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Ein warmer Maiabend in Fortaleza, 40.350 Zuschauer, die Luft voller Erwartung - und ein Spiel, das sich anfühlte wie ein tropisches Gewitter: laut, unberechenbar und mit einem elektrischen Finale. Atletico Ceara besiegte CF Flamengo mit 3:2 (3:1) und schickte die Gäste mit einer Mischung aus Frust und Respekt zurück nach Rio. Es begann furios. Schon nach 13 Minuten durfte Flamengo jubeln: Eric Jonsson, der nordische Stürmer mit der Präzision eines Uhrwerks, traf nach feinem Zuspiel von Fernando Coelho. "Ich dachte, wir hätten das Spiel im Griff", knurrte Flamengos Trainer Dino Ma später, "aber dann hat Ceara uns einfach überrannt." Tatsächlich dauerte der Traum der Gäste nur fünf Minuten. In der 18. Minute glich Silvestre Viana aus - ein Treffer, der so wuchtig war, dass selbst die Tribüne kurz zurückwich. Dimas Pauleta hatte den Ball von rechts perfekt serviert, und Viana drosch ihn mit einer Selbstverständlichkeit ins Netz, als wäre das Tor ein alter Bekannter. Ceara, von Trainer André Rei offensiv eingestellt, spielte danach wie entfesselt. Flamengo wirkte überrascht, fast überfordert von der Angriffslust der Hausherren. In der 23. Minute war es Joao Capucho, der nach Vorlage von Mario Barros den Ball einschob - 2:1. Und als die Gäste noch über die neue Ordnung sinnierten, folgte fünf Minuten später der nächste Schlag: Dimas Pauleta, eben noch Vorlagengeber, krönte sich selbst zum Torschützen. 3:1 nach 28 Minuten - das Stadion bebte. "Ich hab zu Dimas gesagt: Entweder du triffst das Tor oder den Busfahrer", scherzte Trainer Rei später mit einem Grinsen, "er hat sich zum Glück fürs Tor entschieden." Flamengo, vom frühen Schock getroffen, suchte in der zweiten Halbzeit die Flucht nach vorn. Dino Ma brachte frisches Blut, ließ offensiver anlaufen und setzte auf den jungen Finnen Aki Ukkonen. Und der traf tatsächlich: In der 48. Minute verkürzte der 22-Jährige nach einem schnellen Angriff über die rechte Seite auf 3:2. "Ich dachte, jetzt kippt das Spiel", erinnerte sich Ukkonen, "aber Ceara hat uns kaum Luft gelassen." Die Statistik sprach am Ende für Flamengo: 55 Prozent Ballbesitz, 15 Schüsse aufs Tor - aber Effizienz war an diesem Abend ein Fremdwort. Atletico Ceara schoss seltener (11 Mal), aber präziser, gefährlicher, entschlossener. Die Partie blieb hitzig. Vicente Djalo sah in der 68. Minute Gelb, weil er den Ball etwas zu temperamentvoll klärte - über die Seitenauslinie, in die Ersatzbank von Flamengo. "Ich wollte nur zeigen, dass wir den Ball wirklich nicht herschenken", grinste er nach Spielschluss. Kurz darauf wurde er ausgewechselt, ein weiser Entschluss von Coach Rei, der spürte, dass sein Verteidiger kurz vor dem Platzverweis stand. Flamengo kämpfte, rannte, presste - doch Ceara verteidigte mit Leidenschaft. Torhüter Adriano Tonel rettete mehrfach in höchster Not, besonders in der 80. Minute, als Ukkonen erneut frei vor ihm auftauchte. "Ich hab nur gedacht: Nicht schon wieder der Finne", lachte Tonel später, "und dann hab ich einfach den Arm rausgerissen. Glück gehabt." In der Nachspielzeit wurde es noch einmal dramatisch: Silvestre Viana verletzte sich nach einem harten Zweikampf in der 94. Minute. Während er behandelt wurde, flog der Ball noch zwei Mal gefährlich durch den Ceara-Strafraum - doch es blieb beim 3:2. Nach Abpfiff klatschte Trainer André Rei jeden seiner Spieler ab, als hätten sie gerade die Meisterschaft gewonnen. "Das war ein Sieg des Herzens", sagte er, und man glaubte es ihm. Dino Ma hingegen stapfte wortlos in die Kabine, nur um wenige Minuten später wieder herauszukommen und seinem Gegenüber fair zu gratulieren. "Ceara war heute einfach galliger", meinte er knapp. Die Fans von Atletico Ceara sangen noch lange, als die Flutlichter längst aus waren. Ein Sieg, der nicht nur drei Punkte brachte, sondern ein Statement setzte: Gegen diesen Ceara, das angriffslustige, launische, manchmal chaotische, aber immer leidenschaftliche Team, ist im Moment schwer anzukommen. Und irgendwo in der Katakombe soll ein Balljunge gesagt haben: "Wenn die so weiterspielen, brauchen die bald ein größeres Stadion." Niemand widersprach. 27.10.643999 07:04 |
Sprücheklopfer
Gegen uns hätten wir auch gewonnen.
Klaus Allofs