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Es war einer dieser Abende im Estadio do Couto, an denen man sich fragt, ob Ballbesitz eigentlich Punkte bringt. Deportivo Ourense hatte 62,9 Prozent davon, aber am Ende leuchtete auf der Anzeigetafel ein gnadenloses 1:3. Die 16.943 Zuschauer sahen ein Spiel, das statistisch nach Heimdominanz aussah, tatsächlich aber von der Effizienz der Gäste aus Barcelona entschieden wurde. Atletic-Trainer Al Bundy - ja, der Name ist Programm - grinste nach Schlusspfiff: "Ich habe meinen Jungs gesagt: Wenn sie den Ball wollen, sollen sie ihn haben. Wir nehmen lieber die Tore." Und das taten sie, eiskalt. Die Anfangsphase gehörte noch den Galiciern. Jens Hase prüfte früh den Keeper Franck Masse, Nael Navarro feuerte aus der Distanz - aber der Ball wollte nicht rein. Was Ourense in Schönheit begann, endete in Ernüchterung. Denn die Katalanen, taktisch offensiv eingestellt, warteten nur auf ihre Momente. In der 40. Minute war es soweit: Martin Flores tanzte auf links, legte quer, und Pinchas Hasson schob ein. 0:1, erste Chance, erstes Tor. "Ich dachte, er will flanken", gestand Heimtorwart Luke Craven später, "aber der Ball grinste mich an und rollte einfach vorbei." Drei Minuten später folgte der nächste Stich: Lajos Dumitrescu steckte durch, Bartilomiej Sobolewski stand goldrichtig und versenkte zum 0:2. Zwei Tore in drei Minuten - Al Bundy klatschte an der Seitenlinie so gelassen, als hätte er das Drehbuch selbst geschrieben. Robson Ponte, einst ein brillanter Spielmacher, stand nun als verzweifelter Taktiker da. "Wir waren nicht schlecht, nur naiv", sagte er und klang dabei wie ein Lehrer, dessen Schüler wieder die Hausaufgaben vergessen haben. Nach dem Seitenwechsel kam Ourense mit Wut zurück. Arsenis Halkias, der schon vor der Pause auffälligster Offensivmann war, schlenzte in der 53. Minute nach Vorlage von Semjon Gerassimow den Ball ins lange Eck - endlich 1:2, endlich Hoffnung! Die Tribüne tobte, der Stadionsprecher überschlug sich fast, und kurz schien es, als könne der Abend doch noch eine Wende nehmen. Doch Atletic blieb unbeeindruckt. Kein Pressing, kein Hektik, einfach Effizienz. In der 66. Minute konterte die Mannschaft in rot-blau eiskalt: Santiago Ruiz marschierte über links, flankte präzise und Luke Kinsella nickte zum 1:3 ein. Drei Torschüsse, drei Treffer - Lehrbuchmaterial für Minimalisten. Ourense versuchte alles: noch mehr Ballbesitz, noch mehr Flanken, noch mehr Verzweiflung. Jens Hase verzog knapp, Halkias scheiterte gleich dreimal an sich selbst und am Torwart. Als der Ballbesitz auf über 63 Prozent stieg, fragte ein Fan auf der Tribüne laut: "Kriegen wir dafür wenigstens einen Pokal?" Die Schlussphase wurde ruppiger. Toygar Kiskanc hatte schon in Halbzeit eins Gelb gesehen, nun traf es ausgerechnet den feurigen Katalanen Lajos Dumitrescu doppelt: Erst Gelb in der 84., dann Gelb-Rot in der 89. Minute. "Ich wollte nur den Rasen grüßen", behauptete er nach dem Spiel mit einem schiefen Lächeln. Trainer Bundy kommentierte trocken: "Lajos hat ein großes Herz - leider auch für Karten." Zwischenzeitlich musste Martin Flores verletzt raus, Xavi Pena kam für ihn - und bestand seine Feuertaufe mit einem beherzten Kopfball aus der eigenen Hälfte. "Ich wollte nur zeigen, dass ich da bin", sagte der 18-Jährige später stolz. Statistisch hatte Deportivo Ourense mehr Schüsse (9:10), mehr Pässe, mehr Ballkontakte - und doch weniger Glück. Atletic Barcelona verteidigte clever, lauerte auf Konter und ließ Ourense ins Leere laufen wie eine Katze, die ihrem Schatten hinterherjagt. "Wir müssen lernen, dass Fußball nicht nach Prozenten entschieden wird", meinte Ponte zum Abschluss. Sein Gegenüber Bundy konterte mit einem Grinsen: "Ich mag Zahlen. Vor allem die Drei auf unserer Seite." So endete ein Abend, der wieder einmal zeigte: Schönheit allein schießt keine Tore. Atletic Barcelona bleibt oben dran, Ourense bleibt schön - aber punktlos. Und irgendwo im Stadion murmelte ein Fan beim Hinausgehen: "Wenn Ballbesitz eine Währung wäre, wären wir reich. Leider zahlen sie in dieser Liga in Toren." 29.09.643996 16:27 |
Sprücheklopfer
Ich hatte schon vorher das Gefühl, dass die Mannschaft noch nicht reif für die Bundesliga ist. Aber dass einige Spieler so weich in der Birne sind, hätte ich nicht gedacht.
Felix Magath nach einer 1:2-Niederlage der Frankfurter Eintracht beim Oberligisten KSV Klein-Karben