Heraldo de Mexico
+++ Sportzeitung für Mexico +++

Atlas dreht das Spiel - Carlsson und Escudero lassen das Stadion beben

Manchmal reicht ein einziger Funke, um ein ganzes Stadion in Brand zu setzen - natürlich nur im übertragenen Sinne. Am 20. Spieltag der 1. Liga Mexico gelang Atletico Atlas im heimischen Stadion ein mitreißendes 2:1 gegen Alacranes Durango. 46.153 Zuschauer erlebten ein Spiel, das von Nervosität, Leidenschaft und einem Hauch Chaos geprägt war - kurzum: ein Abend, wie man ihn liebt und fürchtet zugleich.

Den Anfang machten die Gäste. Schon in der 11. Minute donnerte Toni Kolkka den Ball nach feinem Zuspiel von Nevio Pauleta unhaltbar unter die Latte. Atlas-Torhüter James Kirwan konnte nur staunen - und fluchte lautstark in Richtung Abwehr: "Ich hab doch gesagt, enger stehen!", soll er gebrüllt haben. In dieser Phase war Durango frischer, aggressiver, bissiger. Trainer Manni Kaltz hatte seine Jungs auf "früh attackieren" getrimmt - und die setzten das mit Nachdruck um.

Atlas dagegen wirkte im ersten Durchgang wie ein Schüler, der den Unterrichtsstoff vergessen hat: bemüht, aber überfordert. "Wir waren zu brav", gab Trainer Paul Henning später zu. Die Statistik belegt es: 48,6 Prozent Ballbesitz, aber kaum Zug zum Tor, nur vier nennenswerte Abschlüsse vor der Pause. Dazu kam eine Gelbe Karte für Innenverteidiger Oscar Godo, der nach einem rustikalen Einsteigen gegen Nelio Conceicao den Unmut der Zuschauer auf sich zog.

Die Halbzeitpause brachte offenbar eine flammende Ansprache Hennings. "Ich hab den Jungs nur gesagt, dass Fußball kein Kaffeekränzchen ist", grinste der Coach später. Und siehe da: In der 58. Minute nahm das Spiel eine Wendung. Rechtsaußen Nuno Escudero zog clever zwei Verteidiger auf sich und legte quer zu Sigurd Carlsson, der aus 16 Metern trocken ins lange Eck traf. 1:1 - und plötzlich bebte das Stadion.

Das Tor war wie ein Weckruf für Atlas. Die Gastgeber spielten nun mutiger, drängten Durango tief in die eigene Hälfte. Die Gäste verloren nicht nur den Faden, sondern auch Toni Kolkka, der nach einem unglücklichen Zweikampf in der 63. Minute verletzt vom Platz musste. Für ihn kam der erfahrene Sigfrid Holmqvist, der zwar eifrig, aber glücklos blieb. Trainer Kaltz kommentierte später trocken: "Das war der Moment, in dem wir begannen, rückwärts zu laufen."

Atlas witterte seine Chance - und schlug in der 79. Minute erneut zu. Diesmal war es Escudero selbst, der nach schöner Kombination mit Carlsson den Ball mit einem frechen Lupfer über Keeper Hatay Sentürk hob. Ein Tor aus dem Lehrbuch - oder zumindest aus einem sehr unterhaltsamen Comic. Escudero rannte jubelnd zur Bank, wo Henning ihm zurief: "Na endlich nutzt du mal deine rechte Seite!"

Durango versuchte in den letzten Minuten alles. Zwischen der 82. und 85. Minute feuerten sie noch drei gefährliche Schüsse auf das Atlas-Tor ab, doch Kirwan war nun hellwach. Lediglich die Gelbe Karte für Eduardo Pauleta in der 90. Minute unterstrich, dass die Gäste mit dem Ergebnis haderten.

Statistisch war es ein Duell auf Augenhöhe: Beide Teams kamen auf jeweils zehn Torschüsse, der Ballbesitz war fast gleich verteilt. Doch Atlas war in der zweiten Hälfte schlicht zielstrebiger. "Wir haben gelernt, dass man Spiele auch mit Herz gewinnt, nicht nur mit Taktik", sagte Doppeltorschütze Carlsson nach Abpfiff - und grinste, während ihm ein Fan ein Atlas-Schal überwarf.

Für die Zuschauer war’s ein Abend voller Wendungen, für die Trainer ein Wechselbad der Gefühle. Henning lobte seine Mannschaft: "So will ich sie sehen - bissig, mutig, manchmal auch ein bisschen verrückt." Sein Gegenüber Kaltz fasste es resigniert, aber humorvoll zusammen: "Wir haben das Spiel in der ersten Halbzeit gewonnen - und in der zweiten verschenkt. Das passiert, wenn man glaubt, 1:0 sei schon Feierabend."

Am Ende ging ein Spiel zu Ende, das auf dem Papier ausgeglichen war, aber im Herzen der Fans ein klares Urteil hinterließ: Atlas lebt, kämpft - und kann wieder drehen. Und während die Flutlichter langsam erloschen, hörte man aus einer Ecke des Stadions einen Fan rufen: "Wenn sie immer so spielen, darf’s auch mal stressig bleiben!"

Ein bisschen Chaos, viel Leidenschaft - Atletico Atlas hat gezeigt, dass Fußball mehr ist als Statistik. Es ist ein Drama in 90 Minuten, mit Happy End für die, die an sich glauben.

27.01.644000 22:06
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Freundschaften zählen für mich sehr, aber nicht in diesem Geschäft. Ich habe Jürgen Gelsdorf vor die Tür gesetzt, der war sogar mein Trauzeuge.
Rainer Calmund
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