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Ashford Town ringt Southampton in temporeichem Spektakel nieder

Wer am Mittwochabend im Ashford Stadium saß, bekam für sein Eintrittsgeld zweifellos etwas geboten: fünf Tore, sechs Gelbe Karten, eine Gelb-Rote und jede Menge Drama. Ashford Town besiegte den favorisierten FC Southampton mit 3:2 (2:1) - ein Spiel, das so schwungvoll war, dass selbst die Stadionanzeige kurzzeitig überfordert schien.

Schon nach einer knappen Viertelstunde war klar: Hier wird nicht lange taktiert. Southampton begann offensiv, Gerritt Van Cortlandt wirbelte über den rechten Flügel, als hätte er drei Lungen. In der 18. Minute krönte er seinen Sturmlauf mit einem satten Treffer ins linke Eck - 0:1! Das war der Moment, in dem Ashfords Trainer David Reichart lautstark seine Kaugummikau-Geschwindigkeit verdoppelte.

Aber lange durfte sich Southampton nicht freuen. Nur eine Minute später konterte Ashford Town, als hätte jemand den Zeitraffer eingeschaltet. Martin Silva legte uneigennützig quer auf Noah Musgrave, der den Ball humorlos in die Maschen drosch - 1:1. "Ich hab ihn einfach getroffen, das war der Plan", grinste Musgrave nach dem Spiel, als wäre das völlig selbstverständlich.

Und dann kam Silvas großer Moment: In der 26. Minute stand der bullige Mittelstürmer genau da, wo Stürmer nun mal stehen müssen - zentral, frei und hungrig. Nach einer Hereingabe von Rechtsverteidiger Lewis Cromwell drückte Silva das Leder über die Linie. 2:1 für Ashford, und das Stadion verwandelte sich in ein Freiluft-Festzelt.

Southampton verlor kurzzeitig die Ordnung, und das merkte man: Zwei Gelbe für Cromwell und Patton auf Ashford-Seite, aber die Gäste wirkten fahriger. Trainer Michael Böning schüttelte den Kopf, als wäre der Spielplan plötzlich in Hieroglyphen verfasst. "Wir wollten eigentlich kompakt stehen", sagte er später und fügte sarkastisch hinzu: "Das hat ja auch ganze 17 Minuten funktioniert."

Nach der Pause kam Southampton mit Wut im Bauch zurück. In der 56. Minute legte Van Cortlandt den Ball butterweich auf Gabriel Nilsson, der eiskalt zum 2:2 vollendete. Die 1.000 mitgereisten Saints-Fans jubelten, während Reichart an der Seitenlinie hektisch Notizen machte, als würde er gerade eine Matheklausur nachrechnen.

Doch Ashford antwortete erneut. In der 68. Minute war es wieder Musgrave, der nach einer Flanke von Welington Dano artistisch zum 3:2 einköpfte. Ein Tor, das man nicht oft sieht - halb Flug, halb Zufall, ganz Jubel. "Ich wollte eigentlich flanken", gab Dano später lachend zu. "Aber wenn’s reingeht, war’s natürlich Absicht."

Danach wurde das Spiel ruppiger. Lewis Henderson sah Gelb für einen rustikalen Rempler, Kai Peter von Southampton sammelte zunächst selbst eine Verwarnung und verabschiedete sich später nach Gelb-Rot (86.). "Ich hab nur laut geatmet", behauptete er mit gespielter Unschuld. Der Schiedsrichter sah das anders.

Southampton versuchte es in Unterzahl mit wütenden Angriffen - Manuel Tiago prüfte Torwart Oliver Young gleich drei Mal, aber der hielt, als wolle er ein Bewerbungsvideo für die Nationalmannschaft drehen. Insgesamt verzeichnete Ashford 15 Torschüsse, Southampton kam auf acht - eine Statistik, die den Spielverlauf perfekt abbildet: mehr Mut, mehr Druck, mehr Ertrag für die Hausherren.

Als der Schlusspfiff ertönte, lagen sich die Ashford-Spieler in den Armen. Reichart klopfte jedem auf die Schulter, als hätte er gerade ein Jahrzehnt Meisterschaften gewonnen. "Die Jungs haben heute Herz gezeigt", sagte er. "Und ein bisschen Chaos gehört dazu."

Böning dagegen wirkte gefasst. "Wir verlieren nicht gerne, aber wenn man fünf Minuten pennt, reicht das in dieser Liga nicht", meinte er trocken. Dann lächelte er schmal und fügte hinzu: "Immerhin haben wir niemanden verletzt - außer meiner Laune."

Die Zuschauer verabschiedeten beide Teams mit Applaus. 41.519 Fans erlebten ein Spiel, das alles hatte: Tempo, Emotion, und ein Noah Musgrave, der wohl noch in 20 Jahren von diesem Abend erzählen wird.

Ein Spiel also, das in den Geschichtsbüchern von Ashford Town nicht unter "Pflichtsieg" abgelegt wird, sondern unter "Unvergesslich". Und irgendwo in der Kabine summte Musgrave beim Ausziehen angeblich: "So spielt man Fußball." Wenn er so weitermacht, wird das bald die ganze Liga mitsummen - nur ohne Melodie.

11.06.643997 08:19
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