "Das haben wir geschafft. Und wenn man mit 34 noch Tore schießt, darf man sich auch mal eine Pizza gönnen." Trainer Zufall nickte zufrieden: "Wir haben gezeigt, dass unsere Offensive funktioniert. Jetzt müssen wir nur noch aufhören, so viele Chancen liegen zu lassen - sonst spielen mir meine Nerven bald Streiche."

Für Delemont bleibt die Erkenntnis, dass Ballbesitz allein keine Punkte bringt. Und vielleicht auch die Erkenntnis, dass zwei Pascals manchmal einer zu viel sind.

Schlussfazit: Ein verdienter Auswärtssieg für den FC Ascona, der in den entscheidenden Momenten cleverer, wacher und schlicht gefährlicher war. Delemont dagegen kämpfte tapfer, aber erfolglos - wie jemand, der versucht, mit der Handbremse einen Sprint zu gewinnen. Immerhin: Die Bratwürste im Stadion waren hervorragend, und das ist ja auch eine Form von Trost.

30.01.644003 02:53
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