Football Today
+++ Sportzeitung für England +++

Ashford Town zerlegt Cambridge City nach der Pause

Was für ein Abend im Abbey Stadium von Cambridge: 31.240 Zuschauer sahen am 29. Spieltag der 1. Liga England eine Partie, die in zwei völlig verschiedene Hälften zerfiel - und am Ende ein Ergebnis, das Cambridge City wohl noch lange verfolgen wird: 3:6 (3:2) gegen Ashford Town.

Dabei begann alles so verheißungsvoll für die Gastgeber. Schon in der zweiten Minute donnerte Joshua Haddington, der 34-jährige Routinier im Sturm, den Ball aus spitzem Winkel ins Netz. "Ich wollte eigentlich flanken", grinste er später, "aber wenn’s reingeht, war’s natürlich Absicht." Das Stadion tobte, und die Fans wähnten sich auf dem Weg zu einem torreichen Heimfest.

Doch Ashford Town antwortete prompt: Nur vier Minuten später traf der 19-jährige Joel Bostwick nach Vorarbeit von Lewis Henderson zum Ausgleich. Ein Teenager, der aussah, als hätte er vor dem Spiel noch Hausaufgaben gemacht, brachte die Gäste zurück ins Spiel. Cambridge ließ sich davon nicht beirren - im Gegenteil. Zehn Minuten waren gespielt, da legte Valerio Trebisacce nach einem feinen Pass von Harrison More das 2:1 nach. Und als Haddington in der 15. Minute erneut zuschlug, diesmal nach Zuspiel des quirligen Luke Bloomfield, stand es 3:2.

Ja, richtig gelesen: 3:2 bereits nach einer Viertelstunde. Denn Ashfords James Henderson hatte zwischenzeitlich (14.) für den zwischenzeitlichen Ausgleich gesorgt. Es war ein offener Schlagabtausch, bei dem die Defensivreihen beider Teams mehr an höfliche Begleitdienste erinnerten als an Abwehrarbeit.

Zur Pause führte Cambridge also mit 3:2 - und Trainer David Reichart von Ashford Town sah trotzdem erstaunlich gelassen aus. "Ich habe den Jungs gesagt: Wenn wir schon hinten liegen, dann richtig angreifen. Defensive ist ja nur was für Leute mit Fantasieproblemen", witzelte er später.

Und offenbar nahm seine Mannschaft sich diese Worte zu Herzen. In der zweiten Hälfte legte Ashford Town einen Offensivwirbel hin, der selbst gestandene Verteidiger ins Schwitzen brachte. Cambridge hingegen blieb taktisch "balanced", also ausgewogen - was in diesem Fall bedeutete: weder Fisch noch Fleisch.

Ab der 70. Minute war der Widerstand der Gastgeber endgültig gebrochen. Sean Lancaster, eigentlich linker Verteidiger, stürmte in der 78. Minute nach vorne und traf nach Vorlage von James Henderson zum 3:3. Der Ausgleich war die Einladung zur großen Show.

Sechs Minuten später drehte George Morriss, 19 Jahre jung und mit einem Selbstbewusstsein, das man sonst nur bei Straßenkünstlern in London sieht, das Spiel endgültig: 3:4 per Schuss aus 20 Metern. "Ich hab einfach mal draufgehalten", sagte er mit einem Schulterzucken. "Wenn man jung ist, denkt man nicht so viel nach."

Cambridge dachte da schon zu viel. Die Beine schwer, der Mut geschwunden. Ashford Town roch Blut - und nutzte jede Unsicherheit gnadenlos aus. Tyler Onnington erhöhte in der 88. Minute nach erneuter Morriss-Vorarbeit auf 3:5, ehe Martin Silva in der Nachspielzeit (94.) endgültig den Deckel draufsetzte.

Sechs Tore für die Gäste, drei für die Hausherren - und ein Publikum, das sich zwischen Begeisterung und Fassungslosigkeit nicht entscheiden konnte. Statistisch war das Spiel fast ausgeglichen: Cambridge hatte 50,5 Prozent Ballbesitz und 10 Torschüsse, Ashford 49,5 Prozent Ballbesitz und 14 Abschlüsse. Doch während die Gäste jede Gelegenheit nutzten, schien bei Cambridge der Zielwasser-Vorrat nach der Pause versiegt.

Trainer Reichart resümierte trocken: "In der ersten Halbzeit haben wir Cambridge beim Toreschießen zugesehen, in der zweiten wollten wir selbst auch mal." Auf der anderen Seite wirkte Cambridge-Coach - dessen Name auf dem Spielbericht kurioserweise fehlte, vielleicht wollte er ihn nach dieser zweiten Hälfte auch lieber streichen lassen - deutlich angefressen: "Wir haben uns selbst demontiert. Nach der Pause hätten wir auch Platzhalter aufstellen können."

Für Joshua Haddington, Doppeltorschütze und Publikumsliebling, blieb immerhin der Trost eines persönlichen Meilensteins: "Ich hab jetzt 99 Ligatore für Cambridge. Das Hundertste hebe ich mir wohl fürs nächste Mal auf - hoffentlich dann mit besserem Ende."

Fazit: Cambridge City zeigte 45 Minuten lang, wie man Fußball spielt - und 45 Minuten lang, wie man ihn verliert. Ashford Town hingegen bewies, dass Offensive manchmal eben doch die beste Verteidigung ist. Oder wie es ein Fan beim Verlassen des Stadions treffend formulierte: "Wenn du sechs Tore schießt, darfst du ruhig ein paar kassieren."

Man darf gespannt sein, ob Cambridge aus dieser Lektion lernt. Denn so unterhaltsam dieses 3:6 für die Zuschauer war - für die Abwehrtrainer dürfte es ein Albtraum in Spielfilmlänge gewesen sein.

11.05.644000 03:22
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Mann Willi, Du siehst ja echt aus, als sei 'ne Hungersnot ausgebrochen! (Lemkes Antwort: Und Du siehst so aus, als seist Du schuld daran!)
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