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Ein lauer Maiabend am Lago Maggiore, 4737 Zuschauer im Stadion, und ein FC Ascona, der sich dachte: Wenn schon letzter Spieltag der Saison, dann mit Stil. Gegen den FC Serrières zeigten die Tessiner ein 2:0, das zwar erst spät Gestalt annahm, aber in seiner Konsequenz verdienter kaum hätte ausfallen können. Die Partie begann, wie sie so oft beginnt, wenn zwei Teams aus der 4. Liga Schweiz (2. Div) aufeinandertreffen: mit viel Enthusiasmus und wenig Präzision. Schon in der 3. Minute prüfte Serrières’ David Jones mit einem beherzten Fernschuss die Reflexe von Keeper Herbert Hein, der routiniert parierte - vermutlich ohne dabei den Puls nennenswert zu erhöhen. "Ich dachte, der Ball sei für die Zuschauer bestimmt", grinste Hein später, "aber dann fiel er mir direkt in die Handschuhe." Ascona antwortete prompt: Pascal Schäfer, der erfahrene 33-jährige Mittelstürmer, hatte früh seinen Spaß am Abschluss gefunden, verfehlte aber noch in der 4. Minute knapp das Ziel. Es war eine erste Duftmarke. Danach rollte Angriff auf Angriff - über den jungen Mike Kluge, 17 Jahre jung und unerschrocken wie ein Straßenfußballer, über Roger Erdmann links oder Rafael Juarez rechts. Nur das Tor wollte eben nicht fallen. Zur Pause stand ein 0:0, das die Trainer beider Seiten zu gegensätzlichen Reaktionen verleitete. Rainer Zufall, Asconas Coach, raufte sich kurz die Haare, trank einen Schluck Wasser und sagte trocken: "Wir spielen gut, aber das Runde muss halt ins Eckige." Auf der anderen Seite versuchte Serrières-Trainer - namenlos, aber sicher nicht tatenlos - seine Elf mit Durchhalteparolen zu motivieren. Viel half es nicht. Denn kaum war die zweite Halbzeit angepfiffen, nahm Ascona Fahrt auf. In der 55. Minute war es dann endlich so weit: Roger Erdmann schlängelte sich über links in den Strafraum, legte quer, und Pascal Schäfer tat, was Mittelstürmer seit Jahrhunderten tun - er schob ein. 1:0. Das Publikum jubelte, und Schäfer hob entschuldigend die Hände: "Das war mehr Erdmann als ich", grinste er später, "aber ich nehme das Tor trotzdem." Von Serrières kam danach erstaunlich wenig. Drei Torschüsse über 90 Minuten sprechen Bände. Zwar mühte sich Fynn Böttcher vorne redlich, doch gegen die Ascona-Abwehr um Marwin Thiele und Hartmut Leclair war kein Durchkommen. Ballbesitz? Praktisch ausgeglichen, aber nur optisch. In Wahrheit kontrollierte Ascona das Geschehen - 16:3 Torschüsse belegen, wer hier den Ton angab. In der Schlussphase wechselte Zufall dreimal: Walther Schöne kam für Dominique Billet, Claude Beckmann ersetzte Juarez, und der junge Mircea Tataru durfte für Schäfer ran. "Ich wollte Frische bringen", erklärte der Trainer hinterher, "und vielleicht noch ein zweites Tor erzwingen. Oder wenigstens das Spielende erleben, ohne dass mir die Haare endgültig ausfallen." Er bekam beides. In der Nachspielzeit (92.) war es der eingewechselte Beckmann, der nach Vorlage von Pascal Henning den Deckel draufsetzte. Ein klassischer Konter, eiskalt abgeschlossen, während Serrières bereits mit dem Gedanken beim Buffet war. 2:0 - und diesmal jubelte ganz Ascona, einschließlich des Stadionsprechers, der vor Freude die Torschützen zunächst verwechselte. Statistisch lässt sich das Spiel einfach zusammenfassen: Ascona mit 57,7 Prozent gewonnener Zweikämpfe, fast doppelt so vielen Abschlüssen und einem Gegner, der viel wollte, aber wenig konnte. Die Hausherren dagegen spielten ihr "Kurzpassspiel mit Pressing bei Bedarf" konsequent bis zum Ende - eine Taktik, die so unspektakulär wie effektiv wirkte. Nach dem Schlusspfiff klatschten die Spieler vor der Kurve. Schäfer, Mann des Abends, bekam von einem Kind ein Pappschild mit der Aufschrift "Pascal, bleib bitte ewig!" in die Hand gedrückt. Er lachte, legte den Arm um den Jungen und sagte: "Ewig ist lang, aber nächste Saison bin ich sicher noch da." Trainer Zufall resümierte typisch trocken: "Wir haben das gemacht, was man im Lehrbuch unter ’solider Heimsieg’ findet. Nur dass wir das Lehrbuch vorher nie gelesen haben." Und tatsächlich: Im Stil war’s vielleicht kein Festspiel, aber im Ergebnis ein würdiger Abschluss einer Saison, die für Ascona alles andere als zufällig lief. Ein bisschen Lokalstolz, ein bisschen Feierlaune - und am Ende ein Spiel, das zeigte, dass Leidenschaft manchmal mehr zählt als Liga-Glanz. Der FC Ascona verabschiedet sich mit 2:0 gegen den FC Serrières in die Sommerpause - und wenn man die Fans nach dem Abpfiff hörte, könnte man glauben, der Aufstieg sei schon gebucht. Vielleicht, wer weiß, war dieser Freitagabend am Lago Maggiore tatsächlich der Anfang von etwas Größerem. Oder einfach nur ein schöner Abend mit zwei Toren, einem Trainer namens Zufall - und keiner Spur von Zufall im Ergebnis. 22.05.644000 20:40 |
Sprücheklopfer
Wenn ich natürlich bei meinen Sechs-Minuten-Einsätzen bis zur Winterpause 30 Tore schieße, werde ich vielleicht nicht gehen dürfen.
Jan-Aage Fjörtoft