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Ein lauer Frühlingsabend in Barcelona, 27.000 Zuschauer im Stadion, ein Trainer namens Al Bundy an der Seitenlinie - und nein, das war kein Fernseh-Comeback der Neunziger, sondern ein durchaus ernstzunehmendes Zweitligaspiel zwischen Atletic Barcelona und UD Elche. Am Ende jubelten die Katalanen über ein verdientes 2:0, das mehr jugendliche Frische als taktische Raffinesse ausstrahlte. Schon in den ersten Minuten war klar, dass Atletic Barcelona auch ohne Ballzauberer aus früheren Zeiten weiß, wie man Druck macht. Lajos Dumitrescu prüfte Elches Keeper Derlei bereits in der ersten Minute - ein Weckruf, der offenbar nur die Zuschauer erreichte. "Wir wollten zeigen, dass wir nicht nur verteidigen können", erklärte Dumitrescu später mit einem Grinsen, "aber ehrlich gesagt, ich dachte nach fünf Minuten schon, das wird ein langer Abend." Elche dagegen versuchte es mit aggressivem Pressing und körperlicher Intensität. Trainer Mike Johnson hatte seine Jungs auf "stark" eingestellt - im wahrsten Sinne des Wortes. Javi Hernando rackerte, schoss, fluchte - und scheiterte. Gleich viermal fand der rechte Flügelstürmer in der ersten Halbzeit seinen Meister in Torwart Franck Masse, der einen dieser Tage erwischte, an denen selbst Fliegen an seiner Torlinie verzweifelt zurückprallen würden. "Ich habe ihm zweimal zugerufen, er soll einfach mal durchatmen", erzählte Innenverteidiger Marcel Gaudin über seinen Torhüter. "Aber Franck meinte nur: ’Atme später, jetzt halte ich!’" Kurz vor der Pause wurde das Spiel dann entschieden. Martin Flores, der 20-jährige Linksaußen mit der Übersicht eines alten Regisseurs, flankte butterweich auf Rafael Vico - und der drosch den Ball in der 45. Minute kompromisslos unter die Latte. 1:0, Stadion in Ekstase, und selbst Trainer Bundy reckte die Faust: "Ich wollte cool bleiben, aber das war zu schön, um Pokerface zu spielen." Wer dachte, Elche würde sich nach der Pause sammeln, irrte. Keine 60 Sekunden nach Wiederanpfiff legte Atletic nach. Wieder war es Flores, der diesmal Pinchas Hasson bediente. Der Israeli nahm den Ball elegant mit der Brust und schob zum 2:0 ein - eine Szene, die so ruhig und abgeklärt wirkte, dass man fast vergaß, dass Hasson eigentlich für seine Temperamentsausbrüche bekannt ist. "Ich wollte gerade schreien, da fiel mir ein, dass meine Mutter zuschaut", meinte er später augenzwinkernd. Von da an kontrollierte Atletic die Partie. Mit 51,3 Prozent Ballbesitz und 14 Torschüssen gegen Elches zehn war das Spiel statistisch ausgeglichen, aber in den entscheidenden Momenten einfach klarer zugunsten der Gastgeber. Elche versuchte es mit langen Bällen, mit Flanken, mit Verzweiflung - und Bundy reagierte stoisch. Nur einmal platzte ihm kurz der Kragen, als Billy Yeates in der 73. Minute für ein rustikales Einsteigen Gelb sah. "Billy spielt manchmal, als wäre der Ball eine Bowlingkugel", murmelte der Coach später trocken. Elche brachte in der Schlussphase noch drei frische Spieler - Ximenez, Yanez und de los Reyes - aber es half nichts mehr. Die Hausherren verteidigten clever, wechselten Yeates gegen den jungen Santiago Ruiz aus, und ließen die Uhr herunterlaufen. In der 89. Minute stand Bundy an der Seitenlinie, Hände in den Hosentaschen, und rief seinem Team zu: "Jetzt nicht mehr zaubern, Jungs - einfach fertig spielen!" Nach dem Abpfiff sprach Elches Trainer Johnson von einem "Spiel, das man nicht zweimal verliert, aber heute eben einmal zu Recht". Und tatsächlich: seine Mannschaft zeigte Einsatz, aber keine Lösung gegen Barcelonas defensive Disziplin. Das Publikum verabschiedete die Heimelf mit stehenden Ovationen, während die jungen Offensivkräfte Vico und Flores lachend ihre Trikots tauschten. "Ich hab ihm gesagt, ich rahm das ein", sagte Vico. "Er meinte nur, ich soll erst mal aufräumen, bevor ich Kunst sammle." Ein Sieg des Nachwuchses, ein taktisch reifer Auftritt und ein Trainer, der es schafft, zwischen Ironie und Leidenschaft zu balancieren - Atletic Barcelona bleibt mit diesem 2:0 voll im Aufstiegsrennen. Und Al Bundy? Der grinste und sagte zum Schluss: "Zwei Tore, kein Gegentor, keine Rückenschmerzen - das ist für mich ein perfekter Abend." Ein bisschen Glück, ein bisschen Witz und viel Energie - so macht selbst Zweitliga-Fußball Laune. 22.07.643996 05:50 |
Sprücheklopfer
In diesem Drecksspiel hätte ich zehn Akteure auswechseln können.
Felix Magath