// Startseite
| Jornal do Brasil |
| +++ Sportzeitung für Brasilien +++ |
|
|
|
Ein Pokalabend, wie er im Drehbuch nicht schöner hätte stehen können - oder zynischer, je nachdem, ob man auf der Tribüne im Block der Hausherren oder im Gästebereich stand. 12.500 Zuschauer im Estádio Municipal von Caruaru sahen am Freitagabend, wie Athletic Caruaru den großen Favoriten CF Flamengo nach 120 torlosen Minuten mit 4:3 im Elfmeterschießen aus dem Wettbewerb warf. Es war eines jener Spiele, die den Begriff "unglaublich" neu definieren: Flamengo mit 19 Torschüssen, Caruaru mit genau null - und am Ende jubelt das Team ohne einzigen Schuss aufs Tor. "Ich weiß nicht, ob wir das verdient haben - aber ich weiß, dass wir es gebraucht haben", grinste Caruarus Torhüter Vincent Costa nach dem Abpfiff, während er sich noch den Staub von den Handschuhen klopfte. Der 31-Jährige war der unbestrittene Held des Abends. Wie ein Mann mit Klettband an den Fingern pflückte er eine Flanke nach der anderen aus der Luft, warf sich in Schüsse von Helguera, Ukkonen und Chalana und hielt seine Mannschaft irgendwie im Spiel. Schon früh hatte sich das Kräfteverhältnis abgezeichnet: Flamengo, von Trainer Dino Ma gewohnt offensiv eingestellt, drückte von Beginn an. In der zehnten Minute probierte es Emilio Helguera erstmals - ein wuchtiger Schuss, den Costa mit den Fingerspitzen über die Latte lenkte. Es folgten Rieger (20.), Chalana (21.), wieder Helguera (29.), wieder Rieger (37.) - ein Dauerfeuer, das jeder Pyrotechnik im Gästeblock Konkurrenz machte. Athletic Caruaru hingegen beschränkte sich auf das, was man gemeinhin "kompakte Defensive" nennt. Trainer João "Ze" Fernandes (der laut Vereinsangaben wegen Heiserkeit nicht sprechen wollte, aber aus der Kabine ein kehliges "Stehen bleiben, Männer!" brüllte) hatte seine Elf tief gestaffelt. Ballbesitz? 40 Prozent. Torschüsse? Kein einziger. Doch wer Statistik liebt, geht besser ins Rechenzentrum - nicht ins Stadion. Die Stimmung kippte, als Flamengos Stürmer Benyamin Rieger in der 73. Minute verletzt vom Platz musste. "Ein Tritt in den Boden, kein Gegnerkontakt", erklärte Trainer Dino Ma später, "und trotzdem sah es aus, als hätte ihn ein Bus erwischt." Ersatzmann Julio Hierro kam und fügte sich mit zwei vergebenen Chancen nahtlos ein. Als in der Verlängerung auch noch Klaus Reiter Gelb sah (97.) und Noe Jorge auf der Gegenseite (114.) nachzog, war klar: Hier würde keine Schönheit mehr gewinnen, sondern Zähigkeit. Dann das Drama vom Punkt: Caruaru begann mit Fernando Nene - sicher verwandelt. Chalana glich aus. Julian Baiao verschoss, Marko Arnautovic tat es ihm gleich. Sergio Xavier traf, Ukkonen ebenfalls. Nevio Vidigal legte nach - 3:2. Flamengo hatte die Chance, zurückzuschlagen, doch der 18-jährige Domingo Moutinho scheiterte nervös. Miguel Caneira verwandelte schließlich zum 4:3, während Helguera, der zuvor alles versucht hatte, nur noch zusehen konnte. "Wir haben das Spiel in allen Belangen dominiert - außer im einzigen, der zählt", sagte ein sichtlich frustrierter Dino Ma in der Pressekonferenz. Neben ihm nickte sein Kapitän Vitorino Chalana und murmelte: "Manchmal gewinnt nicht der, der besser spielt, sondern der, der besser betet." Auf der anderen Seite feierten die Spieler von Athletic Caruaru, als hätten sie den Pokal schon gewonnen. Torwart Costa wurde auf Schultern getragen, während Marco Da Cru, der rechte Verteidiger, mit den Fans sang. "Ich wusste, dass wir sie zermürben können", behauptete er mit einem Augenzwinkern. "Unser Plan war einfach: Wir lassen sie schießen, bis sie müde sind." Taktisch gesehen war es tatsächlich ein Duell zweier Welten. Flamengo spielte offensiv, mit ausgewogenem Angriff über die Mitte und viel Ballzirkulation, während Caruaru in seiner "balancierten" Formation stoisch blieb, kein Pressing, kein Risiko - nur eiserne Disziplin. Es war, als hätte ein Schachgroßmeister gegen einen Türsteher gespielt - und der Türsteher gewann auf Zeit. Als der Schlusspfiff ertönte, fiel ein ganzer Landstrich in kollektive Ekstase. Kinder kletterten über die Bande, der Stadionsprecher verlor die Stimme, und irgendwo in der Ferne heulte eine Sirene - vielleicht von der Polizei, vielleicht nur von einem überforderten Fan. Im Pokal zählt kein Schönheitspreis, sondern das Weiterkommen. Athletic Caruaru ist weiter, CF Flamengo draußen. Und wenn man ehrlich ist: Genau für solche Geschichten lieben wir den Fußball. Oder wie Torwart Costa es beim Rausgehen sagte, den Arm um den völlig erschöpften Verteidiger Noe Jorge gelegt: "Manchmal reicht ein guter Keeper, ein bisschen Glück - und ein ganzes Stadion, das den Atem anhält." 18.03.643994 14:50 |
Sprücheklopfer
Wer in Bochum von Strafraum zu Strafraum geht und sich dabei nicht den Knöchel bricht, dem gebe ich einen aus.
Christoph Daum