Sport-Blick
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Ascona stürmt zum Sieg: Schäfer und Wurst treffen, Miller fliegt

Ein lauer Frühsommerabend am Lago Maggiore, 5.704 Zuschauer, und ein FC Ascona, der offenbar beschlossen hatte, den SC Schaffhausen gleich in den ersten 15 Minuten in die Sommerpause zu schicken. Beim 2:0-Heimsieg am 3. Spieltag der 4. Liga Schweiz (2. Division) brachte Ascona das Kunststück fertig, mit nur 41 Prozent Ballbesitz das Spiel komplett zu kontrollieren - und den Gegner gleichzeitig aussehen zu lassen, als würde er lieber die Aussicht auf den See genießen als den Ball.

Bereits in der 8. Minute zeigte Routinier Pascal Schäfer, dass Erfahrung eben doch durch nichts zu ersetzen ist - außer vielleicht durch ein gutes Zuspiel. Der 34-Jährige verwandelte die Vorlage des 18-jährigen Nachwuchsstürmers Mike Kluge eiskalt zur frühen Führung. "Mike läuft wie ein junger Hirsch, da musste ich ja nur noch den Fuß hinhalten", grinste Schäfer später in der Kabine. Kluge dagegen wirkte etwas verlegen: "Ich wollte eigentlich flanken. Aber gut, wenn er drin ist, war’s wohl Absicht."

Nur fünf Minuten später legte Uwe Wurst nach - und zwar mit jener Konsequenz, die man sonst nur an der Grillzange von Vereinsfesten kennt. Nach einem Vorstoß über Rechtsverteidiger Josef Kimmich drückte Wurst den Ball mit dem rechten Spann zum 2:0 über die Linie. Es war das Resultat einer Anfangsphase, die so druckvoll war, dass der SC Schaffhausen kaum wusste, wo vorne und hinten ist.

"Da waren wir einfach nicht wach", knurrte ein sichtlich genervter Gästetrainer - dessen Name die Vereinsleitung lieber ungenannt ließ. Nach 25 Minuten verlor Schaffhausen dann auch noch Innenverteidiger Markus Moeller verletzt. "Der Rasen war schuld", erklärte Moeller mit einem schmerzhaften Grinsen, "der hat mich angegriffen." Für ihn kam Ben Martin, doch am Spielverlauf änderte das wenig.

Während Ascona weiter Chancen sammelte (22 Torschüsse insgesamt!), reagierte der SC Schaffhausen mit gepflegtem Ballbesitz - aber ohne jede Wirkung. Die Gäste hielten den Ball 59 Prozent der Zeit in den eigenen Reihen, allerdings meist dort, wo er am ungefährlichsten ist: in der Abwehr. Der Torabschluss? Drei kümmerliche Versuche, von denen keiner Marco Ackermann im Ascona-Tor wirklich ins Schwitzen brachte.

In der zweiten Hälfte ließ Ascona es ruhiger angehen. Trainer Rainer Zufall - ja, der Name ist Programm - sprach später von "kontrollierter Offensive". In Wahrheit war es wohl eher eine Mischung aus Kräfte sparen und Chancen liegen lassen. Der junge Kluge drosch in der 74. Minute einen Ball in Richtung Lago, was seinen Trainer zu einem Kommentar verleitete: "Wenn wir dort schon baden gehen, dann bitte erst nach dem Abpfiff."

Schaffhausen versuchte es derweil mit gepflegtem Kurzpassspiel, als würde man noch auf den Schönheitspreis hoffen. Die beste Gelegenheit hatte Joseph Schütz in der 85. Minute, doch sein Schuss landete direkt in den Händen von Ackermann, der danach lässig abklatschte und rief: "War das der Ball oder ein Rückpass?"

Kurz darauf wurde es noch einmal hitzig: In der 91. Minute sah Asconas Innenverteidiger Tim Miller Rot, nachdem er einen Schaffhauser Konter mit einem rustikalen Tritt beendete. "Ich wollte nur den Ball treffen", beteuerte er - worauf sein Torwart trocken erwiderte: "Dann war das Ziel aber drei Meter daneben." Rainer Zufall kommentierte das Ereignis mit einem Seufzer: "Wenn Tim schon fliegt, dann wenigstens nach Abpfiff - aber die rote Karte passt zu seinem neuen Haarschnitt."

Trotz Unterzahl brachte Ascona das Spiel sicher nach Hause. Die Zuschauer verabschiedeten ihr Team mit Applaus, während die Gäste frustriert vom Platz trotteten. "Wir waren spielerisch besser, aber irgendwie war der Ball allergisch gegen unser Tor", meinte Schaffhausens Mittelfeldmann Eric Reiter halb ironisch.

Statistisch liest sich das Spiel wie ein Lehrstück in Effizienz: 22 Ascona-Torschüsse für zwei Tore, drei Schüsse der Gäste - null Wirkung. Ballbesitz hin, Passquote her: Fußball wird eben auf dem Platz entschieden, nicht in der Excel-Tabelle.

Zum Schluss fasste Trainer Zufall die Partie so zusammen, wie es wohl nur ein Trainer tun kann: "Wir wollten dominieren, und das haben wir auch - zumindest optisch in der ersten Viertelstunde. Danach haben wir verwaltet, was wir hatten: die Führung, den Ballverlust und ein bisschen Glück."

Und so bleibt vom Abend in Ascona die Erkenntnis: Wer früh trifft, darf früh träumen - und manchmal reicht ein bisschen Wurst und Schäfer, um ein ganzes Stadion glücklich zu machen.

03.09.644000 21:25
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Im Fußball ist es wie im Eiskunstlauf - wer die meisten Tore schießt, der gewinnt.
Rainer Calmund
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