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Ein lauer Maiabend, 40.847 Zuschauer in der Johan-Cruyff-Arena, Flutlicht, Spannung, und ein Hauch von Chaos: Ayax Amsterdam besiegt Roda Kerkrade mit 3:2 (1:1) - ein Spiel, das so viele Wendungen hatte wie ein niederländischer Krimi auf Netflix. Trainer Jochen Eichhorst rieb sich nach Abpfiff die Schläfen. "Ich wollte ein ruhiges Spiel. Stattdessen habe ich zehn Jahre älter ausgesehen", grinste er mit jener Mischung aus Erleichterung und Müdigkeit, die man nur nach einem 3:2 erleben kann. Dabei hatte alles denkbar unruhig begonnen. Bereits nach einer Viertelstunde kassierte Ayax-Rechtsverteidiger Alejandro Aguas Gelb, nachdem er Bengt Taube etwas zu enthusiastisch die Linie entlang begleitet hatte - genauer gesagt, ihn fast in die Werbebande befördert. "Ich habe nur den Ball getroffen - also irgendwann mal", winkte Aguas später ab. Das Publikum lachte, der Schiedsrichter weniger. Roda Kerkrade, von Lotthar Matthaeus (ja, der Matthaeus) mit offensiver Grundhaltung, aber Konterfokus eingestellt, ging in der 29. Minute in Führung. Gerritt Keese, 33 Jahre alt und mit der Ruhe eines Mannes, der schon viele Stadien gesehen hat, vollendete nach Vorarbeit von Rechtsverteidiger Pauel Barhydt. 1:0 - und die Arena murmelte ungläubig. "Da war zu viel Platz, als wäre das ein Freundschaftsspiel", schimpfte Ayax-Kapitän Sascha Fuchs später. Doch Ayax wäre nicht Ayax, wenn es sich davon aus der Ruhe bringen ließe. In der 41. Minute schlug Samuel Lester zu - zum ersten Mal an diesem Abend. Nach feinem Pass von Espen Coeyman tanzte er durch Rodas Abwehr, als hätte er den Ball an einer Schnur. 1:1, und das Stadion explodierte in Erlösung. Lester lächelte nach dem Spiel: "Ich wollte eigentlich flanken. Aber gut, dass ich mich vertan habe." Nach der Pause blieb Ayax am Drücker - 54 Prozent Ballbesitz, 13 Torschüsse insgesamt. In der 51. Minute war es wieder Lester, diesmal nach Vorarbeit von Linksverteidiger Rodion Breschnew. 2:1, und Eichhorst ballte die Faust, als hätte er gerade den Lotto-Jackpot gezogen. "Samuel ist ein Straßenfußballer. Wenn du ihm sagst, er soll über links kommen, taucht er rechts auf - und trifft trotzdem", sagte der Coach später halb bewundernd, halb resigniert. Aber Roda gab nicht auf. Matthaeus, dessen Stimme an der Seitenlinie zu hören war, noch bevor man ihn sah ("Lauft, Männer, lauft! Das ist kein Spaziergang!"), brachte den jungen Adrian Dziekanowski in der Pause - und genau dieser lieferte in der 67. Minute die Vorlage zum 2:2 durch, na klar, Gerritt Keese. Der Oldie schnürte den Doppelpack, und die 500 mitgereisten Roda-Fans feierten, als stünden sie kurz vor der Meisterschaft. Doch kaum hatten sie sich gesetzt, kam die Antwort. Eine Minute später, 68. Minute, Sascha Fuchs, der Mann fürs Zentrum, fackelte nicht lange und jagte den Ball aus 20 Metern unter die Latte. 3:2 - das letzte Wort des Abends. Fuchs grinste danach in die Kameras: "Ich dachte, wenn Samuel zweimal darf, darf ich auch mal." Die Schlussphase wurde hektisch. Roda drückte, Ayax wackelte, Gerritt Keese scheiterte in der 89. und 94. Minute jeweils an Keeper Henry Besson, der mit zwei Glanzparaden die drei Punkte festhielt. "Ich hab einfach die Augen zugemacht und gehofft, dass er mich anschießt", gab Besson später zu - eine bescheidene, aber zutreffende Analyse seines Abendwerks. Matthaeus war nach Abpfiff dennoch nicht unzufrieden. "Wir haben Herz gezeigt. Und wenn du auswärts bei Ayax zwei Tore machst, kannst du dich nicht beschweren. Nur das Ergebnis, das nervt mich ein bisschen", sagte er mit jener typischen Mischung aus Stolz und Grant, die ihn seit Jahrzehnten begleitet. Statistisch gesehen war das Spiel ausgeglichen, mit leichten Vorteilen für Ayax (13:9 Torschüsse, 54,5 Prozent Ballbesitz). Taktisch blieben beide bei offensiver Ausrichtung - Ayax mit ruhigem Passspiel, Roda mit langen Bällen und viel Einsatz. Die Aggressivität der Gäste war hoch, was sich in einer Verletzung von Gerard Barhydt (65. Minute) und drei ruppigen Zweikämpfen mehr zeigte, die man so auch in einer Rugby-Highlightshow hätte sehen können. Als die Flutlichter erloschen, blieb das Gefühl: ein verrücktes, schnelles, launisches Spiel, wie man es in Amsterdam liebt. Trainer Eichhorst verabschiedete sich mit einem Augenzwinkern: "Wenn alle Spiele so wären, bräuchte ich bald eine Herzpumpe. Aber lieber so als 0:0." Und irgendwo in der Arena summte noch ein Fan: "Ayax spielt verrückt - aber wenigstens gewinnt’s!" Ein Satz, der den Abend perfekt beschreibt. 24.03.644000 08:00 |
Sprücheklopfer
Wenn man mir die Freude am Fußball nimmt, hört der Spaß bei mir auf!
Thomas Häßler in seiner Dortmunder Zeit