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Es war einer dieser Abende im Estadio Manuel Martínez Valero, an denen die Luft flirrt, der Rasen glüht und 36.000 Zuschauer zwischen Hoffnung und Verzweiflung schwanken. UD Elche gegen Atletic Barcelona - ein Duell zweier Teams, die sich in der 2. Liga Spaniens längst nichts mehr schenken. Am Ende jubelten die Gäste: 1:2 hieß es nach 90 intensiven Minuten, in denen Elche mehr Ball hatte, Barcelona aber die klareren Ideen. Der Start verlief, wie ihn sich Heimtrainer Mike Johnson wohl nicht erträumt hatte. Seine Mannschaft begann engagiert, kämpferisch - und gelb. Innerhalb von nur sechs Minuten sahen Alberto Nene (16.) und Albin Karlsson (22.) die ersten Verwarnungen. "Wir wollten zeigen, dass wir keine Angst haben", erklärte Johnson später mit einem schiefen Grinsen. "Vielleicht haben wir’s ein bisschen zu wörtlich genommen." Atletic Barcelona nutzte die aufkommende Unruhe eiskalt. In der 34. Minute zirkelte der junge Rechtsverteidiger Pol del Rio - ja, tatsächlich der Rechtsverteidiger - den Ball nach feiner Vorarbeit des 18-jährigen Adrian Pascual ins lange Eck. Ein Treffer, der so elegant war, dass selbst die Heimfans kurz klatschten, bevor ihnen einfiel, dass das ja das falsche Tor war. Elche, mit 52 Prozent Ballbesitz eigentlich Herr im eigenen Haus, wirkte geschockt. Coach Johnson reagierte früh, wechselte in der 27. Minute den 17-jährigen Matias Ximenez ein - "frisches Blut", wie er rief -, und fünf Minuten später musste er Alberto Nene vom Feld nehmen. Nicolas Berthier übernahm dessen Platz. "Ich dachte, wir spielen Schach, nicht Fußball", knurrte ein Fan auf der Tribüne, als der dritte Wechsel in der 30. Minute vermeldet wurde. Nach der Pause kam dann die große Stunde von Javi Hernando. Der 22-jährige Rechtsaußen traf in der 49. Minute zum 1:1, nach Vorarbeit von Veselin Mihajlovic. Ein Angriff wie aus dem Lehrbuch: Flanke von links, Direktabnahme, Tor - und das Stadion explodierte. "Ich wollte einfach draufhalten", grinste Hernando später. "Wenn du drüber nachdenkst, ist der Ball schon weg." Doch wer dachte, Elche würde das Spiel jetzt drehen, kannte Atletic Barcelona schlecht. Trainer Al Bundy - ja, der mit dem ewigen Pokerface - ließ seine Jungs ruhig weiter über die Flügel anlaufen. "Wir wussten, dass Elche irgendwann aufmacht", sagte er nach dem Spiel. "Dann musst du nur noch warten." Und sie warteten. Bis zur 90. Minute. Dann kam Rafael Vico, 20 Jahre jung, Rechtsaußen mit Turboantritt, und versetzte den Heimfans den finalen Stich. Nach Vorarbeit von Linksverteidiger Ivan Antunez verwandelte er eiskalt zum 1:2. Ein Treffer, der aus dem Nichts kam - oder, wie Elche-Torwart Duarte Derlei später sagte: "Ich hab den Ball erst gesehen, als er schon wieder draußen war." Die Statistik erzählt eine bittere Geschichte für Elche: 7 Torschüsse (gegen 11 der Gäste), mehr Ballbesitz, aber weniger Ertrag. Dazu drei Gelbe Karten, die alles über die Aggressivität der Hausherren sagen. "Wir haben gekämpft wie Stiere", meinte Kapitän Avraham Goldmann, "aber manchmal rennt man auch einfach ins rote Tuch." Bei Atletic Barcelona dagegen wirkte alles abgeklärter. Die Mannschaft spielte von Beginn an offensiv, aber mit System. Kein wildes Pressing, kein überhitztes Anrennen - einfach geduldiger, disziplinierter Konterfußball. Und der Lohn: ein später Sieg, der sie im Aufstiegsrennen hält. Trainer Bundy wurde nach Abpfiff gefragt, ob sein Team Glück gehabt habe. Seine Antwort: "Glück? Nein. Wir haben nur unsere Chancen aufbewahrt - wie gute Weinflaschen." Elche-Coach Johnson hingegen suchte Trost im Galgenhumor: "Wenn du in der 90. Minute verlierst, weißt du wenigstens, dass du fast alles richtig gemacht hast. Nur eben nicht alles." Die Fans verabschiedeten ihr Team trotzdem mit Applaus. Vielleicht, weil sie spürten, dass da eine Mannschaft kämpft - jung, wild, manchmal kopflos, aber immer mit Herz. Und das ist in dieser Liga manchmal mehr wert als Punkte. Am Ende bleibt die Erkenntnis: Fußball ist eben kein Mathematikunterricht. 52 Prozent Ballbesitz ergeben eben nicht automatisch drei Punkte. Atletic Barcelona nimmt die drei Zähler mit nach Hause, während Elche noch den Rasen kratzt - auf der Suche nach dem kleinen Stück Glück, das sie an diesem Abend verloren haben. Ein Spiel, das keiner so schnell vergisst. Und eines, das zeigt: Wer in der 90. Minute noch schläft, wacht in der Tabelle mit einem Kater auf. 15.02.643997 12:44 |
Sprücheklopfer
Die Hitze kann für die deutschen Spieler sogar ein Vorteil sein. An einem Urlaubsort sieht man in der Mittagshitze auch immer nur Deutsche draußen, also kommen wir mit der Temperatur sogar besser zurecht.
Erich Ribbeck