// Startseite
| Voetbal International |
| +++ Sportzeitung für Niederlande +++ |
|
|
|
Es war ein Abend, an dem die Zuschauer im Johan-Cruyff-Arena-Stadion vermutlich mehr Kalorien verbrannten als mancher Mittelfeldspieler: 40.804 Fans sahen beim 4:3-Sieg von Ayax Amsterdam gegen den FC Heerenveen ein Spiel, das irgendwo zwischen Genie und Wahnsinn oszillierte - und das bis zur allerletzten Minute. Dabei begann es für die Gastgeber von Trainer Jochen Eichhorst gar nicht verheißungsvoll. In der 14. Minute traf Heerenveens Innenverteidiger Hjalmar Kraft nach einem Freistoß von Esteban Melendez zum 0:1 - und das, obwohl der junge Schwede bereits in der achten Minute Gelb gesehen hatte. "Ich wollte eigentlich gar nicht mit nach vorn", grinste Kraft später, "aber Melendez hat so schön gewunken - da konnte ich nicht nein sagen." Doch Ayax antwortete prompt: Nur zwei Minuten später zog Sascha Fuchs aus 20 Metern ab, nachdem Bruno Blanchet mustergültig quergelegt hatte - und der Ball zappelte im Netz. 1:1, und die Arena bebte. Es war der Auftakt zu einer ersten Halbzeit, die eher an ein Tennisspiel erinnerte als an taktische Disziplin. In der 22. Minute stellte Samuel Lester nach Vorarbeit von Oscar Leachman auf 2:1. Die Ayax-Fans tanzten, die Heerenveen-Abwehr wirkte konfus - und dann kam Jan Van Tassel. Der bullige Linksaußen der Gäste entschied binnen weniger Minuten, dass er keine Lust auf Rückstand hatte. Erst in der 31. Minute nach Flanke von Domenico Maida, dann in der 35. Minute nach Zuspiel von Koenraad Vandermark traf er doppelt. 2:3 zur Pause - und Heerenveen jubelte, als hätten sie gerade die Champions League gewonnen. Trainer Eichhorst verschwand kopfschüttelnd in die Kabine. "Ich hab den Jungs gesagt, das ist keine Zirkusvorstellung, sondern ein Fußballspiel", erzählte er später mit einem Grinsen. "Aber vielleicht war genau das der Schlüssel." Denn Ayax kam wie verwandelt aus der Pause. In der 51. Minute traf Lars Vanderveer nach Vorarbeit von Fuchs zum 3:3-Ausgleich. Das Publikum tobte, und plötzlich war wieder alles möglich. Die Statistiken zeigten ein ausgeglichenes Spiel: 50,8 Prozent Ballbesitz für Ayax, 49,2 für Heerenveen, dazu 9:12 Torschüsse - es war ein Duell auf Augenhöhe, nur mit unterschiedlichen Frisuren. Heerenveen blieb gefährlich. Van Tassel prüfte Ayax-Keeper Henry Besson gleich mehrfach, und Tomo Bazina schoss zwischen der 84. und 89. Minute gefühlt alles aufs Tor, was rund war. Doch als alle schon mit einem Unentschieden rechneten, kam die 93. Minute - und Espen Coeyman. Der 32-jährige Linksaußen fasste sich nach Vorlage von Vanderveer ein Herz und zog ab. Der Ball flog in einer perfekten Kurve, küsste die Unterkante der Latte und landete hinter der Linie. 4:3. Ein Tor, das selbst den neutralen Beobachter aufsprang. "Ich hab eigentlich schon auf den Schlusspfiff gewartet", gab Coeyman nach der Partie zu. "Aber Lars hat so geschrien, dass ich dachte, da muss was Großes passieren." Und das tat es. Heerenveens Trainer Adam Kramer war nach dem Spiel sichtlich konsterniert. "Wir haben offensiv gespielt, mutig, manchmal vielleicht zu mutig. Aber wenn du in Amsterdam drei Tore schießt und trotzdem verlierst, dann weißt du, was los war." Seine Mannschaft hatte es versucht - offensiv, aggressiv, mit Pressing im Schongang, wie es die Taktikanalyse zeigte. Doch am Ende fehlte die letzte Konsequenz. Drei Gelbe Karten binnen 16 Minuten in der zweiten Halbzeit - Van Keuren (60.), Maida (75.) und Costar (76.) - zeigten, dass Heerenveen in der Schlussphase mehr mit den Nerven als mit dem Gegner kämpfte. "Wir wollten einfach zu sehr", meinte Van Tassel, der Doppeltorschütze, achselzuckend. "Vielleicht zu sehr." Als die Fans nach dem Schlusspfiff noch immer auf ihren Plätzen standen, applaudierten sie einer Partie, die alles hatte: Tore, Drama, Emotion - und einen Espen Coeyman, der sich endgültig in die Herzen der Ayax-Anhänger schoss. "So ein Spiel darfst du nicht planen", sagte Eichhorst mit einem verschmitzten Lächeln in der Pressekonferenz. "Aber wenn du’s gewinnst, sieht’s aus, als hättest du’s getan." Und so bleibt von diesem 21. Spieltag der niederländischen Liga ein wildes 4:3, das die Fans wohl noch lange erzählen werden - als den Abend, an dem Ayax Amsterdam aus purem Chaos goldene Punkte schmiedete. Oder, wie ein Zuschauer beim Rausgehen treffend murmelte: "Ich wollte eigentlich früh ins Bett. Jetzt brauch ich erstmal ’nen Kamillentee." 08.02.644000 12:15 |
Sprücheklopfer
Mein Sohn ist wegen dem Rennen hier, ich nur wegen den Boxenludern.
Mehmet Scholl auf die Frage, warum er beim Großen Preis in Hockenheim sei